06.03.2010 - 07:00 Uhr
Landschaftsschutz - Pflegetrupp lichtet Gebüsch am Hang der Achalm aus. Mehr Sonne für felsige Schlupfwinkel
Platz für Blindschleiche & Co.
Von Holger Dahlhelm
REUTLINGEN. Spaziergänger runzeln die Stirn: Am Achalmgipfel wird der junge Wald gerodet. Büsche und Hecken müssen weichen, auch aus einigen Bäumen haben Motorsäge und Axt Kleinholz gemacht. Einen Kahlschlag im Wald wird es jedoch nicht geben, beschwichtigen die Naturschutzstellen von Stadt und Kreis. Der Schnitt dient vielmehr der Landschaftspflege und der Erhaltung bedrohter Arten.
In wenigen Tagen endet die Wintersaison für die Landschaftspflege: Wenn der Frühling an der Achalm einzieht, müssen die Männer aufhören, das Gebüsch zu lichten. GEA-FOTO: HD
Bereits im Herbst haben Forstleute am Südhang die Vegetation unterhalb der Gipfelbewaldung zurückgeschnitten. Die gekappten Äste liegen zur Abfuhr bereit, ebenso in Scheite zersägte Stämme. Im Südosten, wo der Weg zum Gipfel abwinkelt und der Pfad zur keltischen Siedlung Rappenplatz geradeaus weiterführt, ist der Landschaftspflegetrupp des städtischen Umweltbildungszentrums Listhof noch an der Arbeit. Die Männer wollen die letzten Tage nutzen, bevor die Vegetationsperiode beginnt und die Vögel ihre Nester im Gebüsch beziehen. Dann ist die Zeit für Eingriffe in die Natur vorbei, betont Günter Neuhäuser vom Umweltreferat des Rathauses.
Die Auslichtung verfolgt mehrere Ziele. Zum einen fällt, wenn das Gebüsch gerodet ist, am Südhang der Achalm mehr Sonne auf die Trockenrasen, sodass bestimmte Pflanzen - darunter Orchideen - ihren Standort halten können, der von Schatten gefährdet würde, erklärt Günter Neuhäuser.
Ausgleichsmaßnahmen
Zum Zweiten sind sonnige Halden ein beliebter Lebensraum für bedrohte Tierarten. Beispielsweise für die Zauneidechse, ergänzt Herbert Binsch vom Landratsamt. Reptilien lieben warme, trockene Hänge, weiß Neuhäuser. Blindschleichen (verwandt mit den Eidechsen, auch wenn sie keine Beine haben) gehören dazu und die heimischen Schlangen, allen voran die Ringelnatter.
Weiter unten, wo gerade die Einschnitte für den Scheibengipfeltunnel gebaggert werden, verlieren Reptilien ihren Lebensraum. Zum Ausgleich werden die Flächen oben am Berg für sie hergerichtet: Das gehört zu den sogenannten CEF-Maßnahmen, erklärt Herbert Binsch. Hinter der Abkürzung steht der Begriff »Continuous ecological functionality-measures«, auf Deutsch Schritte für eine nachhaltige ökologische Wirksamkeit.
Dass der Landschaftspflegetrupp das Gebüsch am Hang kräftig auslichtet, hat jedoch noch einen Grund: Wird Schlehen, Eschen und anderen Gehölzen nicht Einhalt geboten, so erobern sie Meter für Meter jede Wiese. Dann kommen Schafherden nicht mehr ans Gras, das Abweiden wird sehr erschwert, erzählt Günter Neuhäuser. Aber Schäfer Probst und seine Tiere sind an der Achalm sehr willkommen, weil sie die uralte Weidelandschaft pflegen.
Sperrzeit unverändert
Die Landschaftspflege mit Motorsäge und -sense und in schierer Handarbeit wird in wenigen Tagen zu Ende gehen. Denn das Gesetz verbietet Rodungen und Fällarbeiten vom 1. März bis 30. September. Die Vorschriften sind zwar 2010 geändert worden, die Sperrzeit besteht jedoch unverändert. Ausgenommen sind neuerdings Pflegeschnitte in Haus- und Ziergärten, betont Herbert Binsch. Aber wenn Vögel ihre Nester gebaut haben, sind ihre Gebüsche und Bäume tabu: Die Naturschutzbehörde weiß genau Bescheid. (GEA)
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