Benefizveranstaltung - Bei der Kriminacht geben Autoren Kostproben aus ihren mörderischen Kurzgeschichten

Reutlinger Kriminacht: Acht Minuten und »Peng«

VON ELKE SCHÄLE-SCHMITT

REUTLINGEN. Was könnte mehr Spaß machen als ein spannender Krimi mit regionalen Bezügen? Zehn solcher Krimis in einem Band! So sehen es offenbar viele Reutlinger. Und am meisten Spaß scheinen sie zu haben, wenn ihnen die Verfasser persönlich mit je einer Minilesung Appetit auf die mörderische Lektüre machen.

Yvonne Knauer (oben links) begrenzte die Lesezeit von Peter Wark, Sybille Baecker, Günther Zäuner (Quadrate von links) und den übrigen Autoren. Unter dem leicht modifizierten Namen »Deadline« sorgte die GEA-Band »Headline« für musikalische Entspannung zwischen den Krimikostproben (im Bild Iris Goldack, Alexander Rabe und Veit Müller).
Yvonne Knauer (oben links) begrenzte die Lesezeit von Peter Wark, Sybille Baecker, Günther Zäuner (Quadrate von links) und den übrigen Autoren. Unter dem leicht modifizierten Namen »Deadline« sorgte die GEA-Band »Headline« für musikalische Entspannung zwischen den Krimikostproben (im Bild Iris Goldack, Alexander Rabe und Veit Müller). FOTO: Elke Schäle-Schmitt
Jedenfalls lockte die Reutlinger »Kriminacht des Syndikats«, die genau nach diesem Rezept funktioniert, auch in der fünften Auflage wieder weit über 150 Besucher in die ehemalige Druckerei des Oertel+Spörer-Verlags am Burgplatz. Initiator Veit Müller, in Tübingen lebender Journalist und Autor, ist Mitglied im »Syndikat«, der größten Vereinigung deutschsprachiger Kriminalschriftsteller. Das Netzwerk dort nutzt Müller regelmäßig, um bei Oertel+Spörer einen Sammelband mit Kurzkrimis aus der Feder von Autorenkollegen – und natürlich seiner eigenen – herauszugeben. »Amors tödliche Pfeile« heißt der neueste Band mit zehn Storys, in denen abservierte Liebhaber und frustrierte Ehefrauen so raffiniert wie abgefeimt morden.

Erst vor wenigen Tagen ist die Anthologie erschienen; die Druckerschwärze war fast noch feucht, als die Autoren bei der Kriminacht daraus lasen. Dass sie das jeweils keine Sekunde länger als acht Minuten taten, wurde sehr charmant, aber unerbittlich von Yvonne Knauer überwacht. Egal ob der Stalker soeben das Schlafzimmer seines Opfers betrat, die Chefärztin den jungen Anästhesisten mit Champagner in der Badewanne erwartete oder der Privatdetektiv am Ende der Hundeleine, über die er gestolpert war, eine übel zugerichtete Leiche entdeckte - mit einem lautstarken »Peng!« des Publikums endete auf Yvonnes Kommando jeder Fall nach exakt acht Minuten. Vorerst. Denn natürlich kann man den Fort- und Ausgang der Storys nachlesen.

So nutzten die Kriminachtbesucher in der Pause eifrig die Gelegenheit zum Bücherkauf und taten gleich noch ein gutes Werk damit. Einen Euro pro Exemplar spendet der Verlag für den wohltätigen Zweck, weil die Kriminacht eine Benefizveranstaltung ist. Die Autoren verzichten an dem Abend ebenso auf ihr Honorar wie die Musiker, die das Programm umrahmen.

Sammelband mit Kurzkrimis

Die kamen diesmal ohnehin aus dem eigenen Haus: Sechs GEA-Mitarbeiter, die sich vor drei Jahren zur Band »Headline« zusammengetan und seither etliche betriebsinterne Auftritte absolviert haben, gaben bei ihrer öffentlichen Premiere unter dem kriminalistisch abgewandelten Bandnamen »Deadline« groovende Songs von Dolly Parton über Santana bis Red Hot Chili Peppers zum Besten. Das Publikum ließ die Fußspitzen mitwippen und applaudierte begeistert. Für Speis' und Trank sorgte wie immer die GEA-Marketingabteilung – auch das für den guten Zweck, wie GEA-Lokalchef und Moderator Roland Hauser erklärte. Der Erlös kommt in diesem Jahr einem Projekt für wohnsitzlose junge Frauen zugute, das der Verein »Hilfe zur Selbsthilfe« im November gestartet hat und das von Ingrid Weiß vorgestellt wurde. Die Autoren stellte Roland Hauser vor, der im Kurzinterview versuchte, den Schriftstellern bislang Unbekanntes zu entlocken – was mal mehr, mal weniger gut gelang.

So erläuterte Peter Wark, weshalb Sexszenen schwieriger zu schreiben sind als Morde. Und Sybille Baecker, die aus dem Text ihrer verhinderten Kollegin Nessa Altura las, antwortete auf die Frage, weshalb sie in der neuen Anthologie nicht mit einem eigenen Krimi vertreten sei, kurz und bündig: »Weil ich keinen geschrieben habe.« Was der Moderator verdutzt, das Publikum jedoch amüsiert zur Kenntnis nahm. Zwischen Verblüffung und Belustigung schwankte dann auch die Reaktion auf Veit Müllers Gute-Nacht-Gruß am Ende: »Kommen Sie gut nach Hause – es kann viel passieren unterwegs.« (GEA)


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Literatur und Musik

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FOTO: Elke Schäle-Schmitt
 
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