Schwäbischer Albverein - Gauvertreterversammlung auf dem Roßberg: Erneuter Rückgang auf jetzt 9 000 Mitglieder

Alterung der Gesellschaft bereitet dem Albverein Probleme

VON JÜRGEN SPIESS

REUTLINGEN-GÖNNINGEN. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen hat sich der Lichtensteingau des Schwäbischen Albvereins mit seinen 35 Ortsgruppen »gut behauptet«: Bei der Gauvertreterversammlung auf dem Roßberg berichteten die Fachwarte und deren Vorsitzender Thomas Keck über die Entwicklung des nach wie vor mitgliederstärksten Gau.

Gauwegmeister Gerhard Stolz (von links),  die stellvertretende Vorsitzende Doris Sautter, Forstdirektor Werner Gamerdinger und  Gauvorsitzender Thomas Keck. FOTO: SPIESS
Gauwegmeister Gerhard Stolz (von links), die stellvertretende Vorsitzende Doris Sautter, Forstdirektor Werner Gamerdinger und Gauvorsitzender Thomas Keck. FOTO: SPIESS
Bereits den Gründungsvätern von Europas größtem Wanderverein war viel daran gelegen, die Sinne ihrer Mitmenschen für die Natur und den Umweltschutz zu schärfen und bei ihnen die Liebe zur Heimat und deren Schönheit zu wecken. Dass ihnen dies gelungen ist, beweisen die vielfältigen Aktivitäten des Schwäbischen Albvereins, der allein im vergangenen Jahr 19 700 Veranstaltungen mit rund 367 000 Teilnehmern im Angebot hatte. Dabei waren mehr als 6 500 Wanderführer mit einem Arbeitsaufwand von 255 000 Stunden ehrenamtlich im Einsatz.

Doch während die Zahlen im gesamten Vereinsgebiet einigermaßen stabil sind und keine großen Schwankungen aufweisen, verzeichnete der Lichtensteingau im letzten Jahr »zum ersten Mal einen deutlichen Rückgang an Wanderangeboten und Teilnehmern. Und das, obwohl Wandern gerade einen regelrechten Boom erlebt«, so Wanderwart Ursula Geyer in ihrem Bericht. Woran das liegt? Der Gauvorsitzende Thomas Keck führt das schwindende Interesse und den erneuten Mitgliederrückgang auf nunmehr rund 9 000 Mitglieder im Lichtensteingau auf die demografische Entwicklung zurück, »der kein Verein, kein Verband, keine Institution und also auch nicht der Schwäbische Albverein entkommen kann«. Der Trend zur zunehmenden Alterung der Gesellschaft sei ungebrochen und entfalte eine »gewaltige Sogwirkung, die nichts und niemand aufhalten kann«.

Jubiläumsfeier im Oktober

Der Tatsache, dass es immer schwieriger werde, Aktive in den Ortsgruppen zu finden, begegnet der Verein mit Team-Lösungen und Fusionen von Ortsgruppen. Das Bild, das die insgesamt 35 Ortsgruppen im Gaugebiet abgeben, sei sehr unterschiedlich und reiche von der »aus Altersgründen sterbenden Gruppe bis zur Vorzeige-Ortsgruppe, die ihren Mitgliedern erfolgreich ein Generationen überspannendes Angebot bereitet«, berichtet Thomas Keck.

Zur Sprache brachte der Gauvorsitzende am Freitag auch die emotional besetzten Themen Windkraft, Albaufstieg und »Zwei-Meter-Regelung« für Mountainbiker. Während er bei der Windkraft für eine differenzierte Betrachtungsweise plädierte, »die alle Aspekte mit einbezieht«, sprach er sich beim Albaufstieg gegen die »vermeintlich günstigste Trassenlösung durch das obere Echaztal« aus. Zum Abschluss seines Vortrages gab Keck noch einen Ausblick auf ein bemerkenswertes Datum: 2017 wird der Lichten- steingau 125 Jahre alt und das wird am 22. Oktober in der Festhalle in Erpfingen groß gefeiert: »Wir wollen diesen Tag nutzen, um unseren Lichtensteingau als modernen und zukunftsfähigen Wander-, Kultur-, Naturschutz- und Heimatverein zu präsentieren.«

Ordnung nicht gewährleistet

Wie der »Fachwart Wandern«, Ursula Geyer, berichtete, gab es im Lichtensteingau mit seinen 35 Ortsgruppen im vergangenen Jahr 712 Wanderungen mit 14 632 Teilnehmern. Insgesamt haben diese eine Strecke von 5 724 Kilometern zurückgelegt und die 291 Wanderführer haben zusammen 7 509 Stunden an ehrenamtlicher Leistung erbracht. Auch Gerhard Stolz, der seit 20 Jahren das Amt des Gauwegmeisters begleitet, lobte das Engagement der Aktiven, wies aber darauf hin, dass die immer weniger werdenden Ehrenamtlichen die Ordnung des Wanderwegnetzes auf Dauer nicht mehr gewährleisten könnten: »Wir müssen unser Wanderwegnetz kürzen«, so Gerhard Stolz, »in den nächsten zehn Jahren vermutlich um 30 bis 50 Prozent«.

Bei den abschließenden Wahlen wurden der Vorstand und alle Gaufachwarte einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Die Versammlung endete mit einem Vortrag von Werner Gamerdinger, Leiter des Kreisforstamtes Reutlingen, in dem er unter anderen auf das derzeitige Eschesterben« einging. (GEA)



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