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Kritik an Thunberg nach Statements für Palästinenser

Klimaaktivistin Greta Thunberg steigt mit Palästinensertuch auf die Bühne einer Großdemonstration in Amsterdam und skandiert Parolen. Das missfällt auch Teilen ihrer eigenen Bewegung.

Klimamarsch
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (l) steht neben der Palästina-Aktivistin Sara Rachdan auf der Bühne einer Kundgebung in Amsterdam. Foto: Peter Dejong/DPA
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (l) steht neben der Palästina-Aktivistin Sara Rachdan auf der Bühne einer Kundgebung in Amsterdam.
Foto: Peter Dejong/DPA

Nach fünf Wochen Gaza-Krieg hat Greta Thunberg auf einer Klimaschutz-Demo in Amsterdam erneut offensiv Partei für die Palästinenser ergriffen - und droht mit ihrem kontroversen Engagement die globale Klimabewegung zu spalten. Am Montag gingen die deutschen Aktivisten von Fridays for Future deutlich auf Distanz und erklärten: »Fridays for Future in Deutschland agiert als eigenständige Organisation und ist schon lange über Greta als Person herausgewachsen.« Die Prozesse auf internationaler Ebene habe man schon länger ausgesetzt.

Auch von Grünen-Chefin Ricarda Lang kam Kritik. Thunbergs Äußerungen seien nicht nur bedrückend, sondern »absolut unanständig«. Als Gesicht der Klimabewegung habe sie sich durch ihre wiederholten einseitigen Aussagen diskreditiert. »Ich glaube, das ist klar.« Thunberg hatte 2018 als Teenagerin in Schweden mit ihrem »Schulstreik fürs Klima« die globale Bewegung Fridays for Future ins Rollen gebracht und galt über Jahre als prägende Figur der Aktivisten.

Was war in Amsterdam geschehen?

Mit einem traditionellen schwarz-weißen Palästinensertuch um den Hals sagte die 20-jährige Thunberg vor Zehntausenden Zuhörern in Amsterdam, die Klimaschutzbewegung habe die Pflicht, »auf die Stimmen jener zu hören, die unterdrückt sind und die für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen«. Auch skandierte Thunberg mehrfach: »No climate justice on occupied land.« (»Auf besetztem Land gibt es keine Klimagerechtigkeit.«) Sie spielte damit offenkundig auf die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete an. Nach einer ähnlichen Aktion im vergangenen Monat war Thunberg bereits dafür kritisiert worden, dass sie die israelischen Opfer des Massakers der Hamas vom 7. Oktober mit rund 1200 Toten nicht gesondert erwähnt hatte.

Zweiter Aufreger war, dass eine Palästina-Aktivistin auf der Bühne von Thunberg das Mikrofon übernahm und rief, Israel begehe im Gazastreifen Völkermord. Die Frau namens Sara Rachdan bestätigte tags darauf auf Instagram allerdings die Darstellung der Organisatoren, dass sie gar nicht als Rednerin eingeladen war. Auch stellte sie klar, dass sie Thunberg zuvor nicht kannte.

Über eine andere Rednerin bekam Rachdan nach ihrer Darstellung Zugang zum Podium und auch zum Mikrofon - was aber die Organisatoren zunächst beendeten. Dann aber gab Thunberg ihr Gelegenheit, über die Lage im Gazastreifen zu reden, in dem seit gut einem Monat israelische Truppen die islamistische Terrororganisation Hamas bekämpfen.

Größte Klimademo überhaupt in den Niederlanden

Gut 85.000 Menschen hatten sich nach Angaben der Polizei an dem Klimamarsch beteiligt. Damit war es die größte Klimademonstration, die es je in den Niederlanden gab. Thunberg gehörte zu den offiziellen Rednern.

Rachdan promoviert zurzeit an der medizinischen Fakultät in Amsterdam. In Online-Medien hatte sie zuletzt zu Protesten gegen Israel aufgerufen. Nur zwei Tage nach dem Massaker an Bürgern Israels durch die Hamas sagte sie auf Instagram: »Es geht nicht um Hamas, es geht um den palästinensischen Widerstand. Endlich gehen die Palästinenser gegen die Besatzung vor.« Und mehrfach verglich sie auch den Militäreinsatz Israels mit dem Holocaust, der Ermordung von Millionen europäischer Juden durch deutsche Nationalsozialisten.

Grüne Lang übt scharfe Kritik

Grünen-Chefin Lang sagte, Jugend- und Klimabewegungen müssten nicht zu jedem Thema immer Position beziehen. »Aber es muss eine Klarheit über grundlegende Werte geben. Und zu diesen grundlegenden Werten gehört auch der Schutz von Jüdinnen und Juden.« Thunberg warf sie vor, die Gräueltaten der Hamas nicht zu verurteilen. Man könne beinahe sagen, dass sie »am Ende Täter und Opfer vertauscht« und dass Thunberg »das Existenzrechts Israels zur Seite wischt«.

Noch schärfer urteilte CSU-Generalsekretär Martin Huber. »Greta Thunberg ist eine Antisemitin. Sie unterstützt Hamas-Fans und schürt Israel-Hass«, schreib er auf der Plattform X. Fridays for Future sei keine Klimabewegung mehr, »es ist eine von Judenhass durchsetzte Propaganda-Maschinerie«.

Fridays for Future Deutschland betonte dagegen, man habe den Terrorangriff der islamistischen Hamas vom 7. Oktober mehrfach scharf verurteilt. Für Antisemitismus sei in der Bewegung kein Platz; dem werde man sich weiter entschlossen entgegenstellen.

© dpa-infocom, dpa:231113-99-930689/4