VfB Stuttgart
Fussball - Der Bundesliga-Aufsteiger gewinnt wieder, beliebter macht das den neuen Trainer Tayfun Korkut nicht

VfB Stuttgart: Ein Club in der Zwischenphase

VON CHRISTOPH FISCHER UND ROLAND ZORN

STUTTGART. Die Erleichterung war nach exakt 94 Minuten mit den Händen zu greifen. Und Mario Gomez wusste das genau. Nach dem 1:0 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach rannte der Nationalstürmer auf den Mittelkreis der Mercedes Benz-Arena zu, sprang mehrmals in die Höhe und jubelte, als habe er ein Schloss gewonnen. Mehr als alle anderen beim VfB Stuttgart wusste der bundesliga-, süper lig- und Serie A-erfahrene Gomez in diesem Moment, wie wichtig diese drei Punkte im Kampf gegen den drohenden Abstieg aus der Fußball-Bundesliga sein können.

Ziemlich erleichtert und ziemlich unbeliebt: VfB-Cheftrainer Tayfun Korkut. Foto: EIBNER
Ziemlich erleichtert und ziemlich unbeliebt: VfB-Cheftrainer Tayfun Korkut. FOTO: Eibner
Die Dinge stehen nicht gut für den VfB Stuttgart, aber immer noch erheblich besser als für die Konkurrenz. Geschafft ist nach dem 22. Spieltag noch gar nichts, und der neue Trainer Tayfun Korkut, der noch nicht wirklich etwas zustande gebracht hat in seinem Trainerleben in der Bundesliga, ist weiter umstritten. Das hat auch Präsident Wolfgang Dietrich registriert, der als unumstritten galt, inzwischen an der einen oder anderen Stelle aber durchaus auch einmal kritisiert wird. Dietrich hat sein Schicksal verknüpft mit Sportvorstand Michael Reschke. Und der ist verantwortlich für die Demission des Aufstiegstrainers Hannes Wolf und die Verpflichtung von Korkut.

»Ich war fokussiert auf das Spiel, absolut nur auf das Spiel«
 

Dieser Trainer verweigert sich konsequent dem Gespräch mit der Journalisten nach dem Spiel, in Stuttgart ein Ding der Unmöglichkeit.

Korkut tut momentan alles, um sich unbeliebt zu machen. Aber so lange der VfB Stuttgart gewinnt, kann dem Deutsch-Türken das herzlich egal sein. Als man ihn nach dem Spiel fragt, wie er sich nach dem ersten Spiel in der Mercedes Benz-Arena gefühlt habe, sagt der Mann allen Ernstes: »Ich war fokussiert auf das Spiel.« Und auf Nachfrage nochmals: »Absolut fokussiert.« Hannes Wolf hätte da anders, emotionaler, glaubhafter reagiert. Aber das ist in Stuttgart Vergangenheit.

Wolf wurde verpflichtet, als der Sportvorstand noch Jan Schindelmeiser hieß. Alles Dinge, die für Michael Reschke nicht gelten. Reschke entließ ohne Zögern den Aufstiegstrainer und holte Korkut. Das spricht für seine Entschlussfreude - und für seine Risikobereitschaft. Sollte Korkut scheitern, scheitern vermutlich auch Reschke und Dietrich. Aber was sind die momentanen Probleme von Stuttgart im Vergleich mit denen in Mönchengladbach? Am Niederrhein müssen sie nach der jüngsten Niederlagenserie Meldungen dementieren, wonach Dieter Hecking kurz vor der Ablösung stehen und durch Markus Weinzierl ersetzt werden würde. »Absoluter Unsinn«, sagen alle bei der Borussia. Dennoch, am Niederrhein herrscht Tristesse im Karneval. Spiellust und Kreativität sind dahin. Was dem 0:1 folgte, war eine schonungslose Analyse. »Wir sind gerade in einer schweren Phase. Die Leichtigkeit ist im Moment nicht da. Jetzt gilt es daran zu arbeiten, dass der Kopf nicht die Oberhand gewinnt über alles«, sagte Trainer Dieter Hecking nach der überraschenden Niederlage in der Mercedes Benz-Arena zu Stuttgart.

»Da kommt momentan viel zusammen. Es ist nicht nur Kopfsache«
 

Die seit Wochen chronischen Offensivprobleme, ausgelöst durch einen komplizierten Kombinationsfußball vieler mobiler Kräfte ohne klassischen Mittelstürmer haben geradewegs in die Torarmut mit nur drei Treffern an den ersten fünf Rückrundenspieltagen geführt. Der damit einhergehende Verlust an Selbstbewusstsein hat dazu viele technische Fehler produziert: bei der Passsicherheit, der Ballannahme und im Positionsspiel. »Da kommt momentan viel zusammen«, beklagte Weltmeister Matthias Ginter den Gladbacher Ist-Zustand und verwies auch auf verbesserungswürdige handwerkliche Details: »Es ist nicht nur Kopfsache, es ist viel mehr, es geht um Technik, Taktik und die Physis.«

Um Dieter Hecking geht es nicht. Auf Fragen danach, wie sicher der Arbeitsplatz des Trainers sei, reagierte Tony Jantschke, seit über zehn Jahren in Mönchengladbach, mit blankem Unverständnis: »Alle, die unsere Arbeit in Gladbach verfolgen, stellen so eine Frage nicht. Jeder muss sich selbst hinterfragen, was er besser machen und wie er zur ersehnten Wende beitragen kann.«

Die muss, soll Europa nicht zum unerreichbaren Fernziel werden, bald einsetzen, »am besten«, sagt Jantschke »schon gegen Dortmund«. (GEA)

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