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Die Eiche im Schönbuch braucht Hilfe

Wichtig für die Artenvielfalt im Wald: Warum die Förster im Schönbuch diese Baumart schätzen und immer wieder zu ihren Gunsten eingreifen

Wenn man für Eichen nichts tut, sind sie der Konkurrenz unterlegen. Ohne menschliche Eingriffe wäre der Schönbuch fast zur Gänze
Wenn man für Eichen nichts tut, sind sie der Konkurrenz unterlegen. Ohne menschliche Eingriffe wäre der Schönbuch fast zur Gänze ein Buchenwald geworden. FOTO: FORSTBW
Wenn man für Eichen nichts tut, sind sie der Konkurrenz unterlegen. Ohne menschliche Eingriffe wäre der Schönbuch fast zur Gänze ein Buchenwald geworden. FOTO: FORSTBW

TÜBINGEN/DETTENHAUSEN. Die Eichen-Bewirtschaftung hat eine jahrhundertelange Tradition im Schönbuch. Mit Blick auf den Artenschutz und den Klimawandel tragen die Forstleute eine hohe Verantwortung, diese Baumart zu erhalten und zu fördern.

»Die Eiche ist eine sehr wichtige Baumart für die Artenvielfalt in Baden-Württemberg. Sie beherbergt die meisten Insektenarten, über 1.000 Schmetterlings- und Käferarten sind von der Eiche bekannt«, sagt die Lichtwaldexpertin der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Nora Dalüge.

Diese Baumart und die damit verbundene Artenvielfalt wollen die Forstleute im Schönbuch erhalten. »Dies ist umso wichtiger, da die Eiche mit vergleichsweise wenig Wasser auskommt und daher eine Hoffnung in Zeiten des Klimawandels ist«, erläutert Matthias Riedmann, stellvertretender Leiter des Forstbezirks Schönbuch.

Jeder Baum ist anders. Die Rotbuche muss nicht aktiv gefördert werden. Die Eiche hingegen ist Lichtbaumart. Da sind forstwirtschaftliche Eingriffe nötig. Denn ohne ausreichend Licht lässt sich die Eiche weder verjüngen noch dauerhaft im Waldbestand erhalten.

»Sie kommt mit wenig Wasser aus. Das ist gut in Zeiten des Klimawandels«

Buchen sind eine harte Konkurrenz und verbreiten Schatten. Damit kommt die Eiche nicht zurecht. Im Verdrängungswettbewerb wäre sie ohne Chance. Wäre der Schönbuch nicht über Jahrhunderte bewirtschaftet worden und hätte nicht als Weide fürs Vieh gedient, wäre er an vielen Stellen ein reiner Buchenwald. Nur an besondere Standorten würde das anders aussehen. Die Artenvielfalt im Schönbuch, wie wir sie heute kennen, ist die Folge der Eingriffe durch den Menschen. Wer die Eichenbestände nur unter Schutz stellen würde und nichts Weiteres unternehmen, hätte den falschen Ansatz.

Die Förster schaffen durch gezielte und wiederholte Eingriffe Platz und somit Licht für die Eiche. Ein- bis zweimal im Jahrzehnt werden die Bestände daher durchforstet. Dabei werden gezielt die Nachbarbäume entnommen, deren Äste in die Kronen der zu fördernden Bäume einwachsen.

»1.000 Schmetterlings- und Käferarten lieben die Eiche«

Davon profitieren insbesondere Tagfalter aber auch holzbewohnende Käfer, die in den alten Eichen vorkommen und auf eine krautige Schicht am Boden angewiesen sind.

Gemäß dem Motto »der Mix macht es« ist ein differenziertes Vorgehen auf der gesamten Fläche am ehesten Garant für einen klimastabilen und artenreichen Wald im Schönbuch. Anstelle von flächenhafter Stilllegung oder Monokulturen setzen die Forstexperten daher vielmehr auf ein mosaikartiges Geflecht von bewirtschaftetet und stillgelegten Bereichen. »Artenvielfalt braucht Strukturvielfalt«, bestätigt Nora Dalüge diese Vorgehensweise. (eg)