»Tonne«-Neubau - Nach der Kostenexplosion wartet OB Bosch mit einer neuen Hiobsbotschaft auf

Reutlinger Theater-Neubau fertig, Fassade nicht?

VON ROLAND HAUSER

REUTLINGEN. Als Mischung »zwischen Fassungslosigkeit, Entsetzen und Empörung« beschrieb Oberbürgermeisterin Barbara Bosch ihren und den Gemütszustand von Baubürgermeisterin Urike Hotz, was die Kostenexplosion sowie die Mängel bei Planung und Ausführung des Theater-Neubaus für die »Tonne« betrifft. Und auch wenn es gestern Abend im Gemeinderat gar nicht um die Fassade gehen sollte, wie die OB eingangs betonte, betraf die Hiobsbotschaft des Abends genau dieses Gewerk:

Im Januar 2018 soll der Spielbetrieb in der neuen »Tonne« beginnen ? ob mit oder ohne Fassade. Aber wo wird geprobt?
Im Januar 2018 soll der Spielbetrieb in der neuen »Tonne« beginnen – ob mit oder ohne Fassade. Aber wo wird geprobt? FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Zwar sei die Prüfung der Ausschreibungsergebnisse noch nicht abgeschlossen, sagte Barbara Bosch, doch zeige eine erste Übersicht, dass die spiegelnde Aluminiumfassade samt aufgeklebter Vogelschutzstreifen noch einmal erheblich teurer werde als die bereits bekannten Mehrkosten von 240 000 Euro; und zweitens weise die Fassade, so wie sie vom Architekten ausgeschrieben worden sei, »erhebliche konstruktive Mängel auf« und könne »so nicht gebaut werden«.

Das sei – wie die gesamte Kostenentwicklung einschließlich aller Unzulänglichkeiten seitens der externen Planer und Projektsteuerer – »überaus ärgerlich«, betonte die OB. Allerdings wolle man Details erst besprechen, wenn die Submissionsergebnisse abschließend geprüft seien: in der nächsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 28. März.

Spielen, aber nicht proben

Dann wird sich entscheiden, ob die Fassadenarbeiten komplett neu ausgeschrieben werden müssen. Falls ja, wird das Auswirkungen auf den Zeitplan haben. Die Lemgoer h.s.d. Architekten gehen laut Barbara Bosch »nachhaltig« davon aus, dass er eingehalten wird und das Theater »Die Tonne« im Sommer dieses Jahres umziehen kann, um im Januar 2018 den Spielbetrieb aufzunehmen.

Ob die Fassade dann ebenfalls fertig ist, daran hat Barbara Bosch mittlerweile »erhebliche Zweifel«. Die Folge: »Der Spielbetrieb könnte aufgenommen werden am Abend, aber nicht die Proben am Tag.« Sie müssten dann wegen des Baulärms und -staubs »für eine kurze Übergangszeit« an einem anderen Ort stattfinden – was »Tonne«-Verwaltungsleiter Matthias Schmied am Rande der Sitzung als nicht praktikabel bezeichnete.

Wie gestern berichtet, belaufen sich die prognostizierten Mehrkosten (ohne Fassade) derzeit auf 1,96 Millionen Euro, bei einem vom Gemeinderat beschlossenen Kostendeckel in Höhe von 8,41 Millionen. Darüber hinaus gebe es auch Mängel bei der Bauausführung, die natürlich von den Ausführenden behoben werden müssen, so Bosch. Weitere Baukostensteigerungen seien nicht auszuschließen, auch wenn 80 Prozent der Aufträge vergeben seien. Selbst wenn die gute Nachricht sei, dass das Endprodukt dann »so aussehen müsste, wie wir es wünschen«, bereite das Projekt viel Ärger und erfordere einen höheren Personaleinsatz im Rathaus als geplant. »Die Nerven liegen blank auf der Baustelle«, sagte Barbara Bosch, »das können Sie sich vorstellen!«

Harsche Schritte erwogen

Zu beschließen hätte es ursprünglich gestern nichts geben sollen, zumal die Finanzierung der Mehrkosten »über das verbesserte Rechnungsergebnis des Jahres 2016« mit dem Doppelhaushalt 2017/2018 verabschiedet worden sei. Einen Antrag der FWV, die Gemeindeprüfungsanstalt einzuschalten, habe die Verwaltung bereits umgesetzt, und Einsparmöglichkeiten, wie von der CDU gefordert, seien aufgezeigt.

Einen vierten Punkt – die Prüfung möglicher Ansprüche gegenüber Planungsbeteiligten nach Abschluss des Projekts – wollte die OB streichen, »weil wir jetzt schon ständig dabei sind, die Interessen der Stadt zu vertreten«. Sie denke sogar über sehr harsche Schritte nach, könne darüber in öffentlicher Sitzung aber nicht reden.

Dennoch setzte sich die CDU-Fraktion mit ihrem Vorschlag durch, den Auftrag an die Verwaltung schriftlich zu fixieren, »sämtliche rechtlich möglichen Instrumente gegenüber Projektbeteiligten zu prüfen und geltend zu machen«. Nur Thomas Ziegler (Linke) stimmte dagegen, seine Fraktionskollegin Jessica Tatti und die Oberbürgermeisterin als Mitglied der Verwaltung enthielten sich der Stimme.

Den angekündigten Spar-Antrag zur Fassade wollen die Christdemokraten dann erst im März stellen. (GEA)

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