Jugend forscht - AG an der Gewerblichen Schule Tübingen erkundet seit Jahren die Falkensteiner Höhle

Wo die dunklen Flecken herkommen

VON ALEXANDER MAIER

TÜBINGEN. »Wir haben schon lange diskutiert, was wohl die schwarzen Verfärbungen im Gestein sind«, rätselt Manfred Brenner. Regelmäßig besucht der Lehrer an der Gewerblichen Schule Tübingen mit den Schülern seiner Höhlen-Arbeitsgemeinschaft die Falkensteiner Höhle bei Bad Urach. Bereits seit mehr als zehn Jahren zieht der unterirdische Flusslauf die Tübinger Hobby-Höhlenforscher in ihren Bann.

Silia Koch mit ihrer Präsentation und dem Ergebnis der Labor-Analyse.  FOTO: MAIER
Silia Koch mit ihrer Präsentation und dem Ergebnis der Labor-Analyse. FOTO: MAIER
Jetzt haben die AG-Mitglieder Silia Koch und Carola Malang die Fragestellung wissenschaftlich bearbeitet. »Die dunkle Seite der Falkensteiner Höhle« heißt das Projekt, das Silia Koch bei Jugend forscht eingereicht hat. Carola Malang, die zurzeit in Australien weilt, war zu Beginn ebenso an dem Projekt beteiligt. Die 17-jährige Silia hat nun die Fertigstellung und Präsentation übernommen. Ein zweiter Rang im Regionalentscheid war der Lohn für die Mühe.

Bis zu 1 400 Meter weit drangen die Jungforscher in die Höhle vor und nahmen nur wenige Gramm schwere Proben von den dunklen Gesteinsflecken. Silia Koch war damals noch nicht dabei, sie ist noch ein Höhlen-Neuling. »Ich bin erst seit Oktober 2013 in der Höhlen-AG«, erzählt die Elftklässlerin.

Und doch hatte ihr Chemielehrer seine Schülerin gleich mit dem Projekt betraut. »Da ja im Winter wegen der Fledermausschutzzeit Höhlen nicht betreten werden dürfen, bot sich die Auswertung der Proben als Laborarbeit an«, erläutert Brenner.

30 Meter hinunter in den Schacht

Silia ging ans Werk, unterstützt von einer ehemaligen AG-Teilnehmerin. Der Nachweis von Eisen gelang ihr mit Hilfe von sogenanntem gelben Blutlaugensalz und einer weiteren Analyse-Chemikalie. »Mangan konnten wir durch eine Oxidationsschmelze bestimmen«, erläutert die Schülerin ihre Experimente.

Schwer taten sich die Jung-Forscher um Silia Koch jedoch mit dem Kohlenstoffnachweis: »Wir vermuteten, dass ein Teil der schwarzen Flecken im vorderen Bereich vom Fackelruß der Höhlenbesucher stammt«, schätzt Koch. Der chemische Nachweis aber gelang aufgrund schwieriger Begleitumstände nicht wie gewünscht. »Wir haben es dann nach dem Ausschlussverfahren bestimmt.« Tatsächlich waren alle Proben, die nicht Mangan oder Eisen enthielten, nur im vorderen, mit Fackeln zugänglichen Bereich der Höhle zu finden.

Ein weiteres Ergebnis, welches auch die Wettbewerbsjuroren staunen ließ, war die Erkenntnis, dass sich nur in den grob Nord-Süd verlaufenden Höhlenteilen die dunklen Flecken fanden, sie aber in einem quer dazu führenden Zwischenstück fast komplett fehlen. Für diese Tatsache hat Lehrer Brenner zwar keine endgültige Erklärung, aber eine Vermutung: »Obwohl gerade auf der sogenannten Wasserfallstrecke die Möglichkeit der Ausfällung von Metalloxiden besonders hoch ist, sind kaum schwarze Stellen zu finden. Es könnte damit zusammenhängen, dass dort nirgends Wasser mit hohem Eisen- oder Mangangehalt in die Höhle eintritt.«

Was genau dahintersteckt, ist also Stoff für ein weiteres Jugend-forscht-Projekt. Die Höhlen-AG wird im Übrigen sehr wohlwollend finanziell und ideell von Schulleitung und einem Förderverein unterstützt. Manfred Brenner ist dafür äußerst dankbar: »Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Rektor sagt: ›Jetzt nehmen Sie mal meine Schüler und seilen sich mit ihnen in einen 30 Meter tiefen Schacht ab‹.« (GEA)



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