VON STEFANIE HÄUSSLER, HILDE BUTSCHER UND GABRIELE LEIPPERT
TROCHTELFINGEN-STEINHILBEN/ GAMMERTINGEN/ HAYINGEN.Schon vorbei? So wie gestern hätte die Fasnet weitergehen dürfen: frühlingshafter Sonnenschein und ein strahlend blauer Himmel, der sich über farbigen Wimpeln und feiernden Menschen wölbt. Bei den Umzügen in Steinhilben, Gammertingen und Hayingen genossen mehrere Tausend Hästräger und noch mehr Zuschauer das närrische Treiben zum vorerst letzten Mal in vollen Zügen. Umso schöner, weil's nicht von Dauer ist
FOTO: Stefanie Häussler
Strahlende Sonne, milde Plusgrade und kein Wind - gut 2 000 Narren vom Neckar über das Albvorland, viele befreundete Zünfte und Vereine von der Alb bis nach Schwenningen im Schwarzwald schlängelten sich am Fasnetsdienstag im »Schwungrad Europas« unter den farbigen Wimpeln und dem blau gespannten Himmel als buntes Band durch geschätzte zweieinhalb Tausend Freunde der heimeligen Steinhilber Fasnet.
Es waren optimale Bedingungen für das letzte Aufbäumen der Narretei: Angeführt und beschlossen vom Steinhilber Zunftrat und den örtlichen Gruppen, türmten sich Hexen zu Pyramiden, spielten Guggen und Lumpenkapellen, Schalmeien und Musikvereine, Weißnarren in bemalten Kleidle schlugen ihre Saublodra, allerlei närrisches Viehzeug hüpfte herum und mittendrin Motivwagen zwischen Loveparade und S 21. Nicht zu vergessen die wilden Folterwagen für die besonders hübschen Mädle.
Der eineinhalbstündige Fasnetsumzug der Narrenzunft Steinhilben bildet für viele der 58 Zünfte und Gruppen nicht nur den Abschluss, sondern auch den Höhepunkt der jährlichen Fasnet. Das war beim Zunftmeisterempfang am Vormittag deutlich geworden. Neben dem Dank für die Einladung und dem Wunsch nach einem gesunden Wiedersehen im nächsten Jahr waren sich die Gäste einig: »Bei Euch ischs oifach schee!«
Umzug der zweite in Gammertingen . Über 5 000 Narren waren beim großen Jubiläumsumzug mit dabei - ein Fest der Superlative. Am Fasnetsdienstag, beim traditionellen Umzug, den man nicht ausfallen lassen wollte und konnte, weil er dann nämlich nicht mehr traditionell wäre, war man in Gammertingen beinahe unter sich. Echte Hausfasnet eben.
Um 14.15 Uhr hieß es »Narren marsch!« und der kleine bunte Zug schlängelte sich durch die Gammertinger Straßen, die bei strahlendem Sonnenschein relativ gut von Zuschauern gesäumt waren. Also: Noch einmal »Zwiebel nauf«, »Schlanga - Fanger« und »Horig«! Noch einmal Konfetti und Bonbons, noch einmal verschleppte Mädchen und zerstrubbelte Haare.
Wie bei jedem Gammertinger Umzug hatte sich Bürgermeister Holger Jerg unter das närrische Fußvolk gemischt. Diesmal kümmerte er sich bei sinkenden Einwohnerzahlen als Kindergartenonkel persönlich um den Nachwuchs. Und die Harthauser Zwiebelzunft nahm mit ihrem Fasnetswagen »Gammertingen 21« die Kernstadt auf den Arm und erbat »eine Spende für den Schlossflügel«.
Krönender Höhepunkt
Auch in Hayingen zeigten sich Wetter und Narren am Fasnetsdienstag noch einmal in Höchstform. Strahlte die Sonne doch von einem blitzblank geputzten blauen Himmel und adelte das närrische Treiben unter den alten Fachwerkhäusern zum krönenden Höhepunkt. Beim Umzug in Hayingen, einem der ältesten Umzüge in der Region, zogen noch einmal rund zweitausend Hästräger in 58 kunterbunten Gruppen und mit teils abenteuerlichen Festwagen durch das dichte Spalier von mehreren Tausend Zuschauern.
Alle Narren einte der teilweise hinterlistige Schabernack. Hände voll mit Konfetti steckten sie in allzu offenherzige Ausschnitte - oder am liebsten den Rücken hinunter. Mädchen, die sich ganz vorne an die Straße stellten, wurden gerne huckepack mitgenommen. Die Stimmung unter den Zuschauern war bestens, die Kinder schrien sich die Hälse wund, um mit freigiebig verteilten Bonbons belohnt zu werden.
Tradition hat in Hayingen auch, dass viele Laufgruppen von Vereinen oder sonstigen Gruppierungen am Umzug teilnehmen. Wie etwa die Gruppe von Inge Tress, die als langhalsige Giraffen den Überblick behielten oder die »Hayländer« von Hubert Schäfer, die rockig gestylt und auf heißen Öfen auf sich aufmerksam machten. Und so zog zum Fasnets-ende noch einmal ein kunterbunter Lindwurm rund zwei Stunden lang farbenfroh durch Hayingen. (GEA)
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