Afrika-Festival - Ab dem morgigen Donnerstag gibt es vier Tage lang afrikanische Ausgelassenheit

Vier Tage Afrika-Festival in Tübingen

VON MORITZ SCHILDGE

TÜBINGEN. Neues Logo, neue Homepage, neues Magazin. Das Afrika-Festival - zum dritten Mal in Tübingen - soll noch größer und bunter werden als der offizielle Slogan ohnehin will: »Nicht schwarz, nicht weiß. Sondern bunt.«

Martin Gehring und Susan Tatah gehören zum Organisations-Team des Afrika-Festivals und präsentieren die aktuellen Projekte: Das brandneue Afrika-Magazin »Afrikaktiv« und eine SMS-Spendenaktion, mit der das Difäm Tübingen unterstützt wird.  FOTO: SCHILDGE
Martin Gehring und Susan Tatah gehören zum Organisations-Team des Afrika-Festivals und präsentieren die aktuellen Projekte: Das brandneue Afrika-Magazin »Afrikaktiv« und eine SMS-Spendenaktion, mit der das Difäm Tübingen unterstützt wird. FOTO: SCHILDGE
Susan Tatah und Martin Gehring verkörpern diese gelebte Vielfarbigkeit. Die beiden sind zwei von sieben Organisatoren des Afrika-Festivals Tübingen. Tatah kommt aus Kamerun und lebt seit bald elf Jahren in Deutschland. Gehring hat einen Zungenschlag, der ihn unschwer als gebürtigen Schwaben outet.

In diesem Jahr erwarten sie bis zu 10 000 Besucher, am Donnerstag geht es los auf dem Festplatz zwischen Paul-Horn-Arena und Freibad. Das Festival brauche Platz, um pulsieren zu können. Die Innenstadt sei deshalb als Standort nie infrage gekommen, sagt Tatah. Sie will, dass die Besucher gezielt kommen und nicht zufällig auf dem Marktplatz stehen bleiben, weil dort vielleicht gerade ein Zelt steht. Auch habe sie alles dafür getan, dass das Festival weitgehend ohne Eintrittspreise auskommt.

Der Weg der Zukunft

»Unser Afrika-Festival ist das einzige Afrika-Festival, das die beiden Heimaten Afrika und Deutschland miteinander verbindet«, sagt Martin Gehring. »Das Festival geht einen dritten Weg - weder nur afrikanisch, noch nur deutsch, sondern: den Weg der Zukunft. Es heißt deswegen bewusst Afrika-Festival Neckar-Alb.«

Die Afrikaner seien in Deutschland hervorragend integriert. Man könne, so Gehring, afrikanische Kinder beim Spielen beobachten und sich die Augen zuhalten - was man höre, seien schwäbische Stimmen. Tatah ergänzt: Von etwa 60 000 Afrikanern, die in Baden-Württemberg lebten, hätten fast 50 Prozent studiert. Angela Merkel habe dafür den Begriff »Bildungsmigranten« geprägt.

»Deswegen sind wir in Tübingen als intellektueller Stadt richtig«, glaubt Gehring. Außerdem sei gerade den West-Afrikanern »auch so eine Art Häuslesbauermentalität« eigen. Von der Einstellung zur Arbeit her, sagen die beiden fast unisono, »passt das zusammen«.

Sie heben den ethischen Anspruch des Festivals hervor. Es gehe vor allem um die Gemeinschaft: »Viele Afrikaner haben Werte, die wir gerade verlieren«, sagt Gehring. »Zusammenhalt etwa: Geht's mir schlecht, ist jemand für mich da.« Tatah gibt ein Beispiel: Wenn ein Afrikaner stirbt, spendet jeder ein paar Euro, damit der Leichnam nach Afrika überführt werden kann: »Egal, ob man ihn kennt oder nicht.«

Wirtschaftsforum als Neuheit

Das Programm des Festivals besteht in diesem Jahr aus »fünf Projekten«. Ein Open-Air-Programm, eine Sportveranstaltung, eine After-Show-Party, ein Galaabend und ein Wirtschaftsforum. »Am Wochenende hat keiner einen Grund zu sagen: Mir ist langweilig«, sagt Tatah.

Das Wirtschaftsforum ist neu: Am Donnerstag und am Freitagnachmittag werden im BusinessSocialForum-Zelt Themen wie Fairtrade und Entwicklungshilfe behandelt. Die Highlights des Festivals sind die After-Show-Party am Samstag ab 23 Uhr im Club 27 und der Gala-Abend im Sparkassen-Carré am Sonntag um 19 Uhr. Ein weiteres Spektakel ist das Fußballturnier am Samstag ab 10 Uhr, bei dem acht Teams aus sieben, meist afrikanischen Ländern um den »African Cup« spielen. Auch zwei Tübinger Vereine sind diesmal dabei.

Auf dem »Kumasi« - mit Basar, Chopbar, Biergarten - werden sechzig bis siebzig Händler erwartet. Die meisten kommen »spontan, ohne Meldung«. Auch das gehört zum afrikanischen Flair: »Das Festival soll auch einen Schuss Anarchie haben, wir wollen uns ja nicht totplanen«, sagt Gehring.

Das Afrika-Festival ist 2007 entstanden und von Reutlingen über Metzingen nach Tübingen gewandert. Mit den Jahren ist es stark gewachsen. Nicht nur bei den Besucherzahlen, sondern auch in Sachen Integration: »Wir haben immer mehr Projekte«, sagt Gehring.

Das Neueste ist die »Sommer-Spendenaktion 2012«, bei der man mit einer Charity-SMS das Difäm Tübingen (Deutsches Institut für Ärztliche Mission) unterstützen kann.

»Wir sind mittlerweile hart an der Grenze, dass wir das in Zukunft professionell betreiben müssen«, sagt Gehring. Ein Schritt in diese Richtung wurde bereits getan mit der Gründung des Afrika-Magazins »Afrikaktiv«. In Zukunft soll die Öffentlichkeitsarbeit »ein Stück weit unabhängig sein vom Festival«, so Gehring. Das Ziel müsse sein, »gesamtgesellschaftlich Fuß zu fassen«. (GEA)

Afrika-Festival


Das Afrika-Festival dauert von Donnerstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 23 Uhr. An jedem Tag gibt es einen afrikanischen Markt (»Kumasi«) mit über 60 Händlern, eine Chopbar mit afrikanischem Essen, Workshops zu Themen wie »Bildung trifft Entwicklung«, außerdem ein Kinderprogramm (»Kiriku«) mit Spielstraße und Kinderbetreuung.

Der musikalische Teil beginnt am Donnerstag um 16 Uhr. »Aly-bayo Percussion« spielen traditionelle Musik aus dem Senegal. Um 20 Uhr spielen »Mocambo« einen Mix aus Jazz und Texas Blues. Weiterhin spielen Palo santo, Susubilibi, Afrikaba, Frères du Sahel und die Ngoma Africa Band - von Reggae über Soul, Rock 'n' Roll, Jazz und Soukouss alles dabei. Am Freitag und am Sonntag gibt es »Street Art« mit traditionellen Tänzen und DJ-Programm, am Sonntagmorgen um 11 Uhr einen ökumenischen Gottensdienst.

Am Samstag um 14 Uhr gibt es eine »Kinderturnwelt«: Dr. Ibou entführt die Kinder mit einem Trommel- und Turnprogramm in die Welt afrikanischer Märchen. (mss)

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