Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Leute - Helmi Körner (79) und Florence Thonnelier (11) sind begeisterte Akkordeonspielerinnen im Albverein

Musikalische K(n)öpfchen

PFULLINGEN. Das Jugendakkordeonorchester des Schwäbischen Albvereins kommt ins Schwabenalter. Zwei Musikerinnen schildern ihrer Erlebnisse mit dem Orchester. Die eine spielte schon vor vierzig Jahren bei der Gründung eine wichtige Rolle, die andere ist die Jüngste in der Truppe.

Zwei Damen und ihr Lieblingsinstrument: Florence Thonnelier und Helmi Körner, Gründerin des Jugendakkordeonorchesters. FOTO: LPT
Zwei Damen und ihr Lieblingsinstrument: Florence Thonnelier und Helmi Körner, Gründerin des Jugendakkordeonorchesters. FOTO: LPT
Sie sieht viel jünger aus - Helmi Körner (79) ist mit dem Akkordeonspielen groß geworden und dabei jung und rüstig geblieben. Sie war zehn Jahre alt, als die in Köln geborene rheinische Frohnatur irgendwo einen Akkordeonspieler gesehen hat. »Das hat mir gefallen, und so wollte ich das lernen«.

Angefangen hat sie mit der »Diadonischen«, dem Knopfakkordeon. Es gefiel ihr so gut, dass für sie irgendwann feststand, daraus einen Beruf zu machen. Durch die Kriegswirren kam sie mit ihren Eltern nach Biberach an der Riss und damit näher heran an die Akkordeonhochburg Trossingen im Schwarzwald, wo sie dann dieses Instrument studierte und dabei noch das Dirigieren lernte.



Ausgebildet zur Musiklehrerin schloss sie ihr Studium ab. 1953 zog sie mit ihrem Ehemann nach Pfullingen, wo sie sich der gerade von Günther Hecht neu gegründeten Harmonikagruppe anschloss. Als Musiklehrerin unterrichtete sie viele Schüler und so kam ihr die Idee zur Gründung eines Jugendorchesters.

Am 2. November 1963 konnte sie als Dirigentin mit 26 Mitgliedern ihren ersten Auftritt absolvieren. »Ich weiß noch heute, dass wir die Titel Frechdachs und Fideler Bub spielten«, erinnert sich Helmi Körner. Die Auftrittskleidung war dunkle Hose und weißes Oberteil. Manche Eltern hätten damals gesagt, jetzt wären die Kinder wenigstens einmal richtig angezogen. Im Repertoire hatte das Orchester viel Volksmusik, aber auch Lieder vom damaligen Teenie-Schwarm Ted Herold. Da schon immer ein Schlagzeug zur Instrumentenbesetzung zählte, spielten sie ab und zu auch amerikanisch angehauchten Swing.

»Wir wohnten damals noch am Hang unterhalb des Übersberg. Zu jeder Probe bin ich mit dem Fahrrad hinunter gefahren, das große Akkordeon mit 120 Bässen auf dem Gepäckträger«, lacht die fidele Rentnerin. Für die Heimkehr wurde sie von ihrem Ehemann abgeholt.

»Ohne ihn wäre vieles gar nicht möglich gewesen«, blickt die Mutter von zwei Töchtern dankbar zurück, denn 1977 übernahm sie neben dem Jugendorchester auch noch die Aktiven. Siebzehn Jahre leitete sie die Jugendgruppe und zehn Jahre lang das Erwachsenen-Orchester, aus dem die heutige Dirigentin Birgit Ebner und der Vorsitzende Martin Schnitzer hervorgingen. Inzwischen hat sie zwar den Taktstock aus der Hand gelegt, spielt aber immer noch Akkordeon. »Nur so, für den Hausgebrauch«.

Kontakt zum Verein hat sie nach wie vor und beäugt, was sich heute abspielt. »Die Musikauswahl hat sich natürlich geändert, heute spielt man viele moderne Titel«, weiß die ehemalige Leiterin.

Das bestätigt ihr Florence Thonnelier, mit elf Jahren die zur Zeit die jüngste Spielerin im Jugendorchester, Sie spielt aber auch noch im von den Zwillingen Anna und Christine Schnitzer geleiteten Schülerorchester mit. Florence kam über den Papa zum Akkordeon. »Entweder Flöte oder Akkordeon« standen zur Auswahl, erzählt sie. »I han glaubt, s'Akkordeon isch viel interessanter«. Seit drei Jahren lernt sie dieses Instrument. Im Herbst möchte sie zum ersten Mal bei einem Wettbewerb teilnehmen und übt eifrig dafür.

Florence Thonnelier und Helmi Körner werden am 24. Mai im Paul-Gerhard-Haus dabei sein, wenn das Orchester seinen 40. Geburtstag feiert. Angezogen wie schon damals - in dunkler Hose und weißem Oberteil.

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