Neujahrsempfang - Fünf Pfullinger Schüler kommen als Helfer der Landesregierung ganz schön ins Schwitzen
Auf Schleichwegen durchs Schloss
PFULLINGEN/STUTTGART. Erst am späten Abend kam es endlich zum lang ersehnten Treffen mit dem Gastgeber. Dazwischen lagen, nach dem Aufstehen um sechs Uhr morgens, fünf Stunden Schulunterricht, viele Stunden auf den Beinen, hunderte Stufen und kilometerlange Läufe. Fünf Pfullinger Schüler, allesamt zu Musikmentoren ausgebildet, durften gemeinsam mit zwei Mädchen aus Ilshofen sowie Claudia Hilpert aus Wannweil beim Neujahrsempfang von Ministerpräsident Günther Oettinger als tatkräftige Helfer dabei sein.
Aufmerksam lauschen die Pfullinger Schüler den Anweisungen von Adelheid Kramer (links) und Heiderose Riefler (rechts).
FOTO: LPT
Die überraschende Frage kam kurz vor Weihnachten. Heiderose Riefler, Bundesjugendleiterin des Deutschen Harmonikaverbands, rief bei Maike Feucht und Sabrina Pissors, beide Wilhelm-Hauff-Realschule, sowie bei Anna und Christine Schnitzer und Mathias Leippert, alle Friedrich-Schiller-Gymnasium, an und wollte wissen, ob sie sich vorstellen könnten, beim Neujahrsempfang organisatorische Aufgaben zu übernehmen.
Was gilt es dabei zu tun? war die Frage der jungen Leute. »Gruppen betreuen«, lautete die einfache Antwort von Heiderose Riefler. Was das genau heißt, erfuhren die Mentoren am Freitagnachmittag um 13 Uhr im Neuen Schloss in Stuttgart. Walter Pfohl, Referent für Schulmusik im Kultusministerium, und seine Assistentin Adelheid Kramer baten die Youngsters zum Helfertisch. »Eure Aufgabe wird es sein, die vielen Musikgruppen rechtzeitig zu ihrem Auftrittsort zu bringen«, erklärte Pfohl. Gut dreitausend geladene Gäste würden sich später in den Räumen drängen, da müssten die auftretenden Gruppen immer auf Schleichwegen zu den verschiedenen Stationen begleitet werden.
Wo geht's zur Kantine?
Was sich so einfach anhörte, war aber beileibe kein leichtes Unterfangen. Foyer Marmorsaal, Marmorsaal, Oberes Foyer Kultusministerium, Weißer Saal, Speisesaal, Runder Saal, Foyer Weißer Saal, Unteres Foyer Kultusministerium und dazwischen die interne Kantine, in der sich die Gruppen ohne lange Warteschlangen verköstigen sollten. »Wie soll ich je das alles finden.« Bei Maike Feucht, die sich selbst als Orientierungschaotin bezeichnet, wuchsen die Zweifel.
»Das kriegen wir schon hin«, sagte Sabrina Pissors und lachte da noch. Doch schon als sie den zwölfseitigen Ablaufplan erhielt, wurde es auch dem Rest der Gruppe mulmiger. »Wieso sind die Zeiten auf dei Minute genau angegeben?« fragte ein Mädchen. »Das sind so genannte Inspizientenpläne, wie etwa bei einem Musical«, wies Pfohl darauf hin, dass dieser Ablauf wirklich exakt eingehalten werden sollte.
Dann machte sich Adelheid Kramer mit der Gruppe auf Erkundungstour durch das Schloss. Treppe rauf, links herum, durch einen Gang, Treppe wieder runter, rechts herum - gut eine halbe Stunde waren sie unterwegs. »Wo war die Kantine noch mal?« Danach waren ein paar der jungen Leute schon ziemlich verwirrt. Wichtig sei es vor allem, die Ruhe zu bewahren, meinte Pfohl nach der Besichtigung, der Rest käme von alleine. »Seid vorsichtig mit Alkohol, der macht weiche Knie und dumm im Kopf«, bat Pfohl zum Schluss des Vorbereitungsgesprächs. Dann teilte er die Mentoren ihren Gruppen zu. »Ich brauche noch jemand, der stark ist und auch nach drei Kilometern durchs Haus nicht schlapp macht«, fragte Pfohl und blickte in die Runde und ernannte Mathias Leippert zu seinem Assistenten. Dann warf sich die Truppe in Gala-Schale und los ging's.
Warten auf den Gastgeber
Nach zwei Stunden herrschte immer noch das Chaos in den Schlossräumen. »Eine Gruppe, die wir eigentlich empfangen sollten, ist nicht gekommen, dafür eine Gruppe, die gar nicht angemeldet ist - und was jetzt?« Ratlos blickten Sabrina und Maike umher. Doch die mit Funkgeräten ausgestatten Hauptorganisatoren waren nicht weit und Hilfe somit in Sicht. »Die Beine tun mir langsam weh«, meinte Mathias gegen 21 Uhr nach jeder Menge Treppenstufen. Als nach 22 Uhr der Ministerpräsident in den Weißen Saal kam, war es die Gelegenheit für die Mentoren, sich mit dem Gastgeber zu unterhalten, der gleich launig mit den Kids ins Gespräch kam.
»Na, welche der Damen ist die deines Herzens«, fragte der Ministerpräsident Mathias. Als dieser meinte, er sei gerade solo, aber die »kleine Blonde« links vom Ministerpräsidenten würde ihm gefallen, gab es für Oettinger kein Halten mehr.
Er schnappte den jungen Mentor am Arm und machte ihn mit der Durbacher Weinprinzessin Adrienne und ihrer Assistentin Anne bekannt. »Dran bleiben«, sagte Oettinger noch lächelnd und schon war er wieder in der Menschenmenge verschwunden.
Erst nach 23 Uhr war der Dienst für die jungen Leute beendet. Jetzt konnten sie sich endlich ins Gewühl stürzen, tanzen und einfach Gast sein. Begeistert waren alle am Ende der langen Nacht. »Das wollen wir nächstes Jahr auf jeden Fall wieder machen«, hoffen sie auf eine erneute Einladung. (GEA)
Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.