Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Kultur - Fast tausend Besucher erleben in zwölf Pfullinger Kellern richtig klasse Darbietungen

Pfullinger Kellernacht ganz nah und intensiv

VON MAGDALENA KABLAOUI

PFULLINGEN. »Es ist ein lustiges Event – da wuseln alle durch die Stadt, Menschen begrüßen sich, reden miteinander und plötzlich sind alle verschwunden.« Was eine Helferin des Organisationsteams von der Kulturhausinitiative i’kuh so plastisch beschreibt, passiert in Pfullingen alle zwei Jahre. Immer dann, wenn die Pfullinger Kellernacht angesagt ist. Alle halbe Stunde tauchen 960 Menschen in zwölf private und städtische Keller ab, um sich verzaubern zu lassen von Musik, Tanz, Theater und Magie.

Das Improvisationstheater von der »Wilden Bühne Stuttgart« spielte im Keller Reik, der mit Liebe dekoriert war.
Das Improvisationstheater von der »Wilden Bühne Stuttgart« spielte im Keller Reik, der mit Liebe dekoriert war. FOTO: Magdalena Kablaoui
Wer die besondere Atmosphäre dieser Spätsommernacht einmal erlebt hat, der bemüht sich, jedes Mal eine der begehrten Karten zu ergattern. So waren die meisten Besucher keine Neulinge: »Es läuft diesmal sehr rund«, konnte Organisator Sieger Maier schon nach kurzer Zeit feststellen.

Auch in diesem Jahr hatte das i’kuh-Team Künstler aus der Region gewinnen können, die das Kellernacht-Publikum bisher nicht kannte. Die große Vielfalt und der Erlebnischarakter machten den Reiz dieses Events aus, so Maier. Und Manfred Kober, ebenfalls vom i’kuh-Team, ergänzte später: »Es ist eine kulturelle Wundertüte für alle, die offen für etwas Neues sind.« Man habe überall auf gute Qualität geachtet.

Die Live-Untermalung eines Stummfilms – das erlebt man nicht oft. Ein Novum auch für die Musiker Michael Stoll und Wolfram Karrer. Vor allem, da die Aufmerksamkeit des Publikums mehr den Abenteuern von Stan Laurel und Oliver Hardy galt als der Musik. Immer wieder wurde lauthals gelacht. »Aber so soll es auch sein«, erklärt Karrer.

Mal virtuos, mal gefühlvoll

Das Duo spielte im Keller unter dem Pavillon im Klostergarten, der sonst so gut wie nicht betreten wird. Eigentlich hausen in dem feuchten Keller, in dem es immer ein bisschen von der Decke tropft, ein Salamander und zwei junge Molche, erzählt die für diesen Keller zuständige i’kuh-Helferin. »Die haben sich hoffentlich heute gut verkrochen.«

Im tiefen Keller nebenan faszinierte Jan Henning mit Gitarrenklängen, mal virtuos, mal gefühlvoll. Die drei Gitarren mussten allerdings wegen der Feuchtigkeit öfter nachgestimmt werden. Bunt gemischt die Präsentationen in den Kellern um den Klostergarten herum: das Boogie-Woogie-Piano von Sascha Kommer, die Magier-Brüder aus Reutlingen, die so locker mit dem Publikum zu spielen vermögen und mit ihren Tricks verblüffen, die Flamenco-Tänzerin, die mit ihrer Gruppe und heißen Rhythmen den Zuschauern ordentlich einheizte, und Eva Winter mit ihrer gefühlvollen Stimme. Sie und ihre Band erlebten das Publikum in der Atmosphäre des alten Gewölbekellers »ganz nah und total intensiv. Die Leute hören richtig zu.«

Die Bereitschaft, 25 Minuten – solange dauert eine Vorführung – intensiv zuzuhören, sich auf das Event einzulassen, das zeichnete die Stimmung aus. Bei allem lockeren Geplauder, sobald es dunkel wurde in den Kellern, war höchste Konzentration angesagt. Was natürlich auch viel damit zu tun hatte, dass jeder Künstler die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen wusste – egal ob mit Musik, Zauberei, Theater oder Tanz.

»Da gibt es nur ein Wort: Klasse«, zeigte sich auch Bürgermeister Michael Schrenk, der die Kellernacht zum ersten Mal erlebte, überaus beeindruckt. Überall aber auch eine etwas andere Atmosphäre: beispielsweise bei Susanne Hinkelbein, die die Saiten auf ihrem Monocord strich und dabei Geschichten erzählte. Oder bei Winfried Burr und Siegfried Klaiber, die mit furiosem Spiel und Gesang beeindruckten, mit großer Intensität aktuelle Themen wie Flüchtlinge und Rüstungswahn aufgriffen.

»Das ist echt witzig«, hieß es dagegen vor dem Keller Reik, in dem das Improvisationstheater »Wilde Bühne Stuttgart« spielte. Nikolai Striebel verzauberte buchstäblich sein Publikum in der Klemmenstraße. Was er mit Magie schaffte, das gelang Ilona Nowak und Jochen Probst mit Gesang und Gitarre. Und schließlich erntete auch Günter Fortmeier mit seiner Hands-up-Comedy einen Lacher nach dem anderen. (GEA)


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Pfullinger Kellernacht September 2015
FOTO: Magdalena Kablaoui
 
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