Traumtour - Stahlstele, Steinreliefs, Skulpturen und ein umstrittener Pferdehintern auf dem Metzinger Rad-Kunst-Weg

Kunstsinnige Radler in Metzingen unterwegs

VON ALINA VEIT

METZINGEN. Das Fahrrad ist das überlegene Fortbewegungsmittel, da ist sich Frank Riedel von der Initiative Critical Mass Reutlingen sicher. Es macht keinen Lärm, dafür aber fit und verbraucht wenig Platz und keinen Treibstoff.

Die »Kunstradler«, die auf Einladung von ADFC und GEA auf Tour  waren,  neben  Konrad Schlipfs »Rotem  Pferd« in Neuhausen.
Die »Kunstradler«, die auf Einladung von ADFC und GEA auf Tour waren, neben Konrad Schlipfs »Rotem Pferd« in Neuhausen. FOTO: Veit Müller
Außerdem ist das Fahrrad ein geeigneter Begleiter, um Kunst Open Air zu erleben. Das wurde am Sonntag bei der jüngsten »Traumtour« im Fahrrad-Jubiläumsjahr deutlich. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und der GEA hatten eingeladen, den »Metzinger Rad-Kunst-Weg« unter die Räder zu nehmen. Geführt von Susanne Kohler besuchte (eine wohl ferienbedingt eher kleine) Gruppe Interessierter auf ihren Drahteseln die in der Umgebung verteilten Kunstobjekte und nahm sie genauestens in Augenschein. Startpunkt war auf dem Bahnhofsplatz in Metzingen, wo die rostige Stahlstele Gert Riels in den Himmel ragt. Diese wurde 1986 zum 100-jährigen Jubiläum der Stadtwerke aufgestellt und symbolisiert passend dazu laut Kohler »Strom, Stahl und Spannung in der Stadt«. Der Platz soll umgestaltet werden, und das Zukunftsteam um Gertrud Kleineikenscheidt möchte sich dabei um mehr Radständer bemühen. Geplant sind praktische Fahrradbügel in U-Form direkt neben der Stahlplastik - wie jene an der Kreuzung Öschweg und Noyonallee - statt der bekannten »Vorderradklemmer« oder »Speichenkiller«, wie eine Radlerin sie nennt. »Wenn ich schon mit dem Fahrrad unterwegs bin, dürfte ich schon auch bevorzugt behandelt werden«, findet Kleineikenscheidt. Daher soll es mehr und direkt zugängliche Abstellmöglichkeiten überall in der Stadt geben. Vielleicht würden Besucher der Volkshochschule dann nicht mehr die »Drei Stelen«-Skulptur vor dem Haus als Fahrradständer nutzen, wie Kohler erzählt. Die bunt bemalten Balken aus Robinienholz erinnern an die Fachwerkbauten der Stadt und entstammen der Metzinger Initiative »Kunst in der Werkstatt integrativ«, KiWi.

»Strom, Stahl und Spannung in der Stadt«
 
Weiter ging die Tour nach Neuhausen zum berüchtigten »Roten Pferd« von Konrad Schlipf vor den Keltern. Eigentlich ist es ein Pferdehinterteil, das seinen Schweif Richtung Eisenbahngleise reckt; das war ein Kompromiss zwischen Neuhäusern und Metzingern, denn keiner wollte die Kehrseite des Tieres dem eigenen Ortskern zugewandt wissen. Auch an den Keltern findet sich Kunst in Form der schönen Steinreliefs mit Zitaten aus der Ortlieb-Chronik. Darin wird die Stadt am Fuße des Weinbergs von dem Zwiefaltener Mönch als »Schlaraffenland« beschrieben. Daran hat auch die örtliche Trinkkultur ihren Anteil, verewigt in der gusseisernen Skulptur des »Neuhäusener Büttenträgers« von Kurt Grabert, der ein junges Paar bei der Weinernte zeigt, und am Äpfelesbrunnen am alten Rathaus, abermals von Konrad Schlipf, der auf den typischen Apfelsaft und Most der Gegend verweist. Die entspannte Tour führte noch zur versteckt liegenden »Stabhalter«-Skulptur Schlipfs, die auf dem Grund der früheren Stadthalterei steht und die Gerichtsbarkeit des Schultheiß symbolisiert, vorbei an der großen Steinskulptur am Verkehrsübungsplatz Richtung Otto-Dipper-Stadion, wo die Fußball-Skulptur von Michael Klebs seit dem Sommermärchen 2006 auf dem Kreisverkehr thront. Bis ins Neugreuth ging es zum »Aquamobil«-Wasserspiel, das momentan allerdings nicht in Betrieb ist. (GEA)

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