Beratungsdienst - Seit zwanzig Jahren wird in Metzingen Menschen geholfen, die eine Krise bewältigen müssen

Hilfe, wenn die Seele leidet: 20 Jahre Beratungsstelle

VON THOMAS FÜSSEL

METZINGEN.Menschen in der Krise, Menschen, die nicht mehr weiterwissen. Wer nicht zum Psychologen wollte, wandte sich an den Pfarrer, um unverbindlich über seelische Probleme zu sprechen. Doch die haben kaum die Möglichkeit, neben ihrer normalen seelsorgerischen Arbeit, Betroffene über einen längeren Zeitraum zu begleiten.

GEA-FOTO: FÜSSEL
GEA-FOTO: FÜSSEL
Vor zwanzig Jahren wurde deshalb in Metzingen vom damaligen Krankenpflegeverein der Seelsorge- und Beratungsdienst gegründet, nachdem sich gezeigt hatte, dass der Bedarf nach solchen Gesprächen immer weiter zunimmt. Egal welcher Konfession, hier kann sich jeder melden, dem etwas auf die Seele drückt.

Heute befindet sich die Beratungsstelle im Haus Matizzo in der Christophstraße, ein Haus, das eng mit dem Namen Timmo Hertneck in Verbindung steht, dem damaligen Pfarrer der Martinskirchengemeinde. Beides hat er mit angestoßen, den Beratungsdienst und das Haus Matizzo, unter dessen Dach sich viele Selbsthilfegruppen finden, ein Haus, das landesweit Vorbildcharakter genießt, das heute vom Diakonischen Förderverein getragen ist.

Wege zum Leben eröffnen

Am Sonntag, 23. April, kehrt Timmo Hertneck als Dekan aus Waiblingen zurück nach Metzingen: Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Seelsorge- und Beratungsdienstes hält er um 9.30 Uhr in der Martinskirche die Predigt. Übrigens: Auch das Haus »Wim« in Neuhausen, das es behinderten Menschen möglich macht, weiter in der Nähe ihrer Angehörigen zu leben, ist auf seine Initiative zurückzuführen.

Und noch ein Name muss in diesem Zusammenhang genannt werden: Manuela Seynstahl. Zusammen mit Renate Bahnmüller und Barbara Fischer hat sie damals eine entsprechende Ausbildung gemacht, die sie befähigt, in der Lebensberatung tätig zu sein. Seynstahl ist heute zudem die Geschäftsführerin des Hauses Matizzo. Sie koordiniert dort die unterschiedlichen Gruppen und pflegt ein großes, für diese Arbeit unabdingbar notwendiges Netzwerk. Sie ist das Gesicht des Hauses, das für viele Menschen erste Anlaufstelle ist.

Wer nicht weiß wohin, geht zunächst ins Haus Matizzo: Nach häuslicher Gewalt, bei Depressionen, nach Todesfällen. Die Mitarbeiter des Seelsorge- und Beratungsdienstes hören zu, helfen weiter so gut sie es können, oder vermitteln die Betroffenen an Fachleute. Und häufig hat sich gezeigt, dass der Pfarrer nicht für jeden der passende Ansprechpartner ist. »Viele befürchten, dass das Gespräch ins Religiöse abgleitet«, erklärt Martin Winter, Pfarrer der Martinskirche, der ebenfalls im Seelsorge- und Beratungsdienst tätig ist. »Dabei nehmen wir die Menschen so an, wie sie sind – mit allem, was sie mitbringen.« Laut Winkler geht es darum, »Wege zum Leben zu eröffnen«.

Der Seelsorge- und Beratungsdienst umfasst vieles. Trauerbegleitung genauso wie Kunsttherapie oder die Notfallseelsorge, die kreisweit vom Haus Matizzo aus koordiniert wird. Von Manuela Seyn-stahl, die selbst immer wieder im Einsatz ist: Sie begleitet Polizisten, wenn die eine Todesnachricht überbringen müssen, sie steht Schwerverletzten und Sterbenden zur Seite, betreut Angehörige nach Reanimation oder Suizid. Eine Aufgabe, die im Kreis überwiegend Pfarrer leisten, aber auch Männer und Frauen wie Manuela Seynstahl. Eine Arbeit, die sehr anstrengend sein kann, wie sie einräumt. »Ich bekomme aber mehr zurück, als ich gebe.«

Individuelle Lösungen

Im Haus Matizzo werden Beziehungskrisen ebenso aufgearbeitet wie allgemeine Lebensberatung und -begleitung geboten. Hier werden Glaubens- und Lebensfragen, Identitäts- und Sinnkrisen bearbeitet, Konfliktmanagement und Stressbewältigung betrieben sowie Abschieds- und Trauerprozesse begleitet.

»Manche Unternehmen haben uns auch in ihr betriebliches Gesundheitsmangement aufgenommen«, erklärt Manuela Seynstahl weiter. So gab es eine Klientin mit Prüfungsangst, die ihr im Haus Matizzo genommen wurde. »Das ist natürlich alles anonym.«

Das erste Gespräch ist kostenlos. Für jede weitere Beratungsstunde wird ein Obolus verlangt. Doch scheitern soll die Beratung an den Kosten nicht. »Wir finden eine individuelle Lösung.« (GEA)

07123 9102024www.haus-matizzo.de



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