»Was ist der Mensch?« - Auftakt in der Pfullinger Martinskirche mit dem ehemaligen Landesbischof Gerhard Maier und dem Medienkünstler Wolf Nkole Helzle
Winziger Teil des Ganzen
PFULLINGEN. »Was ist der Mensch?« Um dieses Thema geht es in einer jetzt beginnenden Reihe in der Pfullinger Martinskirche. Zum Auftakt am Sonntag, 6. Februar, ist die Frage gestellt: »Der Mensch: Wem gleicht er?« Der in Tübingen lebende ehemalige evangelische Landesbischof Dr. Gerhard Maier predigt zur Frage der »Gottebenbildlichkeit des Menschen«. Dazu zeigt der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle, St. Johann-Gächingen, Porträts.
Wolf Nkole Helzles Menschenbilder: eine junge Frau aus Seoul. FOTO: HELZLE
Er hat ein Verfahren entwickelt, das die Bilder ineinander übergehen lässt. So hat er für ein Projekt zum 1 200-Jahr-Jubiläum Münsingens 2009 insgesamt 1 250 Menschen porträtiert. Auch den Pfullinger Pfarrer der Martinskirche, Martin Sauer, dessen Bild er mit anderen aus aller Welt zeigen wird, hat er bei der Münsinger Aktion fotografiert.
Gigantisch
Die Kunsthistorikerin Dr. Rita E. Täuber über die Arbeit Helzles: »Seit Mitte der Neunzigerjahre arbeitet er unentwegt an der Erweiterung eines besonderen Archivs. In Europa, Afrika oder Asien, in einer Kunstausstellung, Kirche, oder auf der Straße.
An all diesen Orten luden ein Stuhl, eine Lampe, ein schwarzer Hintergrund und eine Kamera Gäste, Besucher und Passanten zu einem kurzen Fototermin. Auf diese Weise entstehen nahsichtige Kopfbilder mit aller Konzentration auf die Physiognomie. Wesentlich ist allein das Gesicht. Zunächst an einen Rechner weitergegeben, dessen besondere Software das Verhältnis von Augen, Nase und Mund bestimmt, gelangt schließlich Porträt für Porträt auf eine großformatige Leinwand.
Denn so wie das Gesicht des Einzelnen durch den Akt des Fotografierens aus der Menge hervortrat, so kehrt es auch wieder in diese zurück und durchläuft dabei momenthafte nicht selten bizarre Verwandlungen, in denen das Gemeinsame und das Trennende eigentümlich nah beieinanderliegen: Dem lachenden Kind entsteigt ein ernsthafter Herr, aus dem blassen Nordeuropäer entpuppt sich die dunkelhäutige Schönheit.
An die 25 000 Porträts sind es, die sich bislang in Wolf Nkole Helzles weltweit angelegtem kommunikativen 'MedienKunstStück' gleichberechtigt begegnen - eine gigantische Zahl und dennoch nur ein winziger Bruchteil des großen unüberschaubaren Ganzen.«
Die Präsentation am Sonntag in Pfullingen, 9.30 Uhr, in der Martinskirche begleiten Dorothee Berron, Orgel, und Ute Roming, Violine, mit dem Stück »Spiegel im Spiegel« von Arvo Pärt. Die Kantorei singt alte und neue Choräle.
Am Sonntag, 13. Februar, 9.30 Uhr, geht in der Pfullinger Reihe Pfarrer Dieter Mattern der Frage nach: »Der Mensch: Wonach sucht er?« Es geht um Perspektiven von Zukunft und Hoffnung. Mattern ist evangelischer Pfarrer, arbeitet als Klinikseelsorger in Tübingen. Kammermusik soll diesem Gottesdienst eine eigene Stimmung geben.
Den Abschluss der Gottesdienstreihe macht am Sonntag, 20. Februar, 9.30 Uhr, Maria Dietzfelbinger. Die Theologin ist auch Supervisorin und arbeitet in der Psychologischen Beratungsstelle Tübingen. Sie ist Vorsitzende des Ständigen Ausschusses für Psychiatrischen Beratung und Seelsorge beim Deutschen Evangelischen Kirchentag und Mitglied in dessen Präsidialversammlung. Ihr Thema: »Der Mensch: Wofür lebt er?« Der Posaunenchor des CVJM wird den Gottesdienst begleiten. (eb)
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