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Droht im Kreis Reutlingen die »graue Wohnungsnot«?

Das Pestel-Institut sieht einen Mangel an seniorengerechten Immobilien. Stadt Reutlingen und GWG arbeiten an einer Lösung.

Alte Menschen haben spezielle Wünsche an ihre Wohnung. Schwellen sind beispielsweise schlecht für Rollstuhlfahrer.
Alte Menschen haben spezielle Wünsche an ihre Wohnung. Schwellen sind beispielsweise schlecht für Rollstuhlfahrer. Foto: Rainer Jensen
Alte Menschen haben spezielle Wünsche an ihre Wohnung. Schwellen sind beispielsweise schlecht für Rollstuhlfahrer.
Foto: Rainer Jensen

REUTLINGEN. »Alt werden ist nichts für Feiglinge«, hat Joachim »Blacky« Fuchsberger schon erkannt. Laut Pestel-Institut müssen Senioren in Reutlingen jetzt einer weiteren Herausforderung mutig ins Auge blicken. Denn Wissenschaftler warnen: »Der Wohnungsmarkt im Kreis Reutlingen ist mit der neuen Rentnergeneration der geburtenstarken Jahrgänge komplett überfordert. Es fehlen Seniorenwohnungen.« Die Stadt Reutlingen betont ihrerseits, man arbeite Hand in Hand mit der GWG Reutlingen Wohnungsgesellschaft an Problemlösungen.

Der Kreis Reutlingen komme in die Jahre – und ist laut Pestel-Institut auf das Wohnen der älteren Menschen nicht vorbereitet: Die Babyboomer gehen bis 2035 komplett in Rente. Dann würden im Landkreis Reutlingen rund 13.900 Menschen mehr im Ruhestand sein als heute – insgesamt nämlich rund 74.100. Das geht aus einer Regional-Untersuchung zum Senioren-Wohnen hervor, die das Institut gemacht hat.

»Senioren sind in jedem Wohngebäude der GWG willkommen«

Oberbürgermeister Thomas Keck nimmt dazu umfassend Stellung: »Hand in Hand arbeiten die Stadt Reutlingen und die GWG Reutlingen bereits seit Jahren daran, auf dem regionalen Wohnungsmarkt das Angebot an barrierearm zugänglichem Wohnraum auszubauen und zu erweitern. Denn barrierearmer Wohnraum bedeutet für Menschen mit Handicap, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.«

Aus diesem Grund werde mit jedem Neubau das Angebot an barrierearm zugänglichem Wohnraum ergänzt. Bei den aktuellen Wohnungsneubauprojekten der GWG Reutlingen seien die Wohneinheiten überwiegend barrierefrei zugänglich geplant. Im Bestand seien »bereits jetzt knapp 1.100 Wohnungen barrierearm verfügbar. Tendenz mit jedem Bau und jeder Umrüstung steigend.« Ganz allgemeint betont Keck, »Senioren sind in jedem Wohngebäude der GWG Reutlingen willkommen«.

Als ein Beispiel für Bauprojekte, die auf eine Überalterung der Gesellschaft reagieren, nennt Keck das Entstehen von vier Mehrfamilienhäusern mit 28 Wohneinheiten in Sickenhausen, »davon sind alle barrierefrei erreichbar und 20 barrierefrei nutzbar«. Ein weiteres Wohnkonzept biete die GWG Reutlingen in der Brunnengasse in Oferdingen. Hier befinden sich zwei Mehrfamilienhäuser, exklusiv auf die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren zugeschnitten.

Das Pestel-Institut

Das Pestel-Institut versteht sich als Forschungsinstitut und Dienstleister für Kommunen, Unternehmen und Verbände. Seit vierzig Jahren unterstützt es mit Recherchen, Analysen, Befragungen und Modellrechnungen in den Themenbereichen Regionalwirtschaft, Wohnungsmärkte, Demografie/ Kommunalentwicklung, Lebensqualität, Chancen-Risiken-Analyse unterschiedliche Institutionen bei der Planung ihrer Marktaktivitäten und Investitionen.

Zu seinen Auftrag-gebern zählen Regionen, Städte und Gemeinden, Ministerien, Banken und Sparkassen, Energieversorgungsunternehmen und weitere Unternehmen der Privatwirtschaft sowie Verbände.

Das Pestel-Institut wurde infolge eines Weltmodells gegründet, das 1972 die Grenzen des Wachstums für den Planeten Erde aufzeigte.

Eduard Pestel, der Gründer des Institutes, hatte für die Finanzierung der weltweit beachteten Studie gesorgt. Konkreter Anlass der Gründung des Institutes war die Definition und Berechnung eines Deutschland-modells. (pr)

www.pestel-institut.de

Dort gibt es einen Aufzug in jedem Haus, große Räume, breite rollstuhlgerechte Türen und Flure, keine Stufen oder Schwellen innerhalb der Wohnung, bodengleiche Duschen – um nur einige der umgesetzten Anforderungen zu nennen. Dazu kommen ein Gemeinschaftsraum, den alle Mieterinnen und Mieter nutzen können und die Vorteile, die ein Nachbarschaftsnetzwerk mit sich bringt. Grundsätzlich gilt laut Keck: »Die Mischung macht’s! Dies gilt sowohl für die Sozialstruktur in den Wohngebäudekomplexen, als auch das Lebensalter der dort Wohnenden.« Stadt und GWG sei es wichtig, dass Reutlingen das Zuhause für Menschen mit den verschiedensten Bedürfnissen sein kann.

So werde bei dem Ausbau des Wohnungsmarktes auf ein vielseitiges Angebot geachtet. »Aktuell ist unser Ziel, möglichst schnell neuen Wohnraum zu schaffen, der dauerhaft bezahlbar und zu einem hohen Anteil barrierearm zugänglich ist. Damit kommen wir unserer Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung nach, den hohen Wohnstandard in unserer Stadt aufrechtzuerhalten und die Lebensqualität weiter zu fördern«, sagt Keck. Womit der Oberbürgermeister erkennen lässt, dass er die vom Pestel-Institut beschriebenen Herausforderungen durchaus erkannt hat.

Neben dem Neubau ist laut den Wissenschaftlern vor allem eine Sanierungsoffensive notwendig, um für mehr senio-rengerechte Wohnungen im Kreis Reutlingen zu sorgen. »Doch die ist bislang nicht in Sicht: Das Fatale ist, dass wir dazu politisch nur eine Vogel-Strauß-Taktik erleben. Statt mit einem effektiven Programm fürs Senioren-Wohnen das Problem anzupacken, hat vor allem der Bund den Kopf in den Sand gesteckt und die graue Wohnungsnot seit Jahren ignoriert«, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Das müsse sich jetzt dringend ändern, fordert Katharina Metzger. Sie ist Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Regional-Untersuchung zum Senioren-Wohnen beim Pestel-Institut in Auftrag gegeben hat. (GEA/pr)

www.gwg-reutlingen.de

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