STUTTGART. Die 40 Jahre alte Schleyerhalle soll durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt werden. Dazu liegt jetzt die lange erwartete Machbarkeitsstudie vor. Die neue Halle soll bis zu 19 000 Zuschauer fassen (aktuell: 15 500). Bestuhlt und mit Kopfbühne würde sie 15 000 (11 754) Menschen Platz bieten. Sie wäre damit größer als die Mercedes-Arena in Berlin (maximal 17 000 Zuschauer).
Nur mit der neuen Halle könne auf Dauer die Konkurrenzfähigkeit gesichert und könnten internationale Konzerte und sportliche Topevents nach Stuttgart geholt werden, argumentiert die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. Für den Weiterbetrieb der »betagten Schleyerhalle« (in.Stuttgart) müssten in den nächsten zehn Jahren bis zu 90 Millionen Euro investiert werden. Die letzte Veranstaltung in der dann exakt 43 Jahre alten Schleyerhalle ist für den 15. September 2026 geplant, der Testbetrieb in der neuen Halle soll am 1. Januar 2029 nach nur 21 Monaten Bauzeit starten.
Die Porsche-Arena daneben soll während der Bauphase durchgängig in Betrieb sein – so sehen es die Pläne der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart und der Objektgesellschaft Schleyerhalle vor. Zu den wichtigsten Eckdaten der 33,5 Meter hohen Halle – sie wäre nur fünf Meter niedriger als die MHP-Fußballarena – zählt der Preis: 350 Millionen Euro stehen in der Machbarkeitsstudie. In der Fußnote der Präsentation für die Stadträte ist von einer »Grobkostenschätzung netto inklusive Nebenkosten Stand 11/2021« die Rede. Die erheblichen Baukostensteigerungen 2022 als Folge des Ukraine-Kriegs sind nicht in der Rechnung enthalten.
Kostensteigerungen seien »derzeit nicht abschließend kalkulierbar« heißt es in der Vorlage der Studie, die finalen Baukosten seien »nicht absehbar«. Bereits heute wäre ein Aufschlag von 20 Prozent wohl statthaft, die Marke von 400 Millionen Euro damit sicher gerissen.
Finanziert werden soll die Halle durch einen städtischen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Euro, durch einen Kredit von 50 Millionen, den in.Stuttgart über eine erhöhte Pacht in 25 Jahren abtragen soll, und durch den Verkauf von Namensrechten, mit denen »mindestens« 50 Millionen Euro erlöst werden sollen.
Linke: Sanierung statt Abriss
Für die nächsten, entscheidenden Schritte soll der Gemeinderat nach den Plänen der Verwaltung den Turbo zuschalten. Am 21. Juli soll das Thema erstmals öffentlich beraten werden, bis dahin soll es auch eine umfassende Vorlage und nicht nur die den Stadträten bisher gezeigte Power-Point-Präsentation geben. Fünf Tage später, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause, soll die Vollversammlung den Finanzierungsbeschluss fassen. Das wäre eine erhebliche Vorbelastung für den Haushalt und die Mittelfristplanung. Dabei wird der Doppelhaushalt 2024/25 erst im Herbst besprochen.
Kommt es zu dem Beschluss, könnte im September ein kombinierter Wettbewerb mit einer Handvoll Teilnehmern gestartet werden. »Wir wollen Planung und Bau zusammen ausschreiben und an einen Generalübernehmer vergeben«, sagt Martin Rau, einer der beiden in.Stuttgart-Geschäftsführer, auf Anfrage. Dadurch verspricht man sich ein strafferes Kosten- und Terminmanagement. Der vorgegebene Zeitdruck führt zu harscher Kritik. Hannes Rockenbauch, Fraktionssprecher des Linksbündnisses, spricht von einem »überfallartigen Vorgehen«, und fordert, Alternativen zu prüfen, denn die dargestellten Kosten seien sicher nicht haltbar. Alternative heißt für ihn, die bestehende Halle zu modernisieren. Ein Hauptmangel ist das zu niedrige Dach, für dessen Erhöhung in.Stuttgart mindestens 60 Millionen Euro ansetzt. Immer nur abzureißen sei für den Klimaschutz fatal, so das Linksbündnis. Ähnlich argumentierte vor Monaten auch die Fraktion Puls. Die alte Halle sei funktionstüchtig, graue Energie der entscheidende Hebel beim Klimaschutz.
Für die neue Halle gibt es ein Energie- und Nachhaltigkeitskonzept, das Fotovoltaik, Wärme aus dem Neckar und durch Geothermie auf dem Wasen (sofern das wegen des hoch anstehenden Mineralwassers machbar ist) vorsieht.
Konträr zum Linksbündnis ist die Einstellung der CDU. »Unsere Fraktion ist positiv gestimmt. Ich denke, wir brauchen die neue Halle, in ihr finden Sport und Kultur für alle Bürger statt«, sagt Stadträtin Nicole Porsch. Den Posten Namensrechte sieht sie mit Sorge. »Mercedes zieht sich da leider mehr und mehr zurück, die Halle wäre eine tolle Gelegenheit für diese Unternehmen.« Das Namensrecht für die Porsche-Arena (zehn Millionen für 20 Jahre) läuft nur noch bis zum 30. September 2025. (GEA)