Über die Alb
Notarzt - Trochtelfingen wird bereichsübergreifender Notarztstandort. Zusätzliche Einsatzfahrzeuge in Reutlingen, Bad Urach, Münsingen und Trochtelfingen stationiert

Versorgungslücke Alb geschlossen

REUTLINGEN/ TROCHTELFINGEN. Durch die aktuellen Beschlüsse des Bereichsausschusses für den Rettungsdienst konnte der Notarztbereich Reutlingen nachhaltig gestärkt werden. Das erklärten die Verantwortlichen gestern auf einer Pressekonferenz in Reutlingen. Seit 1. Dezember vergangenen Jahres ist am Notarztstandort Münsingen ein zusätzliches Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) stationiert. Zudem wurde mit der Einrichtung eines neuen, bereichsübergreifenden Notarztstandortes in Trochtelfingen eine weitere Versorgungslücke auf der Alb geschlossen. Der federführende Notarzt, Dr. Adelbert Bayer, nimmt am 15. Februar seine Tätigkeit auf.

Vier Notarztstandorte

In 15 Minuten am Einsatzort, diese Hilfsfrist sieht das Rettungsgesetz Baden-Württemberg für 95 Prozent der Einsatzfälle vor. »Die Versorgung des südlichen Bereichs innerhalb der Hilfefrist war bisher schwer zu gewährleisten«, erklärt der Leiter des Bereichsausschusses, Dieter Hillebrand. 89 Prozent der Einsatzorte im Jahr 2010 und 92 Prozent im Jahr 2011 konnten im Notarztbereich Reutlingen in der 15-Minutenfrist tatsächlich erreicht werden.

Zwar würde ein Großteil der Landkreise in Baden-Württemberg die vorgegebenen Fristen nicht einhalten können. Den Verantwortlichen war es dennoch wichtig, einen gesetzeskonformen Zustand im Landkreis Reutlingen herzustellen. Im Bereich Rettungswagen sei man gut aufgestellt, »aber beim Notarzt hat es immer etwas geklemmt«, sagt Dieter Hillebrand. Auch Hans Willi Kies, Geschäftsführer der AOK Neckar-Alb und ebenfalls Mitglied des Bereichsausschusses, äußerte sich zufrieden mit den jetzt gefassten Maßnahmen: »Dass die Bevölkerung ordentlich versorgt wird, das ist uns wichtig.«



Bisher gab es drei Notarztstandorte im Landkreis: an den Kliniken in Reutlingen, Bad Urach und Münsingen. Hilfsfristsimulationen hätten allerdings ergeben, dass es besonders im Bereich Trochtelfingen/Gammertingen Defizite gebe und somit dort der optimale Platz für die Einrichtung eines weiteren Notarztstandortes sei. Für die zentrale Koordination in diesem Bereich ist nun Dr. Adelbert Bayer zuständig. Gemeinsam mit einem zweiten Kollegen wird er ab 15. Februar kreisübergreifend Notarztdienste übernehmen.

Nur wenige Ärzte qualifiziert

Neben den Gemeinden Engstingen, Hohenstein, Pfronstetten, Sonnenbühl und Trochtelfingen gehören auch Gammertingen und Neufra im Landkreis Sigmaringen sowie die Burladinger Stadtteile Gauselfingen, Hörschwag, Stetten und Melchingen zum Einzugsbereich. Der Notarztstandort Trochtelfingen werde grundsätzlich von der integrierten Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in Reutlingen alarmiert, erklärte Markus Metzger, zuständig für die Koordination des Rettungsdienstes beim DRK.

Im Moment gebe es allerdings noch keine hundertprozentige Abdeckung der Trochtelfinger Einsatzzeiten. Im Februar werden nach Angaben des DRK neun Tage abgedeckt, im März werden es aller Voraussicht nach 17 Tage sein.

Für die angestrebte 24-Stunden-Abdeckung, über den gesamten Monat hinweg, sucht Dr. Bayer noch weitere Mitstreiter. Doch die Suche ist nicht leicht, wie die Vergangenheit zeigt. Es gebe in der Region nur wenige Ärzte, die über die nötige Notarztqualifikation verfügen und bereit sind, Dienste zu übernehmen. Es sei aber wichtig, verlässliche Ansprechpartner zu haben, betonte Wolfgang Tiefensee, DRK-Kreisgeschäftsführer in Reutlingen.

Zusätzliche Rettungsfahrzeuge

Der Trochtelfinger Bürgermeister Friedrich Bisinger zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung und dankte allen Beteiligten. »Das Besondere ist das Bereichsübergreifende«, unterstrich er. Die Einrichtung eines verlässlichen Notfallsystems sei gerade im Bereich Trochtelfingen auch Standortfaktor. »Die Kombination Hausarzt/Notarzt ist gelungen«, damit sei die medizinische Versorgung in Trochtelfingen auf Jahre gesichert. Zudem stelle die Einrichtung des Notarztpostens in Trochtelfingen auch eine Entlastung der anderen Standorte dar.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in vier Bereichen Maßnahmen zur Verbesserung der Hilfsfristen umgesetzt. Ein zusätzlicher Rettungswagen für Reutlingen wurde angeschafft, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge für die Standorte in Bad Urach und zuletzt in Münsingen sowie der Notarztwagen in Trochtelfingen. Erste Zahlen belegten, dass die Maßnahmen greifen. (leua)



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