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Polen verstärkt Truppen an Grenze zu Belarus

Nach einem Zwischenfall ordert Polens Verteidigungsminister zusätzliche Soldaten und Ressourcen ins Grenzgebiet. Sorge bereitet auch der Zuzug von russischen Wagner-Kämpfern nach Belarus.

Polnisch-belarussische Grenze
Ein bewaffneter polnischer Grenzsoldat bewacht am 27.01.2022 die Grenze zu Belarus. Foto: Attila Husejnow/DPA
Ein bewaffneter polnischer Grenzsoldat bewacht am 27.01.2022 die Grenze zu Belarus.
Foto: Attila Husejnow/DPA

Polen hat Belarus vorgeworfen, mit Hubschraubern in den polnischen Luftraum eingedrungen zu sein - und hat daraufhin die Zahl der Soldaten an der Grenze erhöht. Zwei belarussische Hubschrauber, die in der Nähe der Grenze trainiert hätten, hätten den polnischen Luftraum verletzt, zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP gestern Abend das Verteidigungsministerium.

Der Grenzübertritt habe gestern in der Gegend von Bialowieza in einer sehr geringen Höhe stattgefunden, so dass er von Radarsystemen nur schwer habe erfasst werden können.

Nato ist informiert

Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak habe angeordnet, die Zahl der Soldaten zu erhöhen und zusätzliche Ressourcen, darunter Kampfhubschrauber, an der Grenze bereitzustellen, wie es weiter hieß. Zahlen wurden nicht genannt. Polen habe die Nato über den Vorfall informiert.

Der Zuzug von Kämpfern der russischen Privatarmee Wagner nach Belarus sorgt in Polen und anderen Nato-Staaten für Unruhe. Die polnische Armee hatte deshalb bereits zusätzliche Truppen aus dem Westen des Landes nach Osten beordert. Am Samstag hatte sich der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki besorgt über Truppenbewegungen von Wagner-Söldner in Belarus Richtung Polen gezeigt.

Damit werde die Situation an der Grenze »noch bedrohlicher«. Zuvor hatte Vizeregierungschef Jaroslaw Kaczynski angekündigt, Polen werde die Grenze zu Belarus weiter befestigen. Seit 2022 sind an der etwa 400 Kilometer langen Grenze 186 Kilometer mit einem 5,5 Meter hohen Zaun versehen worden.

Wagner-Söldner als Ausbilder

Truppen der Privatarmee von Söldnergruppen-Chef Jewgeni Prigoschin waren nach einem gescheiterten Aufstand gegen Moskau nach Belarus umgesiedelt worden. Die Militärführung in Minsk hatte mitgeteilt, dass die Söldner in Belarus nun auch für die Ausbildung von Soldaten zuständig seien und ihre Kampferfahrung aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine vermitteln sollen. 

Polen befindet sich derzeit im Wahlkampfmodus, denn im Herbst wird in dem EU-Mitgliedstaat ein neues Parlament bestimmt. Vertreter der polnischen Armee sprachen angesichts der Wagner-Söldner in Belarus von einer russischen Propagandaaktion, die Unruhe stiften solle.

© dpa-infocom, dpa:230802-99-655289/4