Forschung - Effekt positiv und ohne Nebenwirkungen. Nun soll weitere Studie in Gabun folgen

Tübinger entwickeln Malaria-Impfschutz

TÜBINGEN. In einer klinischen Studie mit einem neuen Impfstoff gegen Malaria haben Forscher der Tübinger Uniklinik und der Uni einen Impfschutz von bis zu 100 Prozent erreicht. Wie Peter Kremsner und Benjamin Mordmüller vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) berichten, wurden für die Impfung Malaria-Parasiten des Biotechnologie-Unternehmens Sanaria eingesetzt. Der Impfstoff basiert auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Erregern, die gleichzeitig mit einem Malaria-Medikament verabreicht werden. Dieser neue Impfansatz wurde in einer DZIF-Studie erstmals klinisch getestet.

Schutz vor Malaria-Mücken in Kenia. Foto: Stephen Morrison/Archiv
Schutz vor Malaria-Mücken in Kenia. Foto: Stephen Morrison/Archiv
Malaria-Parasiten werden durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Für die Mehrzahl der Malaria-Erkrankungen weltweit und nahezu alle Todesfälle ist der Parasit Plasmodium falciparum verantwortlich. Bisherige Impfstoffkandidaten basierten meist auf dem Einsatz von einzelnen Molekülen der Erreger. Es zeigte sich jedoch, dass dadurch keine ausreichend schützende Immunantwort ausgelöst wurde.

Parasiten gespritzt

An der Tübinger Studie nahmen 67 gesunde, erwachsene Probanden teil, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die dreimal in je vierwöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung erhielten. In dieser Gruppe zeigten anschließend alle Probanden einen hundertprozentigen Impfschutz.

»Der Schutz entstand wahrscheinlich durch spezifische T-Lymphozyten und Antikörper-Antworten gegen die Parasiten in der Leber«, erklärt Professor Peter Kremsner. Zudem habe man die Immunreaktion des Körpers analysiert und Proteinmuster identifiziert, die eine weitere Verbesserung des Impfstoffs ermöglichen. Die Wissenschaftler spritzten die lebendigen Malaria-Parasiten und verhinderten eine Erkrankung durch die gleichzeitige Gabe von Chloroquin, einem seit langem genutzten Malaria-Medikament.

Die Tübinger Forscher machten sich bei der Studie Eigenschaften sowohl des Parasiten wie auch des Gegenmittels Chloroquin zunutze. So kommt Plasmodium falciparum zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase kann das menschliche Immunsystem bereits reagieren, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Zudem wirkt Chloroquin nicht in der Leber, bremst also dort auch nicht die Vermehrung des Parasiten.

Stabiler Schutz

Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn der Erreger die Leber verlässt und sich als Parasit in den roten Blutkörperchen einnistet und vermehrt. Sobald der Erreger im Blut ist, wird er aber von Chloroquin abgetötet und somit der Ausbruch der Krankheit verhindert. »Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen«, sagte Studienleiter Benjamin Mordmüller. »Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben.«

Der neue Impfstoff habe sich zudem als sehr gut verträglich erwiesen. Im nächsten Schritt soll er in einer Studie in Gabun über mehrere Jahre auf Wirksamkeit getestet werden. In dieser Region gehört Malaria zu den größten Gesundheitsproblemen. Die Uni Tübingen kooperiert seit vielen Jahren mit dem von Albert Schweitzer gegründeten Hospital in Lambaréné sowie dem benachbarten medizinischen Forschungszentrum. (u)

Malaria: Eine der häufigsten Infektionskrankheiten

Malaria ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten allein im Jahr 2015 rund 214 Millionen Menschen durch den Malaria-Parasiten. Schätzungsweise 438 000 Menschen starben an den Folgen, rund 90 Prozent davon in Afrika. Nahezu drei Viertel der tödlichen Erkrankungen betreffen Kinder unter fünf Jahren.

Seit mehr als hundert Jahren forschen Wissenschaftler an einem zuverlässigen Impfstoff. Damit ließe sich Malaria einfacher kontrollieren, in stark betroffenen Gebieten könnten Impfkampagnen den Erreger eliminieren. Außerdem könnte ein Impfstoff die Ausbreitung von Resistenzen verhindern und Reisende besser schützen. (u)


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