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Leute  - Der Eninger Armin Flohr ist neuer Präsident des Württembergischen Landesverbandes der DLRG

Armin Flor ist neuer Präsident des DLRG-Landesverbandes

VON ANKE LEUSCHKE

ENINGEN/STUTTGART.»Früher bin ich für eine Abteilung zuständig gewesen, jetzt bin ich Marktleiter«, sagt der neue Präsident des Württembergischen Landesverbandes der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), der gern das Bild vom Supermarkt bemüht, um sein neues Ehrenamt zu beschreiben. Im November trat der Eninger die Nachfolge des im März 2016 verstorbenen Bruno Bietz an.

FOTO: Anke Leuschke
Fast sein ganzes Leben hat Flohr der DLRG gewidmet. »Das kommt von innen«, antwortet er auf die Frage nach der Motivation. Die große Kameradschaft in der DLRG-Familie sei eine wichtige Antriebsfeder, ebenso wie die Momente einer geglückten Rettung. An ein Ereignis erinnert sich Flohr besonders: In seiner Jugend hat er beim Wachdienst im Meersburger Strandbad ein Kind gerettet und medizinisch versorgt – »für mich persönlich ein entscheidendes Ereignis«.
»Schwimmen zu können ist die beste Lebensversicherung«
 

Im Eninger Freibad war Armin Flohr schon als Kind von den Wachgängen der Bademeister fasziniert. Ein Problem bei der Abnahme zum Rettungsschwimmabzeichen im Reutlinger Hallenbad, bei dem er das Opfer war, brachte Flohr im Alter von elf Jahren – 1980 – zur DLRG. »Da muss ich hin«, sagte er sich damals. Es folgte die Ausbildung zum Rettungsschwimmer, mit ersten Diensten im Eninger Freibad. Seit jeher faszinierte ihn besonders die technische Seite. So kam er zum ersten Funklehrgang des DLRG-Bezirks Reutlingen. »Wasserrettung mit vier alten Funkgeräten, einem umgebauten VW-Bus und einem gespendeten Schlauchboot«, erinnert sich Flohr. »Das waren die Anfänge«. Damals nutzten Taucher noch ihre Privatausstattung.

1987 übernahm der gelernte DiplomVerwaltungswirt den Funkbereich im Bezirk Reutlingen. 1992 wurde er technischer Leiter Einsatz, zuständig für den Landkreis Reutlingen, später auch für Tübingen. Wie die Bergrettung gehört der Wasserrettungsdienst zum Sonderrettungsdienst. Bei einem Wasserrettungseinsatz gehe es meistens um alles oder nichts, meint Flohr. Etwa zehn Einsätze hat die Reutlinger Rettungswache durchschnittlich im Jahr. Bei Notlagen in und auf dem Gewässer werde die DLRG alarmiert, »wenn der reguläre Rettungsdienst nicht an den Verletzten herankommt«.

Neun Jahre lang war Armin Flohr auch stellvertretender Einsatzleiter beim Landesverband, bis er von 2004 bis 2013 zum Vizepräsidenten aufrückte. Vor vier Jahren hat der Eninger zunächst zurückgesteckt, weil er zusätzlich beim Bundesverband für die öffentliche Gefahrenabwehr zuständig war – angesichts der Hochwasserfälle der vergangenen Jahre eine aufreibende Aufgabe. 2002 packte Flohr beim großen Elbehochwasser im sächsischen Torgau mit an. »Damals dachte man, schlimmer kann es nicht kommen«, erinnert sich der Retter. Doch die Katastrophen von 2013 seien schlimmer gewesen, vor allem mit Blick auf die existenziellen Schäden.
»Kompetenz, Humanität und Verantwortung«
 

2016 sei ein schwarzes Jahr für Württembergs DLRG gewesen, so der 48-Jährige rückblickend. Der langjährige Präsident Bruno Bietz starb unerwartet nach einem Feuerwehreinsatz. Zwar hatte sich Flohr 2013 für die Praxis entschieden, doch entschloss er sich nun, Verantwortung für den über 60 300 Mitglieder starken Landesverband zu übernehmen. Deshalb habe er sein Engagement für den Reutlinger Bezirk beendet. »Mein Herz schlägt schon für die Technik«, sagt der Präsident mit etwas Bedauern. Doch müsse er das große Ganze im Auge behalten.

Dabei sei neben der Wasserrettung der Schwimmunterricht einer der wichtigsten Bereiche. »Das Schwimmenkönnen ist die beste Lebensversicherung«, unterstreicht Flohr. Deshalb sei es ein großes Anliegen, das Schwimmen an den Schulen zu fördern. Eine Vielzahl der Grundschüler könne heute nicht schwimmen, beklagt er – in Regionen ohne Bäder beispielsweise bis zu 60 Prozent. Dort, wo es Übungsbecken gebe, sei die Quote besser. Umso wichtiger ist für ihn, dass die Infrastruktur erhalten wird: Wer Bäder schließt, müsse sich im Klaren sein, dass das Menschenleben kosten könnte.

Weitere wichtige Themen sind die Verbandskommunikation und die Jugendarbeit. Knapp 60 Prozent der Mitglieder sind Jugendliche, die gelte es zu motivieren, sich den Aufgaben von morgen zu stellen. Wichtige Einrichtungen seien deshalb Ausbildungszentren wie in Betzingen. Hier werden auch Schwimm- und Tauchlehrer sowie die Bootsführer weitergebildet. »Die Finanzierung ist ein Dauerthema«, sagt Flohr. Da die DLRG eine sogenannte NGO – Nichtregierungsorganisation – ist, finanziere sie sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Viele Mitglieder greifen deshalb bei Wartungs- und Reparaturarbeiten zu.

»Kompetenz, Humanität und Verantwortung«, sei über viele Jahre das Motto der DLRG-Bundesversammlung. »Seit dem 20. November glaube ich es zu verstehen und habe das auch zu meinem Motto gemacht«, sagt Flohr. (GEA)

www.wuerttemberg.dlrg.de



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