Reutlingen
Klinikum - Chefetage und Aufsichtsrat beziehen Stellung zur fortgesetzten Kritik am Status quo auf dem Steinenberg

Scharfe Kritik: Bestürzung im Kreiskrankenhaus

Von Heike Krüger

REUTLINGEN. Als Reaktion auf neuerliche Enthüllungen bezüglich der widrigen Arbeitsbedingungen und des getrübten Betriebsklimas auf dem Steinenberg wenden sich Klinik-Leitung und Aufsichtsrat jetzt mit einer Presseerklärung an die Lokal-Medien. Darin beziehen sie Stellung zu den beiden am Donnerstag dieser Woche publizierten GEA-Artikeln »Das Leitbild nur leidlich umgesetzt« und »Erwarte, dass jetzt Dampf gemacht wird«.

Der Blutdruck steigt bei den Bediensteten des Steinenberg-Klinikums - sowohl bei den Führungskräften als auch beim Pflegepersonal. FOTO: DPA
Der Blutdruck steigt bei den Bediensteten des Steinenberg-Klinikums - sowohl bei den Führungskräften als auch beim Pflegepersonal. FOTO: dpa

Scharfe Kritik

Inhaltlich befassen sich die genannten Berichte mit den Ergebnissen einer klinikinternen »Leitbild-Evaluation« (Mitarbeiterzufriedenheit) einerseits, andererseits mit der scharfen Kritik niedergelassener Ärzte an prekären Pflegeverhältnissen auf dem Steinenberg. Danach soll in der Notfallambulanz das Chaos blühen, sollen Schmerz- oder Tumorpatienten viel zu lange auf ihre Medikation warten müssen, sollen andere Kranke in »Funktionsräumen« schlicht vergessen worden sein.

Derlei Missstände, so verlautet vom Vorsitzenden des Ärztenetzwerks Reutlingen, Dr. Bernhard Nübel, hätten ihn und seine Kollegen zum Schreiben eines Brand-Briefes bewogen, welcher Klinik-Chefin Dr. Rafaela Korte und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Reumann bereits Ende Juli zugegangen sei. »Geschehen ist seither allerdings nicht viel«, hat Nübel beobachtet, was er jetzt auch presseöffentlich moniert.



Mit Blick auf die von ihm formulierte Kritik lassen Reumann und Korte nun wissen, dass sie Bernhard Nübel schon einen Tag nach Erhalt besagten Briefes »schriftliche Rückmeldung« gegeben und überdies eine Einladung ausgesprochen hätten: zu einem »konstruktiven Gespräch« mit dem ärztlichen Direktor des Kreiskrankenhauses, Dr. Peter Kristen. Man habe im Rahmen eines informativen Treffens, heißt es, dem Vorsitzenden des Ärztenetzwerks Gelegenheit geben wollen, »sich selbst ein Bild zu machen über die bereits eingeleiteten und umgesetzten Verbesserungen«. Dieses Angebot sei indes bis heute nicht wahrgenommen worden.

Personelle Aufstockung

Zu den Beanstandungen der niedergelassenen Mediziner äußern sich Klinik-Leitung und Aufsichtsrat wie folgt: Was die langen Wartezeiten in der Notaufnahme betreffe, seien die dortigen Bedingungen »schon vor Monaten durch personelle Aufstockung und optimierte Abläufe« verbessert worden. Gleichwohl werde es Wartezeiten auch in Zukunft geben - insbesondere während der Wochenenden.

Mit Bestürzung habe man in den Kreiskliniken aufgenommen, dass Bernhard Nübel den »mehr als 2 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich rund um die Uhr in hohem Maße für die Patienten engagieren« Inkompetenz vorwerfe. Darauf hätten die solchermaßen Gescholtenen mit »großer Betroffenheit reagiert«. Nicht zuletzt erschüttere sie die »haltlose« Unterstellung, wonach Patienten tagelang »nur Putzfrauen« zu Gesicht bekommen haben sollen oder vergessen worden seien.

Und weiter: »Am Klinikum arbeiten Menschen zum Wohle der Patienten und wie schon mehrfach betont, in einer derzeit schwierigen Phase. Dass ein Anruf oder Entlassbrief zu spät erfolgt beziehungsweise verschickt wird, wie von Dr. Nübel angemahnt, mag im Einzelfall vorkommen und ist zu bedauern - ist aber mit Sicherheit die Ausnahme. Denn Vieles laufe »gut und rund« an den Reutlinger Kliniken. Das beweise nicht zuletzt die Tatsache, dass es hier bislang keinen Personalabbau gegeben habe, und ein solcher nach wie vor nicht zur Debatte stehe.

Empfindlich getroffen zu haben scheint die Führungs-Riege auf dem Steinenberg ferner der auszugsweise Abdruck diverser Statements, die von Krankenhaus-Mitarbeitern im Zuge einer hausinternen, anonymisierten Umfrage formuliert und im September 2010 ins Intranet des Hospitals gestellt worden waren.

»Der Bericht im Reutlinger General-Anzeiger«, so die Klinik-Spitze, »erweckt den Eindruck, als ob eine interne Mitarbeiterumfrage (-) im Widerspruch zu einer in einem Pressegespräch zitierten Diplomarbeit stünde und verheimlicht worden sei. Dem ist nicht so« - jedenfalls nicht gegenüber dem Krankenhaus-Personal.

Briefe, Mails und Anrufe

Gegenüber Journalisten schwiegen sich Korte und Reumann indes sehr wohl über die Evaluation und deren wenig schmeichelhaften Inhalt aus. Die Medien-Vertreter wurden bei besagter Pressekonferenz vom 1. Dezember nämlich ausschließlich über die Existenz einer Diplomarbeit in Kenntnis gesetzt, die zu dem Ergebnis gekommen sein soll, dass die Mitarbeiterzufriedenheit auf dem Steinenberg den bundesweiten Vergleich nicht zu scheuen braucht; und dass man sich in diesem Punkt - so die Aussage von Dr. Rafaela Korte - »im oberen Bereich« bewege. (GEA)



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