Biogasanlagen-Unfall - Die Versicherung will nicht zahlen. Die Biga Energie kündigt an, sich juristisch gegen diese Entscheidung zu wehren. Sanierungsarbeiten haben begonnen

Biogas-Unfall auf der Haid: »Die Klage kommt«

VON MARION SCHRADE

ENGSTINGEN. Vorwürfe, er spiele auf Zeit, will Klaus Betz nicht gelten lassen: »Wir sind hyperaktiv auf allen Ebenen«, betont der Geschäftsführer der Biga Energie GmbH im Gewerbepark Haid. Seit der Havarie im Januar, bei der flüssiges Gärsubstrat aus einem Tank ausgelaufen und in mehrere Nachbargebäude eingedrungen war, steht die Frage der Schadensregulierung im Raum.

Der Betrieb in der Biogasanlage auf der Haid läuft seit Monaten wieder normal. Mit den juristischen und finanziellen Folgen des Unfalls im Januar muss sich  die Geschäftsführung allerdings nach wie vor befassen.
Der Betrieb in der Biogasanlage auf der Haid läuft seit Monaten wieder normal. Mit den juristischen und finanziellen Folgen des Unfalls im Januar muss sich die Geschäftsführung allerdings nach wie vor befassen. FOTO: Jürgen Meyer
Eine erste - in diesem Falle abschlägige - Antwort darauf gab's vor drei Monaten: Anfang Juni hatte Betz in einem Pressegespräch mitgeteilt, dass sich die Versicherung des Unternehmens nicht in der Pflicht sehe, für die Schäden aufzukommen.

Das will Betz so nicht stehen lassen, der sich deshalb sowohl rechtlich als auch fachlich beraten lässt. Die Begründung der Versicherung, die Biga habe » bewusst gegen behördliche Verbote verstoßen« und damit die Schäden verursacht, weist Betz' Anwalt Tim Jakobs zurück. Dass der Gärtank vom Landratsamt noch nicht für den Betrieb freigegeben worden war, stimme zwar. Aber: »Er wurde nicht absichtlich befüllt«, betonten Jakobs und Betz gestern in einem weiteren Pressegespräch, zu dem das Unternehmen eingeladen hatte. Warum trotzdem Gärreste in den Tank gelangten? Diese Frage habe er an einen Gutachter weitergegeben, der mögliche Ursachen ermittelt habe, so Betz. Menschliches Versagen, verursacht beispielsweise durch den Fehler eines Mitarbeiters, schließe er aus. Der von der Biga beauftragte Gutachter habe »eine lange Palette möglicher Gründe« ermittelt, berichtete Jakobs.

Sanierung im »per Du« begonnen

Es handle sich ausnahmslos um rein technische Erklärungen - weiter ins Detail gehen wollen Betz und Jakobs nicht öffentlich, wohl aber mit der Versicherung. Diese allerdings habe einem von der Biga vorgeschlagenen Austausch zwischen den Gutachtern beider Seiten nicht zugestimmt, bedauert der Anwalt. »Wir haben viele Hoffnungen darauf gesetzt, die Versicherung zu einem Gespräch zu bewegen«, betonte Jakobs. Nachdem sich diese zerschlagen hätten, bleibe nur ein Weg: »Die Klage kommt.«

Gerichtliche Auseinandersetzungen mit den Geschädigten indes wolle man vermeiden, teilten der Unternehmer und sein Rechtsbeistand mit: »Die Biga will sich ihrer Verantwortung stellen, nicht herausstehlen.« Man habe bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Schäden zu beheben, so Betz. Grundsätzlich sei zwischen zwei Kategorien zu unterscheiden: Auf der einen Seite gehe es darum, den Wert von Gegenständen und Waren zu taxieren, die in Kellerräumen gelagert und durch den Unfall im Januar unbrauchbar geworden waren. »Wir versuchen zurzeit noch, das Bild komplett zu machen«, teilte Jakobs mit, die Biga sei in Gesprächen mit den Betroffenen.

Zum anderen handle es sich um Gebäudeschäden, ein Biochemiker befasse sich im Auftrag der Biga sowohl mit deren Analyse als auch mit möglichen Sanierungsmaßnahmen. Betz sprach von zwei Schadensarten: Das flüssige Gärsubstrat habe nicht nur einzelne Räume geflutet, sondern vor allem auch Gerüche hinterlassen, die aus der Bausubstanz entfernt werden müssen.

Um beides kümmern sich seit Anfang dieser Woche Profis: »Wir haben zwei Pilot-Räumlichkeiten ausgewählt«, berichtete Betz. In der mit am stärksten betroffenen Gaststätte »per Du« haben Mitarbeiter einer auf Wasser- und Brandschäden spezialisierten Firma im Auftrag der Biga gerade mit der Sanierung begonnen. »Die Räume werden gereinigt, desinfiziert und einer Ozonbehandlung unterzogen, um Geruchsstoffe zu eliminieren«, schilderte Betz die Maßnahmen. Sollte sich das Verfahren bewähren, werde es auch in anderen Räumen angewandt, ergänzte Rechtsanwalt Jakobs. (GEA)




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Leck an Biogasanlage

Braune Brühe flutet die Haid

Biogas Unfall auf der Haid
FOTO: Joachim Baier
 

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