Reutlingen
Hochschule - Robert-Bosch-Zentrum für Leistungselektronik nimmt Betrieb auf. Studentenzahlen steigen

»Angewandte Wissenschaft« boomt

Von Jürgen Kempf

REUTLINGEN. Die Hochschule Reutlingen ist jetzt auch wirklich eine Hochschule. Mit Wirkung vom 1. August hat das Land den Begriff »Fachhochschule« abgeschafft und die Bezeichnung »Hochschule für Angewandte Wissenschaften« eingeführt. Kürzlich wurde auch eine entsprechende Image- und Marketingkampagne gestartet.

Ausgeräumt: der für Bauangelegenheiten zuständige Vizepräsident Hendrik Brumme in der ehemaligen Energiezentrale, die künftig das neue Rechenzentrum der Hochschule aufnehmen wird. FOTO: TRINKHAUS
Ausgeräumt: der für Bauangelegenheiten zuständige Vizepräsident Hendrik Brumme in der ehemaligen Energiezentrale, die künftig das neue Rechenzentrum der Hochschule aufnehmen wird. FOTO: TRINKHAUS FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Doch das hat die Reutlinger Einrichtung im Hohbuch kaum nötig. Die Studentenzahlen wachsen ständig, Sanierung sowie Ausbau laufen und zu Beginn des Wintersemesters am Montag nimmt das neu gegründete Robert-Bosch-Zentrum für Leistungselektronik seine Arbeit auf.

An die 1 000 Studienanfänger in 38 Bachelor- und Masterstudiengänge verzeichnet die Hochschule mit Beginn des neuen Semesters. »Wir sind relativ breit aufgestellt«, sagte Präsident Dr. Peter Nieß gestern bei einer Pressekonferenz. Insgesamt studierten in Reutlingen derzeit 4 300 junge Männer und Frauen. »Wir erwarten, dass die Hochschule in den nächsten Jahren auf rund 5 000 Studierende und auf über 160 Professoren anwachsen wird«, so Nieß.



Auf den Zuwachs hat die Hochschule mit neuen Studiengängen reagiert. So starten zum Wintersemester weitere Bachelor- beziehungsweise Master-Studiengänge, zwei weitere Studiengänge (Biomedizinwissenschaft und Medizintechnische Informatik) sind beantragt und nicht zuletzt kommen die ersten Studenten im neuen Master-Studiengang Leistungs- und Mikroelektronik an die Hochschule.

Wie ausgeführt geht ab Montag das neu gegründete Robert-Bosch-Zentrum für Leistungselektronik an den Start. Mit drei neu berufenen Professoren nimmt der gemeinsame Forschungs- und Lehrverbund der Robert Bosch GmbH, der Hochschule Reutlingen und der Universität Stuttgart seinen Betrieb auf. Die Firma Bosch, das Land Baden-Württemberg und die beteiligten Hochschulen bringen insgesamt mehr als 25 Millionen Euro über zehn Jahre in die neuen Professuren und die Infrastruktur ein. Wie der Leiter des Zentrums, Vizepräsident, Dr. Gerhard Gruhler, gestern sagte, sei man sehr zufrieden, dass man die Professoren-Stellen innerhalb kurzer Zeit besetzen konnte.

Hauptzweck des neuen Master-Studiengangs ist es, dafür zu sorgen, dass der Robert Bosch GmbH mit ihren großen Halbleiterwerken in Reutlingen, aber auch anderen Unternehmen die dringend benötigten Elektronik-Ingenieure zur Verfügung stehen. Die Studenten sollen lernen, sogenannte Mikroelektronik-Bauelemente zu entwickeln. Pro Semester gibt es 15 Plätze, das ergibt im Jahr 30 Anfängerplätze. Man habe die Qualitätsanforderungen bewusst hoch gesetzt, sagte Gruhler. Voraussetzung für den Studiengang sei ein abgeschlossener Bachelor und ein Schnitt von mindestens 2,5. »Gerade für elektrisch angetriebene Fahrzeuge ist diese Technik besonders wichtig«, so Gruhler.

»Ein sehr, sehr modernes Rechenzentrum«
 

Ihr Studium aufnehmen werden die Studenten allerdings erst einmal auf dem Campus im Hohbuch. Mit dem Umbau des ehemaligen Bosch-Werks in Rommelsbach, wo die Hochschule künftig 1 500 Quadratmeter mit Hörsälen und Labors belegen wird, wurde erst begonnen. Und auch auf dem Campus wird kräftig gewerkelt. Die Sanierung des PCB-verseuchten Gebäudes 4 schreitet voran. Zudem wird die frühere Heizzentrale umgebaut. Dort soll das neue Rechenzentrum seinen Platz finden. »Ein sehr, sehr modernes Rechenzentrum«, wie der für Bauangelegenheiten zuständige Vizepräsident Hendrik Brumme betonte, dass 40 Prozent weniger Energie verbraucht, aber »sehr, sehr viel mehr Rechenleistung bringt«.

Bis 2011 werden dann über 21 Millionen Euro verbaut worden sein. Anschließend soll das Gebäude 3 saniert werden. Brumme hofft auf eine Zusage des Landes im kommenden Jahr. Und angesichts des beständigen Zuwachses an Studenten braucht die Hochschule weitere Gebäude. In der Diskussion sind ein neues Wohnheim und ein sogenanntes Boardinghaus für ausländische Dozenten und Gaststudenten.

Auch die Außenanlagen werden schrittweise renoviert. Der Hörsaal im Freien wird teilüberdacht, neue Bänke aufgebaut und ein Leitsystem (Brumme: »Beginnt in der Stadt und endet im Hörsaal«) installiert. (GEA)



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