18:41 Uhr Die Protestaktionen haben in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb zwar für erhebliche Verkehrsbehinderungen gesorgt. Insgesamt seien die Demonstrationen jedoch friedlich verlaufen, teilte die Reutlinger Polizei am Abend mit. Von vier Uhr morgens bis in die Abendstunden fanden an verschiedenen Örtlichkeiten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen rund ein Dutzend Versammlungen statt, die überwiegend als Stern- und Kolonnenfahrten mit Traktoren abgehalten wurden. Hinzu kamen über ein halbes Dutzend stationäre Kundgebungen. Die größte Demonstration fand in Reutlingen mit über 1.000 Fahrzeugen und mehreren tausend Teilnehmenden statt, so die Polizei. Die längsten Staus entwickelten sich im Bereich der B28a, dem Autobahnzubringer zur BAB81 um Rottenburg-Ergenzingen infolge langfristiger Blockaden.
Meldungen über blockierte Rettungswege im Präsidiumsbereich gingen bei der Polizei bislang nicht ein. In Zusammenhang mit den Protestaktionen kam es zu zwei Unfällen mit Sachschaden, die sich jeweils im Rückstau ereigneten. Personen wurden dabei nicht verletzt. Die Polizei sprach gegen zehn Demonstranten Platzverweise aus. Weiterhin wurden bislang insgesamt vier Straftaten im Kontext der Demonstrationen festgestellt (zwei Anzeigen wegen Nötigung im Straßenverkehr, eine Anzeige wegen Sachbeschädigung, eine Anzeige wegen Beleidigung). Da auch einige unangekündigte Proteste stattfanden, wird hier das Vorliegen von strafbaren Handlungen geprüft. Im weiteren Verlauf des Abends und in den kommenden Tagen ist weiterhin mit Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen.
18:33 Uhr: An diesen Stellen kommt es laut Polizei derzeit noch zu Verkehrsstörungen: B28 zwischen Tübingen und Rottenburg, Honauer Steige. Am Traifelberg wird immer noch der Kreisverkehr blockiert.
18:07 Uhr: Nach dem Protest ist vor dem Protest: Der Kreisbauernverband organisiert am Mittwoch, den 10. Januar, eine Schlepperfahrt von Tübingen nach Bodelshausen. Die Teilnehmer versammeln sich um 14.30 Uhr auf dem Festplatz in Tübingen. Ab 15 Uhr geht es los. Die Bauern machen eine große Runde über Rottenburg, Unterjesingen und die Tübinger Stadtmitte mit Stadtgraben, Mühlstraße, Eberhardsbrücke, Friedrichstraße und Blauer Brücke. Anschließend fahren die Schlepper auf der B27 Richtung Steinlachtal. Ziel der Fahrt ist die Ausfahrt Bodelshausen. Dort gibt es ab 17.30 Uhr ein Mahnfeuer. Den Bauern ist es wichtig, dass sich die Bürger darauf einstellen können, sagt Kreisobmann Jörg Kautt aus Kusterdingen. »Wir wollen nicht den Rückhalt in der Bevölkerung aufs Spiel setzen.«
17:31 Uhr: Nach den Bauernprotesten in ganz Deutschland stellt sich Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) am Dienstag nahe Heilbronn bei einer Veranstaltung den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. Özdemir nimmt ab 19 Uhr am Bürgerdialog der Grünen-Landtagsfraktion in Erlenbach nahe Heilbronn teil, sagte ein Fraktionssprecher der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Eigentlich sollte es bei der Veranstaltung laut Einladung um Themen wie Bildung, bezahlbaren Wohnraum oder Klimaschutz gehen - er rechnet jedoch damit, dass auch viele Landwirte an der Veranstaltung teilnehmen, sagte der Sprecher.
16:58 Uhr: Ein Leser des GEA, der die Kundgebung auf dem Betz-Areal von einem Hochhaus aus verfolgt hat, hat sich in der Redaktion gemeldet, um zu sagen, dass er »so einen friedlichen Protest in Reutlingen noch nie gesehen« hat. Um Punkt 15 Uhr sei der Platz der Versammlung vollständig geräumt gewesen.
16:28 Uhr: Die Verkehrsbehinderungen verlagern sich weiter. Aktuell gibt es eine »Verkehrsstörung« an der Honauer Steige, berichtet die Polizei auf »X«. Vor gut einer Stunde wurde der Kreisverkehr am Traifelberg blockiert. Auch auf der B28 zwischen Tübingen und Rottenburg geht es wieder nur schleppend voran.
Organisatoren der Kundgebung distanzieren sich von Aktion auf dem Marktplatz
15:41 Uhr: Um 18:45 Uhr soll auf dem Reutlinger Marktplatz eine unangemeldete Protestaktion stattfinden. »Damit haben wir nichts zu tun«, betont Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Reutlingen. Er hebt stattdessen die gute Zusammenarbeit mit der Polizei und der Reutlinger Stadtverwaltung hervor, die letztlich den Vorschlag gemacht hatte, die Kundgebung auf dem ehemaligen Betz-Areal abzuhalten. »Das war letztlich auch gut so«, sagt Aierstock. »Zwar hätten wir an der Stadthalle oder dem Marktplatz noch mehr Aufsehen erregt, aber hier haben wenigstens fast alle Teilnehmer auf den Platz gepasst.« Er schätzt, dass bei der Kundgebung rund 2.000 Teilnehmer anwesend waren.
14:29 Uhr: Die Beteiligung an den Bauernprotesten ist laut Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums groß. Derzeit finden im Südwesten über 270 Aktionen mit schätzungsweise etwa 17.000 beteiligten Fahrzeugen statt, teilte ein Sprecher am Montagmittag mit. Dadurch kommt es landesweit auf einer Vielzahl von Straßen zu teilweise erheblichen Verkehrsbehinderungen.
14:12 Uhr: Laut Polizei auf »X« gibt es aktuell eine Blockade der B27 in Reutlingen Richtung Tübingen.
Landwirte fahren protestierend durch Münsingen
14:05 Uhr: Landwirte, die entlang der Bundesstraße 465 zwischen Bremelau und Ehingen ihren Betrieb haben, beteiligten sich ebenfalls an den Bauernprotesten. Gegen 9.30 Uhr machten sie sich in Altsteußlingen (Alb-Donau-Kreis) Richtung Münsingen (Landkreis Reutlingen) auf. Unterwegs schlossen sich Kollegen an, die im Lautertal zu Hause sind. In Münsingen angekommen, drehten die Traktoren im Schneckentempo einige Ehrenrunden im Kreisverkehr, bevor es nach Auingen weiterging. Dort ließen sich die rund 50 Teilnehmenden bei BeckaBeck die kostenfreien Brezeln und den heißen Kaffee schmecken, die der Geschäftsführer am Protesttag den teilnehmenden Landwirten angeboten hatte.
Frisch gestärkt und aufgewärmt machten sich die Protestierenden wenig später auf, um noch hupend durch Münsingen zu fahren, bevor es wieder zurück auf die Höfe ging. Laut Polizei hielten sich die Verkehrsbehinderungen auf diesem Streckenabschnitt in Grenzen. Im Münsinger Stadtteil Magolsheim wurde ebenfalls protestiert. Dort hingen alle Ortsschilder auf dem Kopf, in Böttingen wurden sie mit diversen Schuhen verziert. (lejo)
Es gibt weiterhin Verkehrsbehinderungen
13:32 Uhr: Außer bei der Abfahrt der Teilnehmer der Kundgebung in Reutlingen gibt es laut Polizei auf »X« derzeit noch Verkehrsstörungen aufgrund von Protesten auf der B27 bei Seebronn und Steinhofen. Auf der B28 bei Rottenburg-Ergenzingen gibt es eine Blockade an der Kreuzung L356 und L360. Auch ein Korso bei Plochingen Richtung Stuttgart sorgt für Verkehrsprobleme.
Mehr als 1.000 Fahrzeuge bei Kundgebung in Reutlingen
12:55 Uhr: Eine offizielle Zahl, wie viele Teilnehmer bei der Kundgebung waren, hat Organisator Aierstock noch nicht parat. »Angemeldet waren 1.000 Fahrzeuge«, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Reutlingen, »diese Zahl dürften wir definitiv erreicht haben. Der Platz war voll.« Die meisten der Fahrzeuge waren mit mindestens einem Beifahrer besetzt. Der Andrang war sogar so groß, dass nicht mehr alle Fahrzeuge auf das Gelände gelassen wurden.
12:47 Uhr: Die Organisatoren der Kundgebung fordern die Teilnehmer auch dazu auf, nun geregelt vom Betz-Areal abzufahren. »Nicht alle auf einmal«, lautet die Devise. Trotzdem wird nun wieder mit Verkehrsbehinderungen in der Reutlinger Innenstadt und auf den Straßen Richtung Metzingen und auf die Schwäbische Alb zu rechnen sein.
12:41 Uhr: Zum Abschluss der Kundgebung fordert der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Reutlingen, Gebhard Aierstock, alle Teilnehmer dazu auf, weiterhin im »gesetzlichen Rahmen« zu bleiben: »Wir dürfen die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht verlieren.«
Politiker auf Kundgebung ausgebuht
12:36 Uhr: Zu den Rednern auf der Kundgebung gehören auch mehrere lokale Politiker. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober wirbt für mehr Verständnis für die Bundesregierung - und erntet dafür ein gellendes Pfeifkonzert. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Cindy Holmberg ist als Ersatz für die terminlich verhinderte Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke vor Ort. Bereits dafür wird sie ausgepfiffen. »Grüne weg, Grüne weg«, Sprechchöre werden angestimmt, als Holmberg ihre Rede hält. Vereinzelt sind auch Beleidigungen gegen die Grünen-Politikerin zu hören. Einzig der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Donth erntet Applaus, da er sich mit den Landwirten solidarisiert und ebenfalls die Rücknahme der gestrichenen Subvention für den Agrardiesel fordert.
12:09 Uhr: Die Anfahrt zum Betz-Areal ist für manche Bauern immer noch eine Geduldsprobe. Traktoren, die sich bereits um 8 Uhr am Traifelberg auf den Weg nach Reutlingen gemacht haben, brauchten für die rund 20 Kilometer fast vier Stunden - und sind teilweise immer noch nicht auf dem Gelände.
11:52 Uhr: Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Reutlingen distanziert sich von »rechten Gruppen«. »Wir Bauern stehen mit beiden Beinen fest auf dem Grundgesetz und zu unseren demokratischen Werten«, sagt Aierstock. Wenn sich »Schwurbler« auf die Kundgebung einschleichen würden und sie etwa »grenzwertige« Plakate oder Transparente hissen würden, würde man versuchen, sie vom Gelände zu entfernen, sagte er im Vorfeld. Auf der Kundgebung fordert er im Gegensatz zu einigen Teilnehmern nicht die Absetzung der Ampel-Regierung. »Wir werden den konstruktiven Austausch beibehalten.« Bei den Teilnehmern sind dagegen einige Transparente zu sehen, die einen Regierungswechsel fordern. Auch von einer Beteiligung an einem »Generalstreik« distanziert er sich.
Reutlinger Scheibengipfeltunnel komplett gesperrt
11:49 Uhr: Der Scheibengipfeltunnel ist komplett gesperrt, schreibt die Polizei auf »X«.
11:39 Uhr: »Das Fass ist übergelaufen«, sagt Aierstock. Die zentrale Forderung sei, die von der Bundesregierung geplante schrittweise Streichung der Subventionen beim Agrardiesel komplett zurückzunehmen. Dafür gibt es großen Applaus von den Landwirten. Im Hintergrund ist immer noch ein durchgängiges Hupkonzert der Traktoren zu hören, die immer noch auf der Anreise sind.
11:32 Uhr: Laut dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbands Reutlingen, Gebhard Aierstock, sind nur mehrere Tausend Landwirte zur Kundgebung gekommen. Solidarisch zeigen sich etwa auch Speditionsbetriebe, Bäcker, Metzger und Betriebe aus Gastronomie sowie aus dem Handwerk.
11:16 Uhr: Die Organisatoren haben beschlossen, mit dem Start der Kundgebung noch etwa 15 Minuten zu warten, damit noch mehr Teilnehmer auf das Gelände können. Weil Fahrzeuge aus allen Richtungen zum Betz-Areal fahren, ist in weiten Teilen der Innenstadt und im Scheibengipfeltunnel der Verkehr stark eingeschränkt, wie die Polizei auf »X« berichtet.
Fahrzeuge strömen zur Kundgebung auf das Betz-Areal
10:58 Uhr: Auf dem Reutlinger Betz-Areal haben sich bereits mehrere Hundert Traktoren und Schlepper versammelt. Aber die Schlange an Fahrzeugen, die noch zur Kundgebung wollen, ist noch lange nicht zu Ende. Bei der Firma Heinrich Schmid im Industriegebiet treffen drei Stränge von Konvois zusammen. Aus allen Richtungen geht es nur im Schneckentempo voran. Mehrere Hundert Landwirte werden es nicht rechtzeitig zur Kundgebung des Kreisbauernverbands (KBV) Reutlingen und des Vereins Land schafft Verbindung (LSV) schaffen.
10:28 Uhr: Es hat ein bisschen was von einem Fasnets-Umzug auf der Karlstraße in Reutlingen. Die vielen hupenden und blinkenden Traktoren sowie Sattelschlepper ziehen alle Blicke auf sich. Am Straßenrand zücken Passanten ihre Smartphones, um das Spektakel festzuhalten. Mütter bleiben mit ihren Kindern stehen und winken den Fahrzeugen zu. Die Fahrer wiederum winken freundlich zurück und hupen.
Mehrere Konvois blockieren die B28
10:06 Uhr: Die Polizei regelt nun den Verkehr an der B28-Kreuzung am Reutlinger McDonald's. Etwa zehn Minuten lang darf eine nicht enden wollende Schlange an Traktoren, Sattelschleppern und anderen Fahrzeugen links ins Industriegebiet In Laisen abbiegen. Dort beginnt um 11 Uhr eine große Kundgebung auf dem ehemaligen Willie-Betz-Areal.
9:48 Uhr: Ein größerer Konvoi von mehreren Dutzend Traktoren und Schleppern blockiert die Zufahrtsstraße der B28 nach Reutlingen aus Richtung Metzingen kommend. Die auf je einer der beiden Spuren fahrenden Führungsfahrzeuge sind nur im Schneckentempo unterwegs. Im Konvoi steckte auch das ein oder andere Auto fest - so auch ein Einsatzfahrzeug der Polizei.
9:33 Uhr: Jetzt legen Traktoren auch zunehmend die B28 in Reutlingen lahm. Ein Konvoi von etwa einem Dutzend Fahrzeugen fährt laut hupend im Schneckentempo auf beiden Spuren der Bundesstraße und zwingt damit die anderen Verkehrsteilnehmer zur Anpassung. Aus der Ferne ist bereits das nächste Hupkonzert von Traktoren zu hören.
9:18 Uhr: Ein Polizei-Hubschrauber war gerade über Reutlingen zu sehen und zu hören. »Der ist das ideale Mittel, um vor allem die Verkehrssituation überwachen zu können«, klärt eine Polizeisprecherin auf. Der Hubschrauber war unter anderem zuvor schon im Zollernalbkreis im Einsatz und wird im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen eingesetzt.
9:08 Uhr: Mehrere Handwerksbetriebe haben sich mit den heutigen Protesten der Landwirte solidarisiert. So schreibt etwa die Römersteiner Bäckerei Beckabeck auf Instagram: »Ohne Bauern kein Beckabeck.« Allen Bauern, die mit ihren Traktoren vor einer Filiale Halt machen, wird zudem eine Brezel und ein Kaffee angeboten. Das gleiche bietet etwa auch die Engstinger Spedition Munz allen Demonstranten an.
8:55 Uhr: Markus Mayer mahnt zum Aufbruch Richtung Reutlingen. Der Lärm wird ohrenbetäubend, als sich alle Traktoren laut hupend auf der B28 im Ermstal Richtung Reutlingen aufmachen. »Fahrt bitte geordnet und haltet Euch an die Regeln«, ruft er zu seinen Kollegen, »fangt keinen Streit an, wenn sich doch mal ein Autofahrer reindrängt.«
8:46 Uhr: Auf dem Parkplatz stehen nicht nur große Traktoren, sondern auch einige Laster. Spediteure, die sich mit den Bauern solidarisiert haben. »Hand in Hand für den Mittelstand«, steht auf den Plakaten, »eine defekte Ampel kann zu großen Schäden in Ihrer Umgebung führen!«
8:39 Uhr: Die Schlange aus hupenden und blinkenden Trekkern auf der B465 aus Münsingen reißt nicht ab, der Parkplatz ist schon lange voll. Viele haben Parolen auf ihre schweren Maschinen geklebt. Konkrete Forderungen (»Klare Herkunft für unsere Lebensmittel«) ebenso wie Klagen über erdrückende Bürokratie (»Gesetze und Regeln ohne Verstand – erst stirbt der Bauer, dann das Land«). Und unverhohlene Kritik an der Ampel-Regierung, die bis zur Rücktrittsforderung reicht. Am militantesten daher kommt ein altes Feuerwehrauto, dessen Besitzer durch rot-weiße Flatterbänder seine Solidarität mit den Bauern zeigt. Hier steht unzweideutig »Ampel weg!« und »IHR regt uns auf. WIR sind das Volk«. Ampel-Galgen sieht man in Bad Urach keine.
8:31 Uhr: Auf der Autobahn A81 bei Böblingen sind mehrere Traktoren unterwegs gewesen. Wie die Polizei Montagfrüh mitteilte, waren die Fahrzeuge Teil einer nicht angemeldeten Protestaktion der Bauern. Traktoren ist das Fahren auf der Autobahn verboten. Es kam zu Verkehrsbehinderungen. Im Vorfeld getroffene Abmachungen der Polizei mit den Organisatoren hatten die Autobahn explizit bei angemeldeten Protestaktionen ausgenommen.
8:24 Uhr: Der große Parkplatz im Uracher Seilerweg-Areal füllt sich. Vor dem Baywa-Fachmarkt, wo es vor allem landwirtschaftliche Produkte gibt, haben die Bauern einen Treffpunkt vereinbart. Hier kommen Landwirte von der Römersteiner und der Münsinger Alb zusammen. Einige sind aus dem Lautertal und den umliegenden Höfen hergerollt. »Münsingen war vorher schon dicht«, sagt Markus Mayer, der als Erster auf den Parkplatz rollt. Der Mann, der mit seiner Frau Maria auf dem Wittlinger Sonnenhof einen großen Schweinezuchtbetrieb führt und einen Partyservice betreibt – das dritte Standbein ist die Holzhackschnitzel-Produktion – hat auf seinen Schneepflug »ES REICHT!« geklebt. »Beim Stabilo in Münsingen waren es schon 200 Fahrzeuge«, sagt er, »allein aus Mehrstetten sollen 45 Traktoren da sein.« Er selbst ist mit vier Fahrzeugen dabei, darunter ein Viehtransporter.
8:22 Uhr: Das Polizeipräsidium Reutlingen gibt auf seinem Profil des sozialen Netzwerks »X« Informationen zur aktuellen Verkehrslage. Demnach gibt oder gab es zuletzt Verkehrsbehinderungen in Mössingen, Seebronn, auf der B27 Richtung Stuttgart auf Höhe Filderstadt, Rottenburg Innenstadt, Zwiefalten Mitte, Nürtingen, Stuhlsteige Pfullingen, Traifelberg in Honau Richtung Reutlingen und auf der B28 Rottenburg bis Tübingen.
Die aktuelle Verkehrslage laut Daten (Stand 8:20 Uhr) von Google Maps. SCREENSHOT: GOOGLE MAPS
7:54 Uhr: Bauern haben mit ihren Traktoren verschiedene Zufahrtsstraßen nach Tübingen blockiert. Sowohl aus Richtung Rottenburg als auch aus Richtung Reutlingen kam es zu Verkehrsstaus. Linienbusse konnten auf den Zufahrten deshalb nicht rechtzeitig nach Tübingen gelangen. Vereinzelt schlossen sich Handwerker und Lkw-Fahrer dem langsamen Protest an.
7:42 Uhr: Die Uracher, die eine Stunde zuvor die Traktorenkolonne zum ersten Mal gesehen haben, beobachten nun, wie sie wieder auf die Alb hochrollt. Die Bauern machen sich warm, und es kommen immer mehr dazu.
7:37 Uhr: Die ersten Vorboten des Protesttags haben Reutlingen erreicht. Ein einzelner Traktor fährt um kurz nach 7.30 Uhr hupend und blinkend an der Stadthalle vorbei. Noch läuft im Berufsverkehr jedoch alles wie gewohnt.
6:31 Uhr: Die ersten Traktoren fahren laut hupend die Ulmer Steige von Böhringen Richtung Bad Urach. In der Dunkelheit sieht man die orangefarbenen Blinklichter bereits von Weitem aufleuchten. Ein Teil der Bauern hat sich zum ersten Mal bei »Becka-Beck« im Böhringer Gewerbegebiet getroffen. Heiner Beck hat allen Landwirten, die mit ihren Traktoren vor einem seiner Fachgeschäfte halten, eine kostenlose Brezel und einen Kaffee angeboten. Ein Teil der schweren Maschinen rollt später in die Uracher Innenstadt. Auch hier hat der Römersteiner Bäcker mit Uracher Wurzeln einen Laden, und auch hier gibt es Brezeln und Kaffee für die Bauern.
Wo fahren die Traktoren in Reutlingen?
Ob die mehr als 1.000 Traktoren, wie bei der großen Demo in Stuttgart kurz vor Weihnachten, im Konvoi fahren, ist noch nicht sicher. Klar ist hingegen: Jeder Landwirt hat sich streng an die Straßenverkehrsordnung zu halten und darf damit nicht auf der B28 oder durch den Ursulabergtunnel fahren. Das Lkw-Durchfahrtsverbot für die Reutlinger Innenstadt ist hingegen zwischen 8 und 15 Uhr aufgehoben. In diversen WhatsApp-Gruppen werden Teilnehmer der Protestaktion darauf hingewiesen, dass die StVO einzuhalten ist. Dazu gehört auch: Das Fahrzeug muss angemeldet sein, TÜV haben, die Beleuchtung muss funktionieren und darf nicht durch Banner oder Plakate verdeckt sein. Die Anfahrt zur Kundgebung (blaue Fläche) soll über die rot und grün eingezeichneten Routen erfolgen.
Welche Aktionen gibt es in Reutlingen?
In Reutlingen gibt es eine Großdemo, die für Aufsehen sorgen dürfte. Der Bauernverband und der Verein Land schafft Verbindung (LSV) haben zur Traktorsternfahrt aufgerufen. Landwirte aus der ganzen Region sollen am Vormittag mit ihren Treckern nach Reutlingen fahren, wo um 11 Uhr auf dem Gelände von RT-unlimited, dem ehemaligen Firmengelände der Spedition Betz in der Siemensstraße, eine Großkundgebung folgt. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 1.000 Fahrzeugen. Über WhatsApp und andere Messengerdienste haben Unbekannte zudem zu einer Kundgebung gegen die Regierung um 18.45 Uhr auf dem Reutlinger Marktplatz aufgerufen. Diese ist nicht offiziell angemeldet. Die Polizei geht davon aus, dass sich zu diesem Anlass primär der Personenkreis versammelt, der sich seit Jahren wöchentlich zu Corona-Demonstrationen in Reutlingen einfindet.
Welche Auswirkungen sind in Reutlingen und der Region zu befürchten?
Das Polizeipräsidium Reutlingen warnt vor größeren Einschränkungen im Straßenverkehr am Montag in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb. Allen Bürgern rät die Polizei - sofern möglich - insbesondere am Montagmorgen von Autofahrten ab und appelliert ausdrücklich an alle Verkehrsteilnehmenden, die in einen Stau geraten, eine Rettungsgasse zu bilden. Die Protestaktionen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen werden überwiegend als Kolonnenfahrten mit Traktoren und stationäre Kundgebungen abgehalten. Mit Blockaden, vor allem im Bereich der Hauptverkehrswege und Autobahnzubringer, ist jedoch ebenfalls zu rechnen. Hinsichtlich der angekündigten Versammlungen steht das Polizeipräsidium Reutlingen in einem engen Austausch mit den zuständigen Versammlungsbehörden.
Warum protestieren die Landwirte?
Der Bauernverband will mit den Aktionen dafür sorgen, dass die Bundesregierung geplante Streichungen von Subventionen vollständig zurücknimmt. Die Ampel-Koalition von SPD, Grünen und FDP hatte am Donnerstag angekündigt, sie wolle einen Teil der angedachten Kürzungen doch nicht umsetzen. Dem Bauernverband reicht das jedoch nicht aus. Konkret geht es um Subventionen beim Agrardiesel, die laut den aktuellen Regierungsplänen schrittweise abgeschafft werden sollen. Die ursprünglich geplante Abschaffung der Kfz-Steuerbefreiung für Landwirtschaft und Forst ist kein Thema mehr.
Was ist am Montag bundesweit zu erwarten?
Die Landwirte in Deutschland werden vom heutigen Montag an bundesweit ihren Frust über die Regierungspolitik, vor allem in Bezug auf geplante Subventionskürzungen, spürbar machen. Bei der Aktionswoche, die gegen diese Kürzungen gerichtet ist, stehen vor allem Blockaden von Autobahnauffahrten, Kundgebungen, Sternfahrten in größere Städte und langsamfahrende Kolonnen auf dem Programm, wie die Landesbauernverbände mitteilten. Die tatsächlichen Auswirkungen dürften dabei regional sehr unterschiedlich ausfallen. Der Bauernverband wird bei der Aktionswoche vom Spediteursverband BGL unterstützt. (GEA)