Schwäbischer Albverein - Rund 150 Wanderfreunde folgten gestern der Einladung der Ortsgruppe Kusterdingen zum Wandertag des Tübinger Gaus. Infos vom Geschichtsverein

Schwäbischer Albverein: »Wir sind noch da«

VON RAPHAELA WEBER

KUSTERDINGEN. »Es gibt ihn nicht nur am Königssee. Auch hier, am schönsten Ort der Härten, haben wir einen Malerwinkel.« Mit Blick auf die Dorfkulisse von der Friedrich-Kuttler-Linde aus geriet Hans Kern vom Geschichtsverein Härten zu Beginn der Gauwanderung des Schwäbischen Albvereins ins Schwärmen.

Rund um Kusterdingen führte die Gauwanderung  vom Schwäbischen Albverein die Teilnehmer.
Rund um Kusterdingen führte die Gauwanderung vom Schwäbischen Albverein die Teilnehmer. FOTO: Raphaela Weber
Die Teilnehmer, die der Einladung der Kusterdinger gefolgt waren, stimmten ihm mit Beifall zu, ehe sie sich bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein auf die Runde um Kusterdingen machten. »Der Namensgeber der Linde hatte im Ort einen Kolonialwarenladen und war ein treues Mitglied des Albvereins Kusterdingen«, weiß Kern, der ein genauer Kenner der Ortsgeschichte ist und das gerne mit anderen teilt.Iris Lumpp, die Vorsitzende der Ortsgruppe Kusterdingen, freute sich über die große Runde, die sich am Sonntagmorgen zunächst beim Friedhof zusammengefunden hatte. »Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass es uns noch gibt«, sagte sie und verwies auf die jüngeren Leute, die mit ihren Eltern gekommen waren. Sogar die Kleinsten waren dabei und wurden ein Stück mit dem Kinderwagen mitgezogen. Ein Beispiel für die Verjüngung des Vereins ist die Familie von Denis und Lena Kleine aus Reutlingen. Sie sind aus Interesse an der Natur und der Gemeinschaft gerade erst in den Albverein eingetreten. Mit ihren Kindern Lennox und Lynn, sieben und vier Jahre alt, und den Hunden Apollo und Lexy gehen sie mit auf die Wanderung. »Wir sind schon sehr gespannt«, sagt Lena Kleine.

Auf den Spuren Adam Zeebs

Immer wieder legte Hans Kern eine Pause ein, in der er Interessantes aus der Historie des Ortes berichtete. Etwa vor einer großen Wiese mitten im Wald. »Vom Dorf aus bis hierher wurde vor langer Zeit ein Kanal gebaut.« Über eine Länge von eineinhalb Kilometern wurde zur Düngung sowie Bewässerung und zur Steigerung des Ertrags das Abwasser hierher geführt. »Da wird auch einiges an Spätzlesbrühe dabei gewesen sein«, vermutet Kern. Fäkalien seien aber nicht hergeleitet worden. Es geht ein Stück weiter, wieder aus dem Wald heraus. Nächste Station ist eine Holzhütte, in der jetzt die Wagen der Narrenzunft untergebraucht sind. Früher diente sie als Winterquartier für Schafe und war dann für eine Zeit lang CVJM-Heim. »Deshalb sind jetzt noch biblische Sprüche an der Wand zu lesen«, so Kern.Er berichtet auch, dass es einst Hopfenanbau in Kusterdingen gab, samt Hopfenschütz. Auf der weiteren Strecke wurde es im Holzwiesenwald wieder angenehm schattig. Auf dem Adam-Zeeb-Weg ging es zunächst in den Wald hinein und schließlich über einen schmalen Pfad über die Ramslach. »Was viele nicht wissen, der Bach entspringt in der Lustnauer Straße«, so Kern. »Das Bachbett wurde 1930 bis zum Ortsende verdolt.« Hinter dem Gewerbegebiet im Neckartal fließt das Gewässer in den Neckar. Im Kusterdinger Jargon heiße die Ramslach einfach Rufabach. Diese Bezeichnung wählten die Hexen der Narrenzunft Kusterdingen als Namensvorlage. Der Adam-Zeeb-Weg verbindet auf etwa fünf Kilometern Länge Kusterdingen mit Wannweil. Dorthin war Zeeb nach der Heirat gezogen. Er war der Gründer der Ortsgruppe Kusterdingen. »Hier sollen Kinder mit Tieren in Kontakt gebracht werden«, sagte Kern, als die Wanderer die Jugendfarm passierten. Über Wiesen hinweg, vorbei an Schrebergärten und mit einem leichten Anstieg ging es zum Wasserturm hinauf. Nach einem Mittagessen erzählte Hans Kern bei den Schuppen im Kurzhart bei Kaffee und Kuchen noch mehr über den Ort. (GEA)

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