Kirche - Initiative »Lebenswert« lockt viel Publikum in die Eduard-Spranger-Schule

Kreuzkirchengemeinde: Markt der Mitmach-Möglichkeiten

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN. Eine Fotogruppe hat sich gegründet. »Aber wozu braucht es in einer Kirchengemeinde eine Fotogruppe?«, fragte Moderator Otto Haug einen der aktiven »Knipser« auf der Bühne der Eduard-Spranger-Gesamtschule. »Was könnte besser passen, als das Umfeld der Kreuzkirche abzubilden«, bekam Haug zur Antwort. Als einer der Initiatoren des Projekts »Lebenswert« im Ringelbachgebiet, freut sich Haug mittlerweile über mehr als 30 Gruppierungen, die sich im Laufe der zurückliegenden anderthalb Jahre gegründet haben.

Eine Trommelgruppe der Eduard-Spranger-Schule umrahmte das Treffen der Aktiven der Initiative »Lebenswert« am Samstag ebenso wie das Projekt »Fugato«, bei dem Flüchtlinge zusammen mit Musikern der Württembergischen Philharmonie musizieren.
Eine Trommelgruppe der Eduard-Spranger-Schule umrahmte das Treffen der Aktiven der Initiative »Lebenswert« am Samstag ebenso wie das Projekt »Fugato«, bei dem Flüchtlinge zusammen mit Musikern der Württembergischen Philharmonie musizieren. FOTO: Norbert Leister

Rund 300 Teilnehmer

Die Aktivitäten, die in jenen Zusammenschlüssen ausgeübt werden, sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sich dort treffen. Rund 300 Teilnehmer gehen in ihrer Freizeit gemeinsam mit Gleichgesinnten Hobbys nach. Ein Frauen- und ein Männerstammtisch sind dort zu finden, ein Häkel- und Literaturkreis, Kartenspieler und Radler, Chöre, Sportfans, die mit Flüchtlingen trainieren, ein Besuchsdienst, Tischtennis, Volleyball, aber auch ein Jobpatenprojekt an der Spranger-Schule. Letzteres gibt es allerdings schon seit elf Jahren. »Wir wollen ein Mehr an Beziehungswohlstand erreichen«, brachte Otto Haug Sinn und Zweck der Gruppen und Grüppchen auf den Punkt.

Andere zusätzliche Aktivitäten seien willkommen, eine bereits in Planung: ein Garagenflohmarkt, der Ende April über die Bühne gehen und quer durchs Ringelbach-Quartier rund um die Kreuzkirche ziehen soll, wie Otto Haug das Vorhaben beschrieb. Er nannte außerdem einen politischen Stammtisch, der sich das nächste Mal am 28. März treffen wird, um über ein aktuelles Thema zu diskutieren. »Als Donald Trump amerikanischer Präsident wurde, war eigentlich sofort klar, worum es bei dem Stammtisch gehen wird«, schmunzelte Otto Haug.

Eine halbe hauptamtliche Stelle zur Strukturierung der zahlreichen Mitmachangebote hat Mimi Böckmann inne. Dieser Posten ist zunächst auf drei Jahre befristet und wird aus Geldern der Glücksspirale finanziert. Böckmann ist nach eigenen Worten rein für die Koordination zuständig.

»Die Ideen für neue Gruppen oder Aktionen müssen von den Bürgern im Quartier kommen«, erklärt sie. Finden sich Mitstreiter, dann klappt's – wenn nicht, war vielleicht der Zeitpunkt noch nicht reif. »Es geht darum, gemeinsam zu feiern, gemeinsam aktiv zu sein, in Kontakt zu kommen. Wenn das funktioniert, wird das Wohngebiet zu einem lebenswerten Sozialraum«, so Mimi Böckmann.

Austausch und Ideen

Ein- bis zweimal pro Jahr besteht die Möglichkeit bei der Initiative »Lebenswert«, sich zu treffen, sich auszutauschen, sich zu informieren – und gegebenenfalls neue Gruppen zu gründen. »Es werden ständig mehr«, hat Otto Haug in den zurückliegenden Monaten festgestellt. Aus einem Literaturkreis wurden beispielsweise zwei, weil der Andrang so groß war. Aus einem Tanzkreis, der sich formiert hatte, ist etwas Weiteres entstanden. Somit sei »Lebenswert« ständig in Bewegung. Eines werde aber auf jeden Fall erreicht: »Die Nahbarschaft wird lebendig gestaltet«, so Böckmann.

»Die Erkenntnis reift, dass das Heil nicht allein von oben kommt«, sagte Sozialbürgermeister Robert Hahn. Und meinte damit, dass verbindende Aktivitäten nicht verordnet werden können. Solch' »gegenläufige Bewegungen von unten« wie im Ringelbachgebiet von der Kreuzkirchengemeinde angestoßen, seien enorm wertvoll: »Solche Netzwerke sind eine wichtige Säule in der Kommune«, betonte der Bürgermeister. Dabei gelte es, dass »um unsere Quartiere auch gekämpft und gestritten wird«, so Hahn. »Da ist Auseinandersetzung, aber auch Offenheit angesagt.«

Der digitale Draht

Im Internet finden Interessenten nicht nur jede Menge Infos zur Initiative »Lebenswert«, sondern auch eine Auflistung aller Aktivitäten, Projekte und Termine sowie einen »Digitalen Marktplatz« – eine Art Pinnwand, deren Redaktion die Kundschaft ist. Ein Rundbrief, der alle zwei Monate versandt wird, ergänzt das Info-Paket. (nol)

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