Literatur - Kriminell kurze Geschichten sorgen bei der vierten Reutlinger Kriminacht für spannende Unterhaltung

Das Ende kommt mit einem »Peng«

VON ANNA-CHRISTINA CHATZINIKOLAOU

REUTLINGEN. Frankreich, Italien, Kuba, Afrika, Kanada, Spanien, Mexiko, Schottland. Bei der vierten Reutlinger Kriminacht des »Syndikats«, einem Verein zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur, am Dienstagabend im Oertel+Spörer-Gebäude kamen nicht nur Krimi-Fans auf ihre Kosten, sondern auch Globetrotter. Die Autoren und Autorinnen konzentrierten sich nicht auf regionale Orte, sondern machten Städte auf der ganzen Welt zum Schauplatz ihrer Krimis. Erneut geht der Erlös der Lesung an ein gemeinnütziges Projekt des Vereins »Hilfe zur Selbsthilfe«.

Spannendes Septett (von links): Die Autoren Peter Wark, Gudrun Weitbrecht, Uschi Kurz, Werner Bauknecht, Sybille Baecker, Britt Reißmann und Veit Müller fesselten bei der Kriminacht mit kurzen Passagen aus der Anthologie »Ein Mord von Welt«. GEA-FOTO: PACHER
Spannendes Septett (von links): Die Autoren Peter Wark, Gudrun Weitbrecht, Uschi Kurz, Werner Bauknecht, Sybille Baecker, Britt Reißmann und Veit Müller fesselten bei der Kriminacht mit kurzen Passagen aus der Anthologie »Ein Mord von Welt«. FOTO: Uschi Pacher
»Ein Mord von Welt« heißt die neue Anthologie, in denen die zehn spannenden Krimis festgehalten wurden. Neun der zehn Geschichten wurden passend zum Krimitag präsentiert, einer Initiative des »Syndikats« jeweils am 8. Dezember. Wer schon mal dabei war, weiß: Es ist weit mehr als eine normale Lesung.

»Die Zuhörer werden zu Komplizen«, sagte GEA-Lokalchef und Moderator Roland Hauser. »Sie machen die Autoren nach genau acht Minuten mit einem lauten ›Peng‹ mundtot.« Spannung pur also, denn wie die Geschichten enden, wurde nicht verraten. Musikalisch umrahmt hat den Abend das Anselm-Krisch-Duo, das passend zum rot beleuchteten Saal mit Jazz-Musik für eine entspannte Atmosphäre zwischendurch sorgte.

»Spannung und Unterhaltung machen für mich einen guten Krimi aus«, sagte Veit Müller, Herausgeber der Anthologie. Auf die Frage, ob das auch alle zehn Storys der Sammlung haben, war die Antwort deutlich. »Ja, natürlich. Die sind alle Klasse.« Gleich im ersten Krimi ging es hoch hinaus.

In Edi Grafs »Traumpaar« bekommt Afrikas höchster Berg Kilimandscharo eine andere Bedeutung. Wer da in 5 000 Meter Höhe der Noch-Ehemann Elviras ums Leben gebracht wird, erfuhren die Kriminachtbesucher aber nicht. In »Das Schweigen der Hühner« verarbeitet Britt Reißmann amüsant die Mordgelüste ihrer Protagonistin. Wie deren italienische Schwiegermutter, ein Kochrezept für ein »Toskanisches Platthuhn« und eine Tiefkühltruhe zusammenhängen – auch das blieb vorerst ungeklärt. Werner Bauknecht lässt den Ferienort am Lago di Mergozzo zum Tatort werden. Ob der Mörder wieder der Gärtner war, oder doch jemand anderes den deutschen Touristen den Hang hinunter schubste?

Unter der Sonne Mexikos ermittelt Gudrun Weitbrechts Protagonist Bondt im »staubige Drecksloch Tijuana«. Myriane Angelowskis Protagonistin Ella kommt nicht weiter als nach Stuttgart. Ihre Ankunft an den Niagarafällen, wo sie ein trauriges Schicksal erwartet, bleibt aus, denn dafür reichten die acht Minuten nicht.

Den Duft von Croissants und Café au Lait verbreitet die Story von Uschi Kurz. Im Kurzinterview mit Moderator Roland Hauser prophezeite sie: »Meine Morde sind meistens relativ schön.« Zeit, um das festzustellen, blieb aber auch hier nicht. Beim lauten »Peng!« erschrak selbst die Autorin.

Viel zu friedlich

Dann war Peter Wark an der Reihe, der sich La Palma widmet. »Es ist immer so friedlich dort, da dachte ich, das mische ich mal auf«, verriet er über den favorisierten Urlaubsort. Was sein deutscher Kriminalbeamter mit den Palmeros verbindet, wurde nicht verraten. Auch Sybille Baecker bewahrte das Geheimnis, was Protagonist Siegfried mit einem mysteriösen Wegbegleiter anstellt. Titel ihres Kurzkrimis: »Wohin mit John?«

Veit Müller sorgte mit seinem »Steppenhengst« für einen Lacher nach dem anderen. Mit viel Witz und verstellter »Fistelstimme« ging er einer »anrührenden Familiengeschichte« auf den Grund. »Aber
meine
Tochter
bedeutet
mir viel ...« Weiter kam er nicht.

Dass die Veranstaltung gut ankam, bewiesen die zufriedenen Krimi-Fans. »Da weiß man gar nicht, welcher Krimi einem besser gefällt«, sagte eine Dame im Publikum. Auch Zuhörerin Bärbel Hartmann gefiel es. »Ich bin zum zweiten Mal dabei und ich find´s super.« Vor allem das Peng »hat was. Das macht den Pep hier aus«. Nach zweieinhalbstündiger Kurzweil endete die Kriminacht. Und dass das Anreißen der Geschichten Lust machte auf mehr, verriet die lange Schlange am Bücher-Tisch des Verlags Oertel+Spörer, bei dem die Krimi-Anthologie erschienen ist. (GEA)


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Kriminacht

Kriminacht 2015
FOTO: Uschi Pacher
 
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