Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Frauenpower - Die Eningerin Gabi Rall ist nicht nur im Beruf, sondern auch im Ehrenamt mit Leib und Seele dabei

»Da darf man nicht aus Zucker sein«

Von Magdalena Kablaoui

ENINGEN. »Bei allem, was ich tue, bin ich mit Leib und Seele dabei.« Ob als Sozialpädagogin, Zimmerin, Posaunistin oder GAL-Gemeinderätin. Für das, was Gabi Rall wichtig ist, setzt sie sich voll ein. So wie für den Ortsjugendring, zu dem sie als 17-Jährige wenige Jahre nach seiner Gründung gestoßen ist und in dem sie heute noch aktiv ist. Als Delegierte der evangelischen Kirchengemeinde war sie zeitweise im Vorstand tätig, absolvierte den praktischen Teil ihrer Ausbildung zur Sozialpädagogin beim Ortsjugendring und bekam anschließend hier auch eine ABM-Stelle. Sie war eine der Initiatorinnen für den Hausi-Treff und organisierte Studienfahrten nach England und Frankreich.

Musikalisch, engagiert und bereit, Stellung zu beziehen, wenn sie was ärgert. Die Zimmerin Gabi Rall leitet seit 2008 den Eninger Posaunenchor. FOTO: KABLAOUI
Musikalisch, engagiert und bereit, Stellung zu beziehen, wenn sie was ärgert. Die Zimmerin Gabi Rall leitet seit 2008 den Eninger Posaunenchor. FOTO: Magdalena Kablaoui
Insgesamt arbeitete sie mehr als fünf Jahre hauptamtlich beim OJR, seither ehrenamtlich. Noch im letzten Jahr hat sie eine Woche Ferienprogramm gestaltet. »Der Ortsjugendring ist mir ans Herz gewachsen«, erklärt die gebürtige und in der Gemeinde unter der Achalm seit Generationen verwurzelte Eningerin. Es sei eine sinnvolle Sache und werde inzwischen auch durch die Gemeinde unterstützt. Das war nicht immer so. Hart sei beispielsweise der zermürbende Kampf ums Toilettenhaus auf der Eiferthöhe gewesen. »Wir waren alle engagiert und haben immer bloß eine aufs Dach bekommen. Das war nicht so schön.« Heute sei die Unterstützung, aber auch die Wertschätzung eine andere.

Farbe bekennen

Im Gemeinderat saß Rall, die im Jahr 2000 eine Ausbildung zur Zimmerin begann, von 1994 bis 1999. Die GAL habe damals Kandidaten für ihre Liste gesucht und sie habe mitgemacht, aber nicht ernsthaft damit gerechnet, gewählt zu werden. Doch statt der bisherigen zwei Plätze gab's für die GAL damals drei Plätze im Eninger Gemeinderat: Gabi Rall war mit 28 Jahren die damals jüngste Gemeinderätin Eningens.



Jugendarbeit sei in dieser turbulenten Zeit ihr Hauptthema gewesen, erzählt Gabi Rall. Zum Beispiel die Forderung nach einer Jugendsozialarbeiter-Stelle. Vieles habe sie damals mit dem ehemaligen Bürgermeister Jürgen Steinhilber ausgefochten. »Es hat sich was bewegt«, freut sich Rall heute angesichts von zwei Jugendsozialarbeitern in Eningen. Ein anderes Thema, das sie sehr umtrieb in dieser Zeit, sei die Nazi-Villa gewesen. »Es war mühselig, den Gemeinderat zu einer geschlossenen Resolution dagegen zu bewegen«, so die 45-Jährige. Die Fraktion habe unter anderem einen Fackelzug zur Villa organisiert. »Wir haben viel mobilisiert und Farbe bekannt«, so Gabi Rall.

Fehlende Transparenz

Doch das ständige Hickhack sei nicht ihre Welt gewesen: »Ich hab mich nicht mehr aufstellen lassen.« Jedoch sei der Gemeinderat für sie eine wichtige Erfahrung gewesen. Man bekomme dadurch ganz andere Einblicke in die Verwaltungsabläufe. Dass allerdings ein großer Teil der Gemeinderatssitzung nicht öffentlich ablief, dafür hatte sie kein Verständnis und bemängelte fehlende Transparenz.

In dem Jahr, als sie aus dem Gemeinderat schied, begann Gabi Rall an Chorleiterlehrgängen teilzunehmen. Zum Trompetenspielen kam sie mit zwölf Jahren durch eine Freundin, später wechselte sie zur Posaune. In den Musikverein durfte sie nicht, die Eltern erlaubten ihr jedoch, in den evangelischen Posaunenchor zu gehen. Ohnehin war Gabi Rall in der evangelischen Jugendarbeit engagiert, zunächst in der Kinderkirche, später in der Jungschar.

Chorleitung übernommen

Zunächst bildete der Chorleiter sie aus, später bekam sie Unterricht an der Reutlinger Musikschule, dann in der Eninger. 2008 übernahm sie die musikalische Leitung des Posaunenchors, in dem rund 20 Eninger aller Altersklassen musizieren. Aus traditionellen Posaunenchorstücken, aber auch aus vielen modernen Kompositionen besteht das Repertoire des Chors. Vor allem aber liegt der Chorleiterin daran, kontinuierlich Nachwuchs auszubilden. Und damit das professionell geschieht, bekommen die Jungbläser jetzt Unterricht von Musikschullehrern.

Natürlich proben die Jungbläser auch zusammen mit den »alten Hasen«. »Es ist eine Truppe, die gut harmoniert«. Deshalb verbringt Rall ihre Sonntagnachmittage damit, Chorliteratur zu sichten und Programme zu schreiben für die öffentlichen Auftritte der Bläser. Infiziert hat Rall, die mit ihrem Lebensgefährten Thomas Büttner in einem 300 Jahre alten, von ihr sorgfältig restaurierten Haus wohnt, in dem schon ihre Großmutter und deren Vorfahren lebten, mittlerweile auch ihn und ihre Geschwister. Freund Thomas spielt Posaune, Schwester Silvia Tuba, Schwester Andrea hat mittlerweile mit dem Flügelhorn-Spiel begonnen und der Bruder will nun Trompete lernen.

Anstrengende Arbeit

Was die Zukunft bringt? Gabi Rall will es auf sich zukommen lassen: »Ich plane nicht.« Ihr Engagement beim Posaunenchor will sie weiter betreiben, sich nach wie vor beim Ortsjugendring einbringen. Befragt nach ihrem für Frauen ungewöhnlichen Beruf lacht sie: »Da darf man nicht aus Zucker sein.« Und die anstrengende körperliche Arbeit ist für sie nichts Neues: »Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen.«

Ob sie sich vorstellen kann, auch kommunalpolitisch wieder aktiv zu werden? Da sei nichts geplant, so Rall, schränkt aber ein: »Man muss Stellung beziehen, wenn einen was ärgert.« Und wenn viele aufstehen, dann passiere auch etwas. (GEA)



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