Literatur

Buchläden kämpfen gegen die Online-Konkurrenz

Von Leonie Feuerbach, dpa

TÜBINGEN. Es gibt eine Buchhandlung nur für Frauen, mehrere sind auf religiöse und spirituelle Themen spezialisiert, andere führen nur wissenschaftliche Bücher. Noch ist Tübingen reich an Buchläden. Doch auch, wenn zum Jahresende die Kassen geklingelt haben, kämpfen viele kleine Buchhändler in der Unistadt ums Überleben. Nur wer seine Nische findet oder mit einem außergewöhnlichen Konzept auftrumpft, kann sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet und durch große Ketten behaupten.

Bücher aus Papier und ein E-Book Reader.
Bücher aus Papier und ein E-Book Reader. FOTO: dpa
Vor allem Amazon macht den Händlern in den Innenstädten das Überleben schwer. Mit ein paar Klicks ist man beim passenden Buch, am nächsten Tag ist es zu Hause. Selbst die Großen der Branche mussten zuletzt Filialen schließen, etwa Thalia in Essen, Bouvier in Bonn oder Hugendubel in Berlin. Die kleinen Läden haben da umso mehr zu kämpfen.

Johannes Scherer, Geschäftsführer des Buchhandelsverbands Baden-Württemberg, glaubt trotzdem nicht, dass Buchhandlungen in den Einkaufsstraßen ein Auslaufmodell sind. 620 Millionen Euro Umsatz haben die Sortimentsbuchhandlungen im Südwesten 2010 mit dem Verkauf von Büchern und Fachzeitschriften gemacht. Ein gutes Angebot und kundenfreundliche Öffnungszeiten seien wichtig: «Wenn ein Laden nur bis 18 Uhr geöffnet ist und keinen Internetauftritt hat, gehen die Kunden zu Amazon», sagt Scherer.

Angelika Gocht, Geschäftsführerin der Tübinger Buchhandlung Gastl, sieht das anders. Die 59-jährige studierte Germanistin und Romanistin arbeitet seit fast 30 Jahren in dem auf wissenschaftliche Bücher spezialisierten Geschäft. Ihre Kollegen sind teils noch länger im Haus, alle sind für den Bereich zuständig, den sie studiert haben. «Das trägt zur Kundenbindung bei und ist unsere Nische», sagt Gocht. Doch sie sagt auch: «Es ist uns völlig klar, dass die Großhändler uns Umsatz kosten.»

Die Tübinger Buchhandlung Beneke hat vor der Konkurrenz durch Internet-Händler und großen Filialen schon aufgeben müssen. Seit 1913 gab es das Buchgeschäft. Doch dann eröffnete im Jahr 2000 die Kette Osiander eine Filiale in der gleichen Straße. «Von da an ging unser Umsatz kontinuierlich zurück. Im Jahr 2003 haben wir dann das Ladengeschäft aufgegeben», erzählt Geschäftsführer Erich Schönleben. Beneke orientierte sich neu und suchte sich eine Nische zum Überleben. Heute betreibt das Unternehmen vor allem Geschäfte mit Bibliotheken, Firmen und Kanzleien.

Osiander sehen viele kleine Buchhändler als großes Problem. Mit fast 30 Filialen vor allem in Baden-Württemberg ist er nach eigenen Angaben der zweitgrößte familiengeführte Buchhändler in Deutschland - und immer neue Filialen kommen hinzu. Doch Geschäftsführer und Mitinhaber Hermann-Arndt Riethmüller will sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. «Kleinere Buchhandlungen nehmen uns oft als den Hauptkonkurrenten wahr, doch die Realität ist eine andere», sagt er. Für den 67-Jährigen ist Amazon der größte Konkurrent für den gesamten Buchhandel.

Dass Osiander im Moment trotzdem expandiere, erklärt Riethmüller so: «Unsere Standorte sind dort, wo die Menschen sich bewegen, nämlich in den Fußgängerzonen», sagt er. «Man kann bei uns gemütlich sitzen, und wir bieten viele kulturelle Veranstaltungen in unseren Geschäften an.» Das könnten Internet-Händler nicht bieten.

Doch dass auch kleine Läden, die sich gegen jegliche Trends stemmen, erfolgreich sein können, zeigt Benjamin Wagner, Inhaber des Tübinger Vividus-Buchkaffees. Sein Geschäft dürfte es den Erfolgs-Tipps von Verbandschef Scherer eigentlich gar nicht geben. Es schließt um 18.30 Uhr, samstags sogar schon um 18 Uhr. Außerdem hat Wagner 2006 schräg gegenüber von einer Osiander-Filiale eröffnet.

Der Buchladen, der gleichzeitig ein Café ist, läuft trotzdem gut, hat Stamm- und Laufkundschaft. Die Menschen fühlen sich wohl und trinken gerne einen Kaffee, während sie nach Büchern stöbern. «Nur mit Büchern hat man es schwer als kleiner Laden», sagt Wagner. (dpa)

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