Soziales - Tradition seit den 80er-Jahren: Vom 18. Oktober bis 19. November laufen die Metzinger Friedenswochen

Metzinger Friedenswochen unter dem Motto »Streit!«

VON ANDREAS FINK

METZINGEN. 12. November 1979: NATO-Doppelbeschluss. Eine neue Runde im atomaren Wettrüsten zwischen West und Ost. Die große Zeit der deutschen Friedensbewegung beginnt. Ein Kind davon: die Aktion »Schwerter zu Pflugscharen«. Das Teilzitat aus der Bibel (Micha 4,3) drückt in der Friedensbewegung der DDR das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion aus. Die westdeutsche Friedensbewegung übernimmt den Slogan, weil er so gut zum Hauptanliegen passt - und damit gleichzeitig die beiden Deutschlands verbindet.

Die evangelische Martinskirche  bildet  Hintergrund und Mittelpunkt der Metzinger  Friedenswochen. Hier findet auch der ökumenische  Abschlussgottesdienst am Volkstrauertag (19.?November) statt. Im Bild  (von links) Karin Berkemer, der  evangelische  Pfarrer Andreas Stiegler und die katholische  Pastoralrefentin Barbara Schmitt-Feuchter.
Die evangelische Martinskirche bildet Hintergrund und Mittelpunkt der Metzinger Friedenswochen. Hier findet auch der ökumenische Abschlussgottesdienst am Volkstrauertag (19. November) statt. Im Bild (von links) Karin Berkemer, der evangelische Pfarrer Andreas Stiegler und die katholische Pastoralrefentin Barbara Schmitt-Feuchter. FOTO: Andreas Fink
Aktiv in der Friedensbewegung waren von Anfang auch beide Kirchen - evangelische wie katholische Christen. So gesehen war »Schwerter zu Pflugscharen« die Geburtsstunde der ökumenischen Friedensdekade. Die Metzinger waren von Anfang an dabei. Vom 18. Oktober bis zum 19. November ist es wieder so weit. »Streit!« sind die sechs Veranstaltungen in Metzingen überschrieben, die der Arbeitskreis Frieden wieder auf die Beine gestellt hat.

Schwerter zu Pflugscharen

»Wir planen die Veranstaltung schon seit März, April«, sagen Andreas Stiegler, Pfarrer im Neugreuth, der die evangelischen Kirchen der Stadt vertritt, und die katholische Pastoralreferentin Barbara Schmitt-Feuchter. Die Friedensdekade, die sich im Metzinger Fall nicht über 10, sondern über 33 Tage erstreckt, beginnt mit einem echten Kracher: »Ein deutscher Arzt kämpft seit 30 Jahren für die Kinder Afghanistans«, hat Dr. Reinhard Erös seinen Vortrag am Mittwoch, 18. Oktober, in der Medienakademie überschrieben. Der vielfach ausgezeichnete Entwicklungshelfer und Oberstarzt a. D. der Bundeswehr betreibt seit 1998 zusammen mit seiner Frau Annette und seinen fünf Kindern die Kinderhilfe Afghanistan. In Metzingen erklärt er, warum man mit militärischer Gewalt keinen Frieden erzwingen kann.

»90 Minuten - bei Abpfiff Frieden« heißt die deutsch-israelische Politsatire, die am Sonntag, 22. Oktober, im Luna-Filmtheater gezeigt wird. Der israelische Regisseur Eyal Halfon spinnt darin die Idee, dass der Nahostkonflikt mittels eines Fußballspiels ausgetragen wird - irgendwo auf neutralem Gebiet in Portugal. Der Regisseur verspricht mit seinem Kinofilm »ein bisschen Spaß und etwas Verständnis für die Komplexität unseres furchtbaren Konflikts«.

Andreas Zumnach», der UNO- und Schweiz-Korrespondent der »taz«, spricht am Dienstag, 7. November, in der Medienakademie über das Thema »Krieg oder Diplomatie?« In seinem Vortrag geht er der Frage nach, wie internationaler Streit und Konflikte ausgetragen werden sollten. Der Metzinger Diplom-Psychologe Axel Promies spricht am Mittwoch, 15. November, in der Volkshochschule über das Thema »Zivilcourage - Rettung aus der Not?« Sein Vortrag läuft in Kooperation mit der Ehrenamtsakademie und der VHS Metzingen-Ermstal.

Ökumene zum Abschluss

In der Aula des Metzinger Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums gibt's am Samstag, 18. November, das Theaterstück »Lysistrata« zu sehen - ein Gastspiel des Theaterensembles »WannDelbar« aus Wannweil und der Band »Rockblokk«. In der humorvoll-poetischen Theatersatire mit Rockmusik und wandelbaren Objekten geht es um nichts anderes als die Frage, wie ein Krieg beendet werden kann. Ihn Pause bewirten der Weltladen und der AK Asyl. Mitveranstalter ist bei diesem Abend der Veranstaltungsring Metzingen.

Zentrale Abschlussveranstaltung ist der ökumenische Gottesdienst am Sonntag, 19. November, in der evangelischen Martinskirche. Traditionell findet er am Volkstrauertag statt. Eine Mahnung an das, was passiert, wenn Konflikte mit einem Krieg »gelöst« werden. (GEA)

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