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Büroraum-Anbieter WeWork räumt Zweifel an Fortbestand ein

Erst platzte ein Börsengang, dann gingen die Menschen pandemiebedingt ins Homeoffice. Inzwischen ist das Unternehmen zwar börsennotiert - doch die Probleme sind nicht unbedingt weniger geworden.

WeWork
Ein »Wework«-Standort im australischen Sydney. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/DPA
Ein »Wework«-Standort im australischen Sydney.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/DPA

Der Büroraum-Anbieter WeWork, der einst zum Paradebeispiel für maßlos überbewertete US-Start-ups wurde, steckt wieder in Schwierigkeiten. WeWork räumte am Dienstag mit Blick auf die Verluste und den erwarteten Geldbedarf »erhebliche Zweifel« am Fortbestehen des Unternehmens ein. Man wolle nun in den kommenden zwölf Monaten günstigere Mieten aushandeln, die Kosten senken und sich frisches Kapital besorgen, kündigte WeWork an.

Die Idee hinter WeWork ist, in sogenannten Co-Working Spaces Büroräume mit gemeinsamer Infrastruktur an Start-ups und Unternehmer zu vermieten. Unter anderem dank geschickter Vermarktung durch die Gründer investierten Geldgeber in WeWork zu einer Gesamtbewertung von bis zu 47 Milliarden Dollar.

Mit diesem Ruf eines der wertvollsten Start-ups wollte WeWork 2019 an die Börse gehen - doch statt eines Triumphs gab es einen Flop. Der tiefere Einblick ins Geschäft im Börsenprospekt veranlasste große Investoren, einen Bogen um die verlustreiche Firma zu machen.

Büroflächen können nicht gefüllt werden

Teuer wurde das damalige Debakel vor allem für den japanischen Konzern Softbank des Milliardärs Masayoshi Son. Softbank und sein mit saudi-arabischen Geldern gestützter Vision-Investitionsfonds hatten sich für neun Milliarden Dollar einen Anteil von 29 Prozent an WeWork gesichert. Als der Börsengang 2019 platzte, nahm Softbank weitere 9,5 Milliarden Dollar in die Hand, um auf 80 Prozent aufzustocken und den umstrittenen Mitgründer und Chef Adam Neumann herauszudrängen.

Doch auch unter der Regie von Softbank blieb WeWork glücklos. In der Corona-Pandemie leerten sich Büros weltweit, weil Menschen zu Hause arbeiteten. Auch nach Abklingen der Pandemie tut sich WeWork schwer damit, seine Büroflächen zu füllen. Zugleich müssen etwa Mietkosten für Gebäude bezahlt und Schulden bedient werden. WeWork hatte erst vor einigen Monaten durch Gespräche mit Geldgebern die Schuldenlast etwas senken können.

Im Jahr 2021 schaffte es WeWork durch einen Umweg doch noch an die Börse. Durch die Fusion mit einer Blankoscheck-Firma wurde WeWork börsennotiert. Damals wurde eine Aktie für rund 13 Dollar gehandelt. Im nachbörslichen Handel am Dienstag brach der Kurs noch einmal um mehr als ein Fünftel auf rund 16 US-Cent ein.

© dpa-infocom, dpa:230809-99-773017/2