Jugend - Der Trend aus Italien und Frankreich ist offenbar auch in Tübingen angekommen. Die Skulptur des Radfahrerkönigs trägt plötzlich ungewöhnlichen Schmuck
Liebesschwüre aus Stahl
Von Joachim Kreibich
TÜBINGEN. Im Tübinger Rathaus reagiert man überrascht. »Liebesschlösser? Das ist uns noch gar nicht aufgefallen«, sagt Anne Reichel im Presseamt. Tatsächlich scheint der Trend fast unbemerkt in der Unistadt angekommen zu sein.
Barfuß radelt er dahin, der König aus Bronze vor dem Nonnenhaus. Zwei Liebespaare haben ihn offenbar mit den Vorhang-Schlössern behängt. FOTO: NIETHAMMER
FOTO: Markus Niethammer
Früher haben Liebes-Paare Herzchen in Baumstämme geritzt. Oder in Park-Bänke. Heute nehmen sie Vorhänge-Schlösser und bringen sie am liebsten an Brückengeländern an. Am Ponte Milvio in Rom sind vor einigen Jahren die ersten »Amorchetti« aufgetaucht. Am Pont des Arts in Paris hingen bis vor Kurzem 2 000. In Deutschland ist Köln angeblich die Hauptstadt der Liebenden.
Zwei Paare haben nun offenbar in Tübingen die Skulptur des Radfahrerkönigs neben dem Nonnenhaus für ihren Liebesschwur aus Stahl ausgewählt. Der Bronzekönig von Suse Müller-Diefenbach radelt dort mit einem Vogel auf seinem Lenker und verkündet auf seinem Umhang die Botschaft: »Kein Geld den Fürsten, alles Geld den Radfahrern.« Seit Kurzem schleppt er zwei Schlösser mit. Ein Großes und ein Kleineres, passend zu seinen ungleichen Rädern.
Die 2 000 Schlösser am Pont des Arts wurden bei Nacht entfernt. Die Pariser Stadtverwaltung sagt, sie habe nichts mit dem Verschwinden zu tun. Im Tübinger Rathaus bleibt man von vornherein gelassen und erklärt, man werde die Liebesschlösser tolerieren, solange nichts beschädigt wird. Wer beim Anbringen erwischt wird, braucht nicht mit einer Geldbuße zu rechnen. Bisher wurden noch keine weiteren Schlösser an Brunnen oder Brücken in Tübingen entdeckt. Kommt die Welle noch und sind das die Vorboten? (GEA)
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