Leute  - Maria Tress verbindet im besonderen Ambiente ihrer »Sphäre« in Ehestetten eine Galerie mit einem Café und wechselt Mobiliar und Exponate ständig aus

»Kunst brauchen wir alle«

VON JULIE-SABINE GEIGER

HAYINGEN-EHESTETTEN. »Unterschlupf für die kleinen Dinge« hat Edgar Braig seine Objekte und Leporellos überschrieben, denen Maria Tress in ihrer »Sphäre« im Hayinger Ortsteil Ehestetten zurzeit weit mehr als nur Unterschlupf gewährt.

Foto: Geiger
Foto: Geiger
Maria Tress, Malerin, Kunstliebhaberin, Kräutersammlerin und Kaffeehausbetreiberin, die es zudem versteht, schöne alte Möbelstücke mit Schleifpapier und Wachs aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken, gibt vielmehr den Sammlerstücken des Münsinger Kunstlehrers und ehemaligen Kunstraum-Machers in der Zehntscheuer, den gebührenden Raum, lässt ihnen den Auftritt. Schafft den wechselnden Ausstellungsstücken den passenden Rahmen.

So kommt es, dass die »Sphäre« ihr Erscheinungsbild, Metamorphosengleich ständig wechselt, was auch daran liegt, dass die Einrichtungsgegenstände, Lampen im Bauhausdesign, Stühle, Tische und Wohnaccessoires zu haben sind. Um die mit hellgrauem Wachs bearbeitete wuchtige Holztheke mit ihren großen Schiebladen müssten wahrscheinlich intensivere Gespräche geführt werden. Das Ding passt so wunderbar ins lichte Entrée mit Terrassen- und Atelierblick vom runden Tisch aus, über dem die klassisch-elegante Kugelleuchte hängt.

»Sphäre ist griechisch und heißt die Kugel, oder der Ball«, erklärt Maria Tress, die das Rund zu ihrem Markenzeichen erhoben und in ihren geschwungenen »Sphäre«-Schriftzug aufgenommen hat und damit auf den Naturkreislauf deutet, mit dem sie lebt. »Ich bin auch ganz begeistert davon, dass wir vor zehn Jahren Biosphärengebiet geworden sind«, bekennt die Ehestetterin. »Dieser Schutzstatus und auch das Prädikat sind für uns enorm wichtig.«

Einen Lebenstraum erfüllt

Als sie im Juli 2012 ihre »Sphäre« in den beiden kleinen Räumen eröffnet hat, hat sich Maria Tress einen Lebenstraum erfüllt. »Eigentlich wollte ich Innenarchitektin werden«, erklärt sie ihren Sinn für die geschmackvollen Dinge, die hier aufgestellt werden, um ihre Liebhaber zu finden. Weil im Leben vieles anders läuft, ist sie Bürokauffrau geworden, »das kommt mir jetzt zugute«. Vom Aufwachsort Ehestetten war sie weggezogen, hat in Stuttgart und Hamburg gelebt und kam vor Jahren wieder zurück ins heimische Bauernhaus im Dorf auf der Alb, das in die schönste Landschaft eingebettet ist, die man sich denken kann. »Hier fühle ich mich wohl, die Natur gibt mir viel. Hier lebe ich gern.«

Diese Wohlfühlatmosphäre verbreitet sie in ihrer »Sphäre« mit allerlei selbst Gemachtem, mit dem sie einst begonnen hat. Kräutertees, Liköre vom Holunderbusch, Wildkräutersalze. Auch das verändert sich, so wie die Einrichtung. »Ich komme nicht mehr so dazu Kräuter zu sammeln«, bedauert Tress, die ihre »Sphäre« an Samstagen, Sonn- und Feiertagen öffnet und wo, wenn Vernissagen, kleine Konzerte und Lesungen sind, schon mal bis Mitternacht Betrieb ist. Als Edgar Braig mit Saxofonbegleitung seine Ausstellung eröffnet hat, sei es so voll gewesen, dass zum Betrachten der originellen Exponate schier kein Platz mehr gewesen sei. »Die Leute kommen der Kunst wegen und auch um zu schauen, was sich hier verändert hat«, merkt Tress an. Andere entdeckten die »Sphäre« mit ihrem lauschigen Terrassenplatz unter der Schatten spendenden Kastanie zufällig beim Radeln oder Wandern, nehmen hier Platz, betrachten Kunst beim Kaffee oder bei der Limonade, »und kommen ins Gespräch. Das ist das, was mich von den großen Galerien unterscheidet.«

Ausstellungsort für die Region

In der kleinen Galerie, zu der auch das Atelier im Hof gehört, in dem Maria Tress malt und alte Möbelfundstücke restauriert, sollen Kunstschaffende aus der Region Gelegenheit haben, ihr Werk zu zeigen. »Kunst braucht jeder«, ist sich die Galeristin sicher. »Und wir haben in der Region viele interessante Menschen, die in ganz unterschiedlichen Genres tätig sind«. Die Bildhauerin Mirja Wellmann und der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle haben in Ehestetten ausgestellt, Maler haben Groß- und Kleinformatiges an die Wände gehängt. Skulpturen aus Papier waren hier zu bewundern und Maria Tress hat ihr eigenes Werk sehen lassen. »Bis zum Jahresende wird es noch vier bis fünf Ausstellungen geben, vielleicht noch die eine oder andere Saisonale«, kündigt sie Abwechslung an. (GEA)

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