Regierung

«Drecksloch»-Kommentar bringt Trump weltweit Kritik

Washington (dpa) - Nach seiner Äußerung über «Drecksloch»-Staaten schlägt US-Präsident Donald Trump ein Sturm der Entrüstung auch aus den eigenen Reihen entgegen. Der derzeit führende Republikaner hinter Trump, Paul Ryan, bezeichnete die Wortwohl Trumps als «unglücklich und nicht hilfreich».

US-Präsident Donald Trump hat mit einer abfälligen Bemerkung Empörung ausgelöst. Foto: Carolyn Kaster
US-Präsident Donald Trump hat mit einer abfälligen Bemerkung Empörung ausgelöst. Foto: Carolyn Kaster
Der republikanische Senator Lindsey Graham äußerte sich öffentlich nicht, erklärte aber, er habe Trump seinen Teil ins Gesicht gesagt. Andere Republikaner versuchten, dem Präsidenten zu Hilfe zu eilen.

In einer in Washington verbreiteten Erklärung forderten die Länder der Afrikanischen Union eine offizielle Entschuldigung von Trump für dessen «Drecksloch»- Kommentar. Zudem solle Trump die Äußerungen zurücknehmen. In der Mitteilung brachte die Afrikanische Union «Betroffenheit, Schock und Entrüstung» zum Ausdruck. Man glaube, es gebe ein riesiges Fehlverständnis über den afrikanischen Kontinent und dessen Bevölkerung bei der derzeitigen US-Regierung. «Es gibt ein ernstes Bedürfnis für einen Dialog zwischen den Afrikanischen Ländern und der US-Regierung», heißt es in dem Text.

Dem Protest schlossen sich auch die Botschafter der afrikanischen Staaten bei den Vereinten Nationen an. Sie verurteilten die
«unerhörten rassistischen und fremdenfeindlichen» Aussagen und forderten ebenfalls eine Entschuldigung. Die Diplomaten äußerten sich zudem besorgt über den «fortwährenden und zunehmenden Trend der US-Regierung», den afrikanischen Kontinent «und Farbige herabzuwürdigen».


Auch aus anderen Teilen der Welt kamen entrüstete Reaktionen. «Die Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten treffen die Würde des salvadorianischen Volkes», schrieb der Präsident von El Salvador, Salvador Sánchez Cerén, auf Twitter.

Teile der US-Republikaner versuchten am Wochenende, die Äußerungen des Präsidenten zu relativieren. Es habe nach den Bemerkungen eine «vorhersehbare Hysterie» gegeben, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Es sei einer der größten Vorteile Trumps, dass er die Sprache des einfachen Volkes spreche, und nicht die der Eliten in Washington oder New York.

Laut «Washington Post» und anderer US-Medien soll Trump bei einem Treffen mit Senatoren am Donnerstag gefragt haben, warum die USA so viele Menschen aus «Drecksloch-Staaten» aufnehmen müssten. Es ging dabei um den Aufenthaltsstatus von Menschen aus Haiti, El Salvador und afrikanischen Staaten. Ein Sprecher des Weißen Hauses dementierte die Berichte zunächst nicht. Trump selbst schrieb auf Twitter, es seien harte Worte gefallen, aber nicht diese.

«Die Sprache, die ich bei dem Daca-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde», schrieb Trump. Wenig später erklärte er, er habe nie etwas Abfälliges über Haitianer gesagt, außer dass Haiti ein «sehr armes und unruhiges Land» sei.

Dem widersprach der demokratische Senator Dick Durbin, der an der fraglichen Unterredung teilnahm. «Ich habe nicht ein einziges Wort gelesen, das nicht gefallen wäre», sagte er am Freitag. Präsident Trump habe «hasserfüllte, abscheuliche und rassistische Worte gewählt», sagte der Senator. Er könne sich nicht erinnern, dass jemals ein Präsident der Vereinigten Staaten zu solch einer Art von Sprache gegriffen habe. Das Wort «Drecksloch» («shithole») sei mehrfach gefallen.

Das Treffen mit Senatoren beider Parteien drehte sich um einen Kompromiss in der Einwanderungspolitik, der eine Lösung für das sogenannte Daca-Programm vorsieht. Dieses gibt hunderttausenden jungen Migranten einen temporären Schutzstatus. Trump hatte Anfang September vergangenen Jahres entschieden, die von seinem Vorgänger Barack Obama ins Leben gerufene Initiative zu beenden. Allerdings räumte er dafür eine Frist von sechs Monaten ein.

Der Republikaner Lindsey Graham und der Demokrat Durbin präsentierten den Entwurf am Donnerstag Trump und einer Reihe sehr konservativer Republikaner. Laut «Washington Post» und «New York Times» wurde der Präsident wütend, als Graham und Durbin ihren Vorschlag über die Visa-Lotterie umrissen.

Die kolportierten Bemerkungen lösten in den USA und weltweit eine Welle der Empörung aus. Aus Afrika kam scharfe Kritik. «Es ist besonders überraschend, da die USA noch immer ein weltweites Beispiel dafür sind, wie Migration eine Nation geschaffen hat, die auf starken Werten von Vielfalt und Chancen beruht», sagte Ebba Kalondo, eine Sprecherin des Chefs der Kommission der Afrikanischen Union (AU). Die Kommission sei «beunruhigt».

Die Regierung von Botsuana bestellte den US-Botschafter ein. Man wolle von der US-Regierung wissen, ob sie Botsuana für einen «Drecksloch-Staat» halte, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Die südafrikanische Regierungspartei ANC, schrieb auf Twitter, es sei «beleidigend», derartig abwertende Kommentare zu machen.

Das UN-Menschenrechtsbüro zeigte sich ebenfalls beunruhigt. «Wenn das so stimmt, sind dies schockierende und beschämende Äußerungen des US-Präsidenten», sagte Rupert Colville, Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, in Genf. «Man kann nicht ganze Länder und Kontinente als Dreckslöcher bezeichnen, deren Einwohner, die alle nicht weiß sind, deshalb nicht willkommen sind.»

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Polizeimeldung

Zigarettenautomaten aufgesprengt - Trümmer fliegen 40 Meter weit

Foto: Rene Ruprecht/Archiv
Höchstwahrscheinlich nicht mit einfachen Silvesterkrachern ist ein Unbekannter in der Nacht auf Montag insgesamt drei Zigarettenautomaten zu Leibe gerückt.
lesen »
Weltwirtschaft

Industrie 4.0 gefährdet Jobs von Frauen

Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums gefährdet der digitale Wandel in der Arbeitswelt vor allem Jobs für Frauen. Foto: Laurent Gillieron
Die Industrie 4.0 gefährdet laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) vor allem Arbeitsplätze von Frauen.
lesen »
Kriminalität

Ex-Pfleger nun wegen 97 Morden an Patienten angeklagt

Ex-Krankenpfleger Niels H. auf der Anklagebank des Landgerichts in Oldenburg. Foto: Ingo Wagner/Archiv
Wegen Mordes an 97 Patienten soll sich der verurteilte Ex-Krankenpfleger Niels H. erneut vor Gericht verantworten.
lesen »
Demo

Protest: Gegen Konzerne, für Artenvielfalt

Verkleidete Demonstranten bei der Demo für nachhaltige Landwirtschaft in Tübingen.
Unter dem Motto »Wir haben es satt« versammelten sich am Samstagvormittag rund 350 Demonstranten auf dem Tübinger Marktplatz. Trommeln und Musik begleiteten die friedliche Kundgebung. Zeitgleich wurde bereits traditionell zum Start der Grünen Woche in Berlin für eine Agrarwende demonstriert.
lesen »

«Shutdown» der US-Regierung beendet

Washington (dpa) - Nach tagelangen zähen Verhandlu... mehr»

Weiter höchste Lawinenwarnstufe - heute Besserung in Sicht

Zermatt/St. Anton (dpa) - Die gefährliche Lawinenl... mehr»

Neuer Trainer Hollerbach macht HSV zum Ganztags-Team

Führt beim HSV neue Arbeitszeiten für die Profis ein: Gisdol-Nachfolger Bernd Hollerbach. Foto: Daniel Reinhardt

Hamburg (dpa) - Die Mannschaft des Hamburger SV mu... mehr»

Deutschland vs. Spanien: Fest verankert in Handball-Historie

Auf Torhüter Andreas Wolff wird es im Spiel der deutschen Handballer gegen Spanien erneut ankommen. Foto: Monika Skolimowska

Varazdin (dpa) - Deutschland gegen Spanien - diese... mehr»

SPD-Verbände registrieren nach Parteitag vermehrt Eintritte

Berlin (dpa) - Nach dem knappen Parteitagsvotum fü... mehr»

Handel

Ohne Kasse: Amazon fordert den Lebensmittelhandel heraus

Der «Amazon Go»-Store in Seattle, USA. Der Supermarkt funktioniert ohne Kassen. Foto: Amazon/AP
Bücher, Elektronik oder Spielwaren zu verkaufen, reicht dem Internetgiganten Amazon längst nicht mehr. Schritt für Schritt versucht der US-Konzern auch im Milliardengeschäft mit Lebensmitteln eine Führungsrolle zu übernehmen.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Aktuelle Beilagen