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13.01.2018

Landgericht - Im Prozess gegen neun Hautärzte aus der Region hörte die Strafkammer gestern Patientinnen, die im Laserzentrum in Reutlingen behandelt worden waren

Reutlingen

Im Prozess gegen Hautärzte: Probleme mit der Erinnerung

**REUTLINGEN/TÜBINGEN. **Jahrelanger Abrechnungsbetrug wird neun Hautärztinnen und Hautärzten aus der Region vorgeworfen.

Foto: dpa
Staatsanwaltschaft und Kassenärztliche Vereinigung (KV) sprechen von einem Schaden von rund 1,3 Millionen Euro. Bei den beanstandeten Abrechnungen geht es um die Laser-Behandlung von Feuermalen. Am Freitag sagten eine Reihe von Patientinnen im Prozess vor der 2. Großen Strafkammer des Tübinger Landgerichts aus.

Ein großes Problem zeigte sich gestern bei allen Aussagen: Die mutmaßlichen Taten liegen sehr lange zurück. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden Württemberg hatte bereits 2010 Anzeige erstattet. Die umfangreichen Ermittlungen dauerten allerdings einige Jahre, weshalb die Tübinger Staatsanwaltschaft bis Anfang 2014 brauchte, um Anklage zu erheben.

Doch die Strafkammer des Landgerichts war zu dem Zeitpunkt wegen vordringlicher Haftsachen so überlastet, dass sie erst jetzt, Anfang Dezember 2017, in der Lage war, das Verfahren zu eröffnen. In dem Prozess vor der 2. Strafkammer geht es nun also um Vorgänge aus dem Zeitraum zwischen 2005 und 2010. Sie liegen damit teilweise schon mehr als zehn Jahre zurück. Viele Zeuginnen konnten sich deshalb gestern vor Gericht an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern, was verständlich ist, denn als Patientinnen hatten sie damals sicher anderes im Kopf als den genauen medizinischen Ablauf ihrer Behandlung im Lasertherapiezentrum in Reutlingen.

Zentrum gemeinsam betrieben

Die neun angeklagten Hautärztinnen und -ärzte hatten dieses Zentrum von 2005 bis 2012 gemeinsam betrieben. Dort war eine weitere Hautärztin angestellt, die, wie sich gestern zeigte, in erster Linie die Behandlungen mit dem Laser ausführte. Sie besaß allerdings keine Zulassung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Auch diese Hautärztin sitzt nun mit ihren neun Kollegen auf der Anklagebank.

Alle Zeuginnen bestätigten am Freitag, dass diese Medizinerin fast immer diejenige war, die die Feuermale mit dem Laser behandelte. Zwar war fast bei jeder Sitzung noch ein weiterer Hautarzt dabei, der aber weitgehend nur die Therapie dokumentierte, beispielsweise Fotos von den behandelten Feuermalen fertigte. Diese beobachtenden Mediziner wechselten sich aber offenbar immer ab. »Es war immer ein anderer Arzt dabei«, erklärte eine 49-jährige Patientin aus dem Raum Sigmaringen. Mit der Therapie ihrer Feuermale war sie sehr zufrieden. »Die Behandlung hat mir sehr geholfen«, sagte sie gestern vor Gericht. Die 49-Jährige weiß, wovon sie spricht, denn sie ist schon seit 18 Jahren bei unterschiedlichen Hautärzten in Behandlung.

Ähnliches berichtete auch eine Patientin aus Tübingen. Sie war damals etwa zehnmal im Lasertherapiezentrum in Reutlingen. Auch nach ihren Angaben wurde sie meist von derselben Hautärztin mit dem Laser behandelt, während die dokumentierenden Ärzte sich abgewechselt hätten. Mit dem Ergebnis war auch sie zufrieden. »Die Behandlung hat mir was gebracht«, meinte sie.

Eine weitere Patientin aus Rottenburg wurde ebenfalls immer von ein und derselben Hautärztin im Reutlinger Lasertherapiezentrum behandelt. Als diese dann einmal krank gewesen sei, hätten zwei andere Hautärzte die Therapie übernommen, »die hatten es aber nicht so gut drauf«. Der Prozess wird am 27. Januar fortgesetzt. (vit)

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