Neckar + Erms
Umwelt Naturschutzjugendlager des Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) auf dem Seeburger Hartberg

Der Natur auf die Sprünge helfen

BAD URACH-SEEBURG. Der Berg ruft. Steil wie ein Dach. Rutschig, weils vorher Bindfäden draufgeregnet hat. Voller Gestrüpp und Bäume. Muss alles weg. Erst mit Motorsäge oder -sense, dann mit Muskelkraft. Die Jugendlichen 26 Jungs, 17 Mädels packen das Reisig, ziehen es in Richtung Seilwinde oder wuchten es gleich zu einer der Feuerstellen, wo es vor Ort verbrannt wird. Ein Knochenjob. Abends gibts im Lager dann erst mal eine kalte Dusche.

»Heute Morgen ist die Truppe singend an meinem Haus vorbeigelaufen«, sagt Heinz Gnoyke. Der stellvertretende Ortsvorsteher von Seeburg ist ebenso beeindruckt von der Moral der Jugendlichen, wie vom Ergebnis ihrer Arbeit. Die Teilnehmer des Naturschutzjugendzeltlagers des Bundes Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) widmen sich in diesem Jahr dem Naturschutzgebiet »Hartberg« oberhalb des Bad Uracher Teilorts Seeburg. Die albtypische Wacholderheide, die hier mal stand, war vor lauter wuchernden Bäumen und Sträuchern fast nicht mehr zu erkennen.

»Heute Morgen ist die Truppe singend an meinem Haus vorbeigelaufen«



Am Samstag, wenn die 43 Jugendlichen mit ihren neun Betreuern wieder abziehen, sieht der Hang zwar noch etwas gerupft, aber wieder ansatzweise wie eine Heide aus. Die Jugendlichen haben der Natur auf die Sprünge geholfen. Zum 35. Mal hat der BNAN jetzt ein Jugendzeltlager dieser Art organisiert. Die Lager laufen immer zu Beginn der Sommerferien und dauern zwei Wochen. Der Standort wird dabei in der näheren Umgebung eines pflegebedürftigen Biotops gewählt, in dem dann regelmäßig die erforderlichen Pflege- und Naturschutzmaßnahmen laufen.

Die Freiwilligen schaffen viel, aber sie schaffen nicht alles: Der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums Tübingen unterstützt die junge Truppe im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Wenns um den Einsatz von Maschinen geht von der Motorsense bis hin zum schweren Schlepper müssen die Profis ran. Auf dem anderthalb Hektar großen Einsatzgebiet auf dem Hartberg ist der Pflegetrupp rund um Christoph Mauz fünf Mann stark vertreten.

Finanziell wird das Jugendzeltlager von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg und von der Tübinger Reinhold-Beitlich-Stiftung unterstützt. Dadurch müssen die Teilnehmer nur 70 Euro für das zweiwöchige Zeltlager hinlegen, für Mitglieder des BNAN werden 40 Euro fällig.

»Wir erfahren hier eine sehr gute Unterstützung«, sagt BNAN-Vorstandsmitglied Manfred Aichele (Reutlingen), »die Stadt Bad Urach hat uns geholfen, ganz besonders der Ortsteil Seeburg.« Angefangen bei Suche eines Platzes für das Zeltlager der Naturschutzverband ist im Fischburgtal fündig geworden bis hin zur Feuerwehr-Hilfe bei der Verlegung einer Frischwasserleitung. Zum Dank wurden die Bewohner heute Abend zu einem Abschluss-Grillabend ins BNAN-Zeltlager im Fischburgtal eingeladen.



»In einer Zeit der Billigflüge ist das eine Besonderheit und verdient Beachtung«

»35 Jahre Naturschutzjugendlager ist eine Bilanz und spricht dafür, dass sich die Einrichtung in ihrer Art bewährt hat«, sagt Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlicher Raum, die gestern in Seeburg Station machte. »In einer Zeit der Billigflüge und der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten ist das durchaus eine Besonderheit und verdient Beachtung.«

Schließlich gehe es bei einem Lager wie diesem nicht »nur« um die Natur, sondern auch um die Jugendlichen selbst. Hier gibts Lagerfeuerromantik in all ihren Facetten. Das heiße Feuer ebenso wie die unvermeidlich kalte Dusche. »Das verkürzt die Wartezeiten«, grinst Lagerleiter Abraham Ursch. So schlimm kanns nicht sein: »Ein paar gehen immer wieder im Fischbach baden«, sagt der 25-Jährige, der die Lager schon aus Teilnehmer-Zeiten kennt. Jugendzeltlager: Dazu gehören die schweißtreibenden Einsätze am Steilhang ebenso wie das Geländespiel und der Freibadbesuch. Die Kratzer am Arm vom Arbeitseinsatz am Tag ebenso wie die Hämatome am Hals vom Nahkampf in der Dämmerung. Integrales soziales Lernen. (GEA)

www.bnan.de

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