Auszeichnung - Dettingen verleiht dem Naturwissenschaftler Rolf G. Werner die Ehrenbürgerwürde

Ein Pionier der Gen- und Biotechnik

VON THOMAS FÜSSEL

DETTINGEN. Er ist Wissenschaftler, war in der Industrie tätig und gilt weltweit als führender Experte auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von therapeutischen Proteinen. Er hat die ersten gentechnisch hergestellten Biopharmazeutika entwickelt, neue Antibiotika entdeckt, in Thailand gelehrt und in China Produktionsanlagen gebaut. Er ist einer der Pioniere im Bereich der Gen- und Biotechnik in Deutschland. Und: Er stammt aus Dettingen.

FOTO: Thomas Füssel
Jetzt wurde Professor Dr. Dr. Rolf G. Werner die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Dettingen verliehen.

Werner ist in der Welt der Wissenschaft bekannt, »doch in Dettingen hat man das nicht so richtig registriert«, sagte Bürgermeister Michael Hillert zur Begrüßung der zahlreichen Gäste, darunter viele frühere Schulkameraden und Wegbegleiter des heute 70 Jahre alten Wissenschaftlers. Er, Hillert, sei ihm zwar schon einmal begegnet, »mir war aber nicht klar, wer da eigentlich vor mir steht«, räumte er ein.

Das hat sich inzwischen geändert. Offenbar von Freunden Werners wurde er auf dessen Leistungen aufmerksam gemacht, zum Beispiel von Siegfried Schlecht, dem Seniorchef des Rössles. »Daran erkenne ich, dass Sie ab und zu im gleichen Lokal einkehren wie ich«, sagte Rolf Werner, der es trotz weltweiter Verpflichtungen immer wieder geschafft hat, sich dort vierteljährlich mit alten Schulkameraden zu treffen, seine Stammwirtschaft, wo er, so der Wissenschaftler weiter, jedes Mal ein »Stück Heimat« finde.
»Daran erkenne ich, dass Sie ab und zu im gleichen Lokal einkehren wie ich«
 

Die Laudatio hielt Eberhard Stanger, der Vorsitzende der BKK-Krankenkasse in Metzingen, der zusammen mit Werner in Dettingen aufgewachsen ist. Stanger erinnerte an dessen Biologielehrer, der Werner so geprägt habe, dass er in Tübingen Mathematik, Physik, Organische Chemie, Biochemie und Mikrobiologie studierte. Später ging er ans Frauenhofer-Institut nach Berlin, arbeitete am Massachusetts Institute of Technology, bevor er in die Industrie wechselte und zu Boehringer Ingelheim ging, wo er zunächst Abteilungsleiter der biotechnischen Produktion wurde, später saß er im Aufsichtsrat.

Laut Stanger hat Rolf Werner beim Verband der Chemischen Industrie dazu beigetragen, ein »akzeptables Gentechnikgesetz in Deutschland zu schaffen«, ein Gesetz, ohne das Investitionen in die biotechnische Produktion von Arzneimitteln nicht möglich gewesen wären. Professor Werner, so Stanger weiter, könne stolz darauf sein, ein Stück Geschichte der Gen- und Biotechnik in Deutschland mitgeschrieben zu haben. Zudem zählte er zum engen Beraterkreis »Wirtschaft 2000« des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth.

»Es lag ihm immer daran, höher und weiter zu denken und neue Horizonte zu entdecken«, erklärte Eberhard Stanger. Zum Beispiel an der Chiang Mai Universität in Thailand, wo er seine Lehrtätigkeit nutzte, einen wissenschaftlichen Austausch mit der Universität in Tübingen aufzubauen.

In Bangalore in Indien und in Schanghai in China baute er im Auftrag von Boehringer Zellkulturanlagen auf. »Unter seiner Verantwortung«, so Stanger, »wurden mehr als zwanzig therapeutische Proteine und Antikörper entwickelt, produziert und weltweit registriert«, was einen Umsatz in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro nach sich gezogen habe.
»Es lag ihm immer daran, höher und weiter zu denken und neue Horizonte zu entdecken«
 

Zusammen mit Forschern aus San Francisco hat Werner ein Medikament entwickelt, das bei Herzinfarkt und akutem Schlaganfall eingesetzt wird. »Dies hat Millionen Menschen das Leben gerettet und ihre Lebensqualität signifikant verbessert«, sagte Eberhard Stanger anlässlich der Ehrung im Foyer des Dettinger Rathauses.

Über zehn Patente sind auf den Naturwissenschaftler Rolf Werner registriert. Neben seiner Arbeit in der Pharmaindustrie, ist es ihm zudem gelungen, weiterhin in Lehre und Forschung tätig zu sein, überwiegend an der Universität in Tübingen, die ihn 2012 zum Ehrensenator ernannte. Bei internationalen Kongressen ist er ein viel gefragter Redner. Zig Auszeichnungen hat er in aller Welt erhalten, in Österreich genauso, wie in Thailand, zu denen jetzt die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Dettingen hinzugekommen ist.

»Es ist mir eine besondere Ehre, diese Auszeichnung noch zu Lebzeiten erfahren zu dürfen«, sagte Dr. Dr. Rolf Werner, bevor er sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug. Selbstbewusst erklärte er weiter, dass Dettingen schon viele Persönlichkeiten hervorgebracht habe, die an besonderen Positionen tätig sind, »eine Führungsschicht mit unternehmerischem Denken«.

Musikalisch umrahmt wurde die kleine Feierstunde vom Holzbläserensemble der Musikschule Metzingen unter der Leitung von Julian Trieb. Ein kleiner Stehempfang schloss sich an. (GEA)

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