Schau - Wie altes (Kunst-)Handwerk modern umgesetzt werden kann, zeigen ab heute 15 Ausstellerinnen in den Räumen des Gomaringer Schlosses

Neu durch Frauenhand

VON CLAUDIA HAILFINGER

GOMARINGEN. Fragt man die Frauen, was ihnen das Handwerk gibt, fallen die Antworten ganz ähnlich aus: Ausgleich, Ruhe, manchmal Entspannung – und eine Möglichkeit, der eigenen Kreativität ganz handfest Form zu geben. Wie viele Gesichter Handgefertigtes hat, können sich Besucher in der 41. Wechselausstellung des Geschichts- und Altertumsvereins im Schloss Gomaringen anschauen.

Ein Teil der Ausstellerinnen: Manche von ihnen gehen ihrem Handwerk als Hobby nach, manche sogar beruflich.  GEA-FOTO: HAILFINGER
Ein Teil der Ausstellerinnen: Manche von ihnen gehen ihrem Handwerk als Hobby nach, manche sogar beruflich. GEA-FOTO: HAILFINGER
Das Besondere daran: Gezeigt werden Handwerke und Berufe, die in Frauenhand eine Renaissance erfahren. »Es ist richtig en vogue, dass Frauen alte Handarbeit wieder aufnehmen«, weiß Ausstellungsmacherin Birgit Wallisser-Nuber. Dabei werden nicht einfach alte Muster wieder aufgenommen, sondern neue Formen der Kreativität eingearbeitet.

Magdalene Glasbrenner aus Lichtenstein etwa fertigt neben klassischen Porträtbildern auch Pop-Art-Kunstwerke im Scherenschnitt. Sonny Oelke-Gottschald aus Gönningen ist gelernte Scheibentöpferin. Bei ihrer Garten-Keramik experimentiert sie mit Glas, das sie schmelzt und in die Werke einarbeitet –
das Ergebnis ist auch für sie jedes Mal eine Überraschung. »Die Arbeit ist für mich Berufung, Leidenschaft und Ausdruck meines Wesens«, erklärt die 45-Jährige. Ganz ähnlich muss es bei Renate Mayer sein. Mindestens drei Stunden täglich verbringt sie mit ihrem Hobby: der Kunststrickerei. Im komplexen Zusammenspiel mehrerer Nadeln entstehen dabei filigrane Zierdecken.

Schon einige Hundert Jahre alt ist dieses Handwerk, weiß die Reutlingerin, die zwischen 90 und 360 Stunden Arbeit in ihre Stücke investiert. Rentabel verkaufen kann sie diese freilich nicht –
weder sind die Decken sonderlich in Mode, noch könnte die Arbeitszeit angemessen umgerechnet werden. Besser an die Frau bringen lassen sich dagegen Schals, die sie ebenfalls fertigt.

Schneckenzucht lässt staunen

Insgesamt 15 Frauen konnten für die Ausstellung in Gomaringen gewonnen werden. Neben den Erwähnten sind das Sattlerin Eva-Maria Haas-Gaiser und Glasperlenmacherin Alexandra Dold aus Gomaringen, Flechtwerkgestalterin Anne Gokeler aus Mössingen, Upcyclerin Barbara Binder sowie die Porzellanbemalerinnen Ursula Hoffmann Dias Costa und Rosa Medina aus Tübingen, Filzerin Alexandra Schmidt aus Wannweil, Klöpplerin Carla Müller-Sauer aus Reutlingen, Drechslerin Gudrun Rotermund aus Bad Niedernau und Knopfmacherin Sandra-Janine Müller aus Günzburg.

Etwas aus der Reihe fallen die Schäferin Barbara Zeppenfeld aus Bronnweiler, die sich für den Erhalt heimischer Nutztierrassen einsetzt, und die Münsinger Schneckenzüchterin Rita Goller. »Nicht so dinglich« seien deren Berufe, erklärt Wallisser-Nuber. Doch zeigen auch sie, wie altes Wissen heute genutzt werden kann –
und Staunen lässt: Wenn Rita Goller von ihren über 10 000 Weinbergschnecken erzählt, die sie im Winterschlaf »erntet«, für 50 Cent das Stück an Feinschmeckergastronomen verkauft, die sie dann wiederum für zweieinhalb Stunden im Topf kochen, bleibt so mancher Mund offen stehen. (GEA)

Eröffnung


Die Schau »Neuauflage alter Handwerke und Berufe in Frauenhand« im Gomaringer Schloss wird heute, Mittwoch, 6. Juli, 19 Uhr, eröffnet. Sie ist immer sonntags von 13 bis 17 Uhr zu besichtigen. Regelmäßig werden die (Kunst-) Handwerkerinnen anwesend sein, um über ihre Arbeit zu berichten. (hai)

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