Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Rettungsdienst - Fast 11 000 Dienststunden leistet die DRK-Bergwacht Pfullingen 2016. Freude über Nachwuchsabteilung

Profis im unwegsamen Gelände

VON GABRIELE LEIPPERT

PFULLINGEN. »Rettungsdienst in unwegsamen Gelände, dafür haben wir einen gesetzlichen Auftrag und dafür trainieren wir. Bergretter ist man mit Herz, Seele und dem Kopf. Das können nicht alle – eine spezielle Spezies Mensch eben«, betonte Bereitschaftsleiter Jochen Boley bei der Hauptversammlung der »DRK-Sondereinsatzgruppe Pfullinger Bergwacht«.

Wie treffend dieser Ausspruch ist, verdeutlichten zahlreiche Bilder, die die Retter bei Übungen oder Einsätzen auf schneebedeckten Pisten, in steilen Hangwäldern, in Felswänden oder in tiefen Schluchten zeigten. »Das Jahr 2016 hat uns einiges um die Ohren gehauen«, führte Boley weiter aus, dass zwar der Winter mit Schnee nur einige Einsätze brachte, die derzeit 35 aktiven Rettungskräfte unter den rund 260 Mitgliedern aber hauptsächlich von Mai bis September beansprucht waren. So seien insgesamt 27 Einsätze zusammengekommen, auch weil Wandern wieder angesagt sei.

Fahrzeugkauf geplant

»Für den Landkreis ist das eine ordentliche Zahl«, sarte der Bereitschaftsleiter uns betonte, dass sich leider die Alarmierungen unter der Woche und während der Arbeitszeit häufen würden. Sein Dank galt daher auch den Arbeitgebern, welche die ehrenamtlichen Helfer zum Einsatz gehen ließen. Eine Jahresübung gemeinsam mit der Sondereinheit Rettung aus Höhen und Tiefen der Feuerwehr Pfullingen habe den Bergwachtlern interessante Einblicke gewährt. 123 Dienste, 67 Ausbildungen, wobei Themen wie Unterkühlung, Lawinenverschüttung oder Kreislaufstörungen besprochen wurden, wie Bereitschaftsärztin Ute Müller erläuterte, plus Einsätze summierten sich auf insgesamt 10 529 Stunden, bilanzierte Boley.

Er freue sich, dass sein »Wettern« über die miserable finanzielle Ausstattung der Bergwacht endlich auf offene Ohren bei den Politikern gestoßen und ein Haushaltsposten im Landeshaushalt zugesichert worden sei. Auch sei die Kostentabelle für Bergrettungseinsätze modernisiert und die Sätze angehoben worden.

Durch Felsräumungen, Pflegemaßnahmen oder Fällung von Gefahrbäumen konnte die Bergwacht Löcher in der Kasse stopfen. Die weist laut Werner Herrmann für 2016 zwar ein Ergebnis von knapp 20 000 Euro als Plus aus, »aber das brauchen wir, weil nächstes Jahr schließlich der Erwerb eines neuen Fahrzeugs vorgesehen ist«, so der Kassier. Auch müsse immer wieder Einsatzkleidung erneuert, eine Rettungsstation saniert oder Materialien wie Seile und Haken ersetzt werden. »Das wäre das Schlimmste für mich, wenn einer meiner Kameraden plötzlich an mir vorbei irgendwo runterpurzelt, weil das Material nicht gehalten hat«, so Boley. Seine Vision von einem regional verfügbaren Hubschrauber mit Winde für Rettungen in schwierigsten Hanglagen, die vor drei Jahren noch als Faschingsscherz belächelt wurde, sei jetzt konkreter geworden, »man arbeitet sogar an der Realisierung«, freute sich Boley.

Besondere Freude bereitet dem Bereitschaftsleiter die Nachwuchsabteilung, aus der zwischenzeitlich fünf Neuzugänge zu den Aktiven verzeichnet werden können. »Die Entscheidung vor elf Jahren für die Jugendgruppe ist ein voller Erfolg«. Die Verstärkung der Kommunikation mit anderen Gruppen in Baden-Württemberg oder Bayern sowie der Luftrettung würde auch angestrebt.

Am Ende dankte Boley allen Helfern, der Nachbar-Bergwacht Bad Urach, Polizei, DRK und Feuerwehr für die gute Zusammenarbeit und der Stadt Pfullingen. »Die Bilder waren sehr eindrucksvoll«, sagte Bürgermeister Michael Schrenk und versicherte dass er vor den Helfern nicht genug den Hut ziehen könne. »Was ihr leistet ist vorbildlich und eine wichtige Sache.« Dem stimmte Markus Metzger, DRK-Rettungsdienstleiter des Landkreises, zu und lobte: »Ihr seid die Profis in unwegsamen Gelände«.

Ehrungen

»Bergretter bleiben jung, weil sie gefordert werden, bei Wind und Wetter draußen sind und im Gelände herumturnen«, so Bergwacht-Bereitschaftsleiter Jochen Boley, als er langjährige Mitglieder und Aktive ehrte . Für zehn Jahre zeichnete er Renate und Bertram Sommer sowie Renate Rist aus. Für zwanzig Jahre Dienst erhielten Felix Braun, Johannes Jäger und Felix Sommer ihre Urkunden. Für 25 Jahre wurden Bärbel Thomas, Magda Mader und Marga Angerbauer geehrt. Seit 30 Jahren hilft Udo Müller mit, seit vierzig Jahren sind Eugen Schweikert, Uwe Hailfinger, Robert Mader und Bernd Maier dabei, seit 50 Jahren Edmund Dommer und seit 60 Jahren Heinz und Herbert Benz sowie Herbert Hausser. (lpt)

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


EU-Kommission: Städte müssen sich gegen Terrorangriffe schützen

Brüssel (dpa) - Städte und Gemeinden müssen nach A... mehr»

Airbus steigt in Mittelstrecken-Flugzeugfamilie von Bombardier ein

Toulouse (dpa) - Der europäische Flugzeugherstelle... mehr»

CSU: Ex-Innenminister Friedrich soll Bundestags-Vizepräsident werden

Berlin (dpa) - Die CSU im Bundestag hat Ex-Bundesi... mehr»

Unionsfraktion will Schäuble als Parlamentspräsident nominieren

Berlin (dpa) - Drei Wochen nach der Bundestagswahl... mehr»

Druck auf Seehofer: Münchner CSU-Vorstand will geordneten Übergang

München (dpa) - Der Druck auf CSU-Chef Horst Seeho... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen