Reutlingen
Gedenken - Themenführung widmet sich am Donnerstag, 1. Dezember, der Reutlinger Opfer des Nazi-Terrors

Zur Ermordung von 16 Reutlinger Juden

REUTLINGEN. Am 1. Dezember 1941, also vor 70 Jahren, verließ ein Güterzug mit rund 1 050 jüdischen Männern, Frauen und Kindern den Stuttgarter Nordbahnhof. Unter ihnen waren auch 16 Menschen, die aus Reutlingen kamen oder dort länger gelebt haben. Sie hatten sich auf eine »Umsiedlung in den Osten« eingestellt und bis auf das maximal 50 Kilo schwere Gepäck alles zurücklassen müssen. Nach vier Tagen erreichte der Transport Riga, die von Deutschen besetzte Hauptstadt Lettlands.

Am 1. Dezember vor 70 Jahren wurden 16 Reutlinger Juden ermordet. Hieran erinnert eine Themenführung am kommenden Donnerstag.
Am 1. Dezember vor 70 Jahren wurden 16 Reutlinger Juden ermordet. Hieran erinnert eine Themenführung am kommenden Donnerstag. FOTO: dpa
Dort wurden die Verschleppten in ein zerstörtes Gehöft getrieben, wo sie die nächsten knapp vier bitterkalten Wintermonate hausten: in ungeheizten Ställen mit offenem Dach, achtfach aufgeschichteten Etagenbetten, bei miserabler Ernährung. Wer dieses Martyrium überlebt hatte, hoffte auf Veränderung - wie am 26. März 1942, als die SS-Posten sie auf Lastwagen verluden: zur Arbeit in einer Konservenfabrik, wie es hieß. Stattdessen aber fuhr man sie in den Hochwald über Riga, wo sie erschossen und in Massengräbern verscharrt wurden.

Erzählen, was keiner hören will

Von den jüdischen Frauen und Männern aus Reutlingen überlebten nur drei, darunter das Ehepaar Rosenrauch, das bis Ende 1938 ein Schuhgeschäft in der Wilhelmstraße betrieb. Die beiden konnten nach ihrer glücklichen Rückkehr erzählen, was lange niemand hören und glauben wollte.

Bernd Serger, einer der Autoren des 2005 vom Reutlinger Stadtarchiv herausgegebenen historischen Lesebuchs »Es gab Juden in Reutlingen«, wird am Jahrestag der Deportation vom 1. Dezember bei einer thematischen Stadtführung über diesen Schicksalstag und seine Opfer informieren, aber auch von den weiteren Deportationen berichten, mit denen die NS-Schergen die letzten Reutlinger Juden in die Vernichtungslager verschleppten.

Achtunddreißig Todesopfer

Insgesamt gab es mindestens achtunddreißig jüdische Todesopfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die längere Zeit in Reutlingen gelebt haben.

Termin und Treffpunkt für die Themen-Führung: Donnerstag, 1. Dezember, um 18 Uhr an der Gedenktafel gegenüber dem Eingang der Stadtbibliothek in der Spendhausstraße 2. (GEA)
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