Sebastian Hoeneß war voller Vorfreude. »Es gibt nichts Schöneres aus meiner Sicht«, sagte der Coach des VfB Stuttgart mit Blick auf den Flutlicht-Kracher und die zu erwartende Hexenkessel-Atmosphäre im Spiel bei Eintracht Frankfurt am Samstag (18.30 Uhr/Sky).
Die Stimmung rund um den deutschen Fußball-Vizemeister ist wieder eine andere als nach der fast schon tragischen 3:4-Niederlage gegen Bayer Leverkusen vor der Länderspielpause. Der VfB geht - auch beflügelt von der Vertragsverlängerung seines begehrten Trainers - mit neuem Elan und neuer Zuversicht in den Bundesliga-Endspurt.
Seiner angeschlagenen Mannschaft und auch dem ob seiner Zukunft zuletzt etwas nervösen Umfeld einen neuen Schub zu geben, sei nicht die Intention gewesen, sagte Hoeneß über seine Unterschrift unter einen neuen Kontrakt. Statt wie bisher bis 2027 ist er jetzt bis 2028 an den Club gebunden - ohne Ausstiegsklausel.
Die Verkündung des Coups bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Samstag hatte für große Begeisterung gesorgt. »Euch habe ich vielleicht überrascht, mich nicht«, sagte Hoeneß den Journalisten nun darauf angesprochen. Für ihn sei ein Verbleib immer »klar« gewesen.
Vorentscheidung um die Champions League?
Jetzt, wo die wichtigste Personalie über den Sommer hinaus geklärt ist, können sich die Stuttgarter also wieder voll auf das Sportliche konzentrieren. Auf den Ausweg aus ihrer Ergebnis-Krise. Auf die verbleibenden Chancen im Rennen um die Europapokal-Plätze. Verliert der seit fünf Spielen sieglose VfB auch in Frankfurt, dürfte die Champions League schon nicht mehr zu erreichen sein.
Die Schwaben hatten ausreichend Zeit, die späten Gegentore beim Drama gegen Leverkusen aus den Kleidern zu schütteln. Die Hoeneß-Verlängerung war ein wichtiges Signal. Angreifer Nick Woltemade ist nicht nur im VfB-Trikot so etwas wie der Mann der Stunde. Aber ein Sorgenkind gibt es auch.
Woltemade läuft Undav den Rang ab
Man müsse dem Spieler eine Phase wie die aktuelle auch mal zugestehen, sagte Hoeneß über den formschwachen Deniz Undav. Der 28-Jährige, vorige Saison einer der Shootingstars der Stuttgarter, ist seit acht Liga-Spielen torlos. Vor allem Woltemade, am Dienstag auch noch Dreifachtorschütze beim 3:1 der deutschen U21 gegen Spanien, lief ihm in der Offensive zuletzt den Rang ab.
»Jede Karriere besteht aus Wellen«, erklärte Hoeneß. Undav habe zuletzt eine Phase gehabt, »in der die Dinge nicht super leicht von der Hand gingen«, zuvor aber »über einen sehr langen Zeitraum, auf sehr hohem Niveau« abgeliefert. Undav sei »auf einer Flughöhe geflogen, die höher kaum sein kann«, so der VfB-Trainer. Die Dinge müssten sich eben auch mal »einpendeln«.
Auch im DFB-Team hinten dran
Vergangene Bundesliga-Saison kam Undav auf 18 Tore und zehn Vorlagen für Stuttgart, mit der Nationalmannschaft nahm er an der Heim-EM teil. Der Offensivmann entwickelte sich zu einem »Liebling der Massen«, wie Hoeneß meinte.
Bei den zurückliegenden Nations-League-Partien der DFB-Elf gegen Italien kam Undav - passend zu seiner aktuellen Formdelle - nicht zum Einsatz. Eine gewisse Enttäuschung darüber sei dem Spieler zunächst anzumerken gewesen, verriet Hoeneß. Inzwischen sei er aber wieder im »VfB-Fokus«. Die Mannschaft brauche Undav, seinen »Spielwitz« und seine »Finesse«.
Ob schon am Samstag beim Tabellenvierten, wird sich zeigen. Woltemade dürfte die Nase im Rennen um die Startelf vorn haben. Wie auch immer: Für den VfB gehe es darum, »dass wir ein Erfolgserlebnis feiern«, sagte Hoeneß. Und zwar schnell. Nicht nur auf dem Papier, sondern auch mal wieder auf dem Platz.
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