Bauausschuss - Büro Kaulen präsentiert neben Sachstand auch groben Zeitplan und einzelne Erkenntnisse aus der Bürgerbefragung

Reutlinger Masterplan Radverkehr: Sicherheit ganz oben

VON ANDREA GLITZ

REUTLINGEN. Das öffentliche Interesse ist groß: Deshalb wird über den »Masterplan Radverkehr« viel geredet im Rathaus, ohne dass in der Öffentlichkeit jedes Mal viel Neues gesagt wird. »Der Masterplan ist weit, wir sind vor dem Abschluss«, versicherte Stefan Dvorak, der Leiter der Stadtentwicklung, glaubhaft den Räten im jüngsten Bauausschuss.

Grobe Marschlinie: die Zeitschiene für die Umsetzung des »Masterplans Radverkehr«. GRAFIK: STADT
Grobe Marschlinie: die Zeitschiene für die Umsetzung des »Masterplans Radverkehr«. GRAFIK: STADT
Auf die öffentliche Vorstellung des Gesamtentwurfs müssen die Radfahrer nach bisherigem Stand jedoch noch bis kommendes Jahr warten. Bis dahin muss sich das gemeine Radlervolk mit Informationshäppchen begnügen.

Philipp Herzog vom Aachener Verkehrsplanungsbüro Kaulen präsentierte im Ausschuss viel sattsam Bekanntes, hatte aber doch ein paar Neuigkeiten in Bezug auf Netzteilstücke und den avisierten groben Zeitplan (siehe auch Grafik) auf Lager. Darin sind auch die Eckdaten der anderen großen Verkehrsprojekte vermerkt, die das hiesige Mobilitätsverhalten verändern sollen: Scheibengipfeltunnel, neues Buskonzept und Regionalstadtbahn.

Dass auch beim Radverkehr nicht alle Projekte auf einmal angegangen werden können, liegt auf der Hand. Auf zehn Jahre ist die Umgestaltung Reutlingens in eine radfreundliche Stadt angesetzt. Sprich: Es wird im Planentwurf auch ums Thema Prioritätensetzung gehen - und die wird zweifelsohne für trefflichen Diskussionsstoff sorgen.

Einzelne Projekte sollen vorgezogen werden. Erste Priorität hat dabei das Thema Sicherheit. Noch in diesem Jahr will man Unfallschwerpunkte und die Schulwegsicherung angehen. Diese Projekte sollen gestartet werden, bevor der Rat das Grundkonzept abgesegnet hat, erläuterte Dvorak. Zwei Anträge von Fraktionen liegen dazu vor, die nach Einschätzung des obersten Stadtplaners ins Konzept passen. Rückenwind aus den Fraktionen verspürt die Verwaltung. Die jeweils einstimmige Absegnung der Anträge bestätigte diese Einschätzung: SPD und ein gemeinsamer Antrag von CDU und Grünen/Unabhängigen nehmen im Kern eine Forderung der Elterninitiative radelnder Kinder auf, die sich für ein Radwegenetz auf Nebenstraßen starkmachen (der GEA berichtete). Konkret abgesegnet wurde die Elternforderung nach einem sicheren Weg in die Schulen im Volkspark (betrifft Moltke- und Bellinostraße).

»Wo ist der Plan? Hoffentlich sehen wir ihn bald«
 
»Die Präsentation lässt hoffen«, befand Rainer Löffler (CDU). Der Vorsitzende der Fraktion, die sich jahrzehntelang nicht um die Radverkehrsförderung verdient gemacht hat, mahnte zur Eile: »Wir haben großen Nachholbedarf, wir müssen uns auf den Hosenboden setzen.« Über die Priorisierungskriterien und den zeitlichen Ablauf müsse man sich unterhalten und auch über die Straffung des Plans. Angesichts des zu erwartenden Umfangs bat er dringend um ausreichend Studier- und Bedenkzeit für die Räte vor der Verabschiedung des Masterplans.

Holger Bergmann (Grüne und Unabhängige) befürchtet Ähnliches. »Wo ist der Plan? Hoffentlich sehen wir ihn bald und nicht erst ein paar Tage vor der Sitzung.« Dass der Umbau der Karlstraße ein priorisiertes Projekt sein soll, »schockiert« ihn nach eigenen Worten. Bestehe doch der vielfache Wunsch, dass ein Radwegenetz abseits der Hauptstraßen geknüpft werde. In der Prioritätensetzung müsse mehr Schwergewicht auf die Nebenstraßen gesetzt werden, forderte er.

Edeltraut Stiedl (SPD) gab sich - mit Blick auf die andere Seite des Saals gen CDU - überrascht, dass die »Verhinderer hoch drei« nun zur Eile drängen. Das Thema Sicherheit habe für die Sozialdemokraten erste Priorität, betonte sie einmal mehr, insbesondere auch für Schüler: Sichere Wege sollten den Nachwuchs aufs Rad locken, damit die Kinder diese Art der Fortbewegung frühzeitig als Selbstverständlichkeit erfahren.

Dass das Thema sichere Radwege eine zentrale Rolle spielt, deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Bürgerbefragung, die das Büro Kaulen zum Masterplan angestellt hat. Radfahrer fühlen sich laut Philipp Herzog unsicher in der Stadt. Jeweils dreißig Prozent der Befragten erteilten in 1 000 Fragebögen der Sicherheit die Note »ausreichend» oder »mangelhaft«. Diese Befindlichkeit deckt sich mit einer Unfallanalyse, die die Aachener vergangenes Jahr erstellt hatten. 418 Unfälle in zwei Jahren sind vergleichsweise viel. Einsamer Spitzenreiter: die Alteburgstraße mit 25 Unfällen.

Alles wird besser: Baubürgermeisterin Ulrike Hotz prognostizierte »ein gutes Konzept und eine große Mehrheit«. Hemmschuh bei der Umsetzung könnten allerdings die Mittel und das Personal sein. »Es ist derzeit schwer, Verkehrsplaner zu finden.«

Wo's langgehen könnte

Als schnelle, direkte Radhauptverbindungen in und durch das Reutlinger Stadtzentrum sind im Masterplan
avisiert: Eberhard-Karlstraße (Realisierung ab 2019), Konrad-Adenauerstraße/Lederstraße (Realisierung ab 2019), Metzgerstraße/Albstraße (Realisierung ab 2019) und Alteburgstraße (Realisierung ab 2020). Als Fahrradstraßen (auf verkehrssichereren Nebenstraßen) sollen Charlotten-, Hindenburg-, Moltke-, Bellino- und Aulberstraße umgestaltet werden (Realisierung ab 2018). Die Honauer Bahntrasse soll Radschnellweg werden (Realisierung 2018/19). (GEA)

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