Medizin - An der Ermstalklinik Bad Urach wird es nach der Schließung der Geburtenhilfe und der Nachtambulanz Ende 2018 einen weiteren Einschnitt geben

HNO-Belegabteilung der Ermstalklinik bald zu

VON RALF RITTGEROTH UND MARKUS PFISTERER

BAD URACH. Die Hals-Nasen-Ohren-Belegabteilung der Ermstalklinik Bad Urach wird nur noch bis Ende 2018 geöffnet sein. Das verheißt eine befristete Betriebsgenehmigung des Stuttgarter Sozialministeriums. Dieser vorausgegangen sind Verhandlungen zwischen den Kreiskliniken Reutlingen, zu denen die Ermstalklinik gehört, und den zuständigen Krankenkassen. In einem Jahr müssen die fünf Uracher Belegbetten geräumt sein. Anschließend werden HNO-Patienten an der Ermstalklinik nur noch ambulant behandelt. Menschen, die stationärer Aufnahme bedürfen, müssen dann den Weg ins Klinikum am Steinenberg in Reutlingen auf sich nehmen.

Einschnitte in einigen,  Ausbau in anderen Fachgebieten: Die Ermstalklinik in Bad Urach steht für beides.
Einschnitte in einigen, Ausbau in anderen Fachgebieten: Die Ermstalklinik in Bad Urach steht für beides. FOTO: Uschi Pacher
Die jetzige Entscheidung aus Stuttgart hat in der Region ein ganz unterschiedliches Echo ausgelöst. »Ich hatte mir mehr erhofft«, sagt Dr. Andy Weidner, der Belegarzt der Uracher HNO-Abteilung, »es ist eine unbefriedigende Situation.« Als er die Abteilung bedroht sah, sammelte Weidner »einige Hundert Unterschriften. Doch wir sind mit unseren Argumenten nicht durchgedrungen.« Deshalb denkt der Facharzt auch nicht, dass es nach Ende 2018 eine erneute Fristverlängerung für die auf der Kippe stehende Klinik-Abteilung geben wird. »Ich glaub nicht, dass eine neue Aktion noch mal was bewegen würde.« Ursprünglich war sogar Ende 2017 als Deadline im Gespräch gewesen. Die zumindest ist vom Tisch.

Ein Hauptargument für Weidner und die Mitunterzeichnenden war, »dass es für viele Patienten der Abteilung Neurophase B wichtig ist, dass ein HNO-Arzt für sie da ist«. Zum Beispiel für solche, die nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma beatmet werden müssen oder Schluckprobleme haben und sehr pflegebedürftig sind. Der Belegarzt könnte bei Bedarf nach ihnen sehen, sie beraten, zusätzlich zu den Operationen, die er ausführen darf.

»Wir haben Millionen in die Ermstalklinik investiert«
 

»Auch die Ambulanz hat einen recht hohen Stellenwert«, betont Weidner mit Blick auf die in der Ermstalklinik verbleibenden HNO-Behandlungsmöglichkeiten, die er selbst weiterhin wahrnehmen darf. Der Arzt spricht von etwa 150 ambulant behandelten und 100 stationär aufgenommenen Patienten im Jahr.

Bedeutet die Schließung der Uracher HNO-Belegabteilung wie zuvor schon die der Geburtenhilfe und der - schwach frequentierten - Nachtambulanz einen Rückzug der Ermstalklinik auf Raten? Soweit will Weidner nicht gehen: »Im konservativen (nicht-operativen, d. Red.) Bereich ist die Klinik ausgebaut worden.« Durch die Neurophase B genauso wie in der Altersmedizin.

Diese Pfunde legt auch Eckhard Zieker, Pressesprecher der Kreiskliniken Reutlingen, auf die Waage. Er sagt im Gespräch mit dem GEA, es sei ein Erfolg, dass die HNO-Abteilung in der Ermstalklinik ein weiteres Jahr fortgeführt werde. Denn der Bedarfsplan des zuständigen Sozialministeriums in Stuttgart habe zunächst nicht vorgesehen, dass es neben der HNO-Abteilung im Kreisklinikum Reutlingen weiterhin eine zweite in Bad Urach geben sollte. Dass die Uracher Abteilung Ende 2018 geschlossen werde, bedeute auf keinen Fall einen Rückzug auf Raten der Ermstalklinik. Das Gegenteil sei der Fall: »Wir haben Millionen in die Ermstalklinik investiert und wollen weiter investieren.« Zuletzt habe die Klinik ein neues Computertomografie-Gerät erhalten.

Zudem habe sich der Schwerpunkt Altersmedizin zu einem echten Zugpferd für die Ermstalklinik erwiesen. Alle drei Kliniken, Reutlingen, Bad Urach und Münsingen schrieben im Verbund schwarze Zahlen und seien erfolgreich. Die aktuelle Entscheidung bedeute nicht, dass die Menschen im Ermstal ab dem Jahr 2019 eine geringere medizinische Versorgung hätten. Es sei nur ein etwas weiterer Weg zum Kreisklinikum in Reutlingen: »Fahrzeit etwa 17 Minuten«, so Eckhard Zieker. (GEA)

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