Verkehr - Nach zwei erneut schweren Unfällen gilt seit gestern Tempolimit 60 in der B 27-Baustelle bei Walddorfhäslach

B 27-Problembaustelle weiter entschärft

VON RALF RITTGEROTH

WALDDORFHÄSLACH. Viele Menschen in der Region schütteln nur noch den Kopf, wenn sie über die vielen Unfälle in der Baustelle der B 27 bei Walddorfhäslach sprechen. Bei einigen heißt sie insgeheim nur noch »Problembaustelle« oder auch »Alarmbaustelle«.

Hier wird?s besonders eng: An der Auffahrt Walddorfhäslach staut sich der Verkehr und das Einfädeln von der kurzen Beschleunigungsspur ist nicht ganz  einfach. FOTO: RITTGEROTH
Hier wird’s besonders eng: An der Auffahrt Walddorfhäslach staut sich der Verkehr und das Einfädeln von der kurzen Beschleunigungsspur ist nicht ganz einfach. FOTO: RITTGEROTH
Der Beschluss der Behörden stand schon Mitte der Woche fest: Tempolimit 60 kommt. Und im Laufe des Freitags sollten auf der gesamten 6,7 Kilometer langen Strecke die entsprechenden Schilder installiert werden. Kurz bevor das tatsächlich geschah, passierten dann doch noch zwei weitere schwere Unfälle in der Baustelle. In der Nacht zum Freitag fuhr zunächst ein 47-jähriger Autofahrer mit seinem VW-Sharan zu schnell in die Baustelle, prallte in die Betontrennwände in der Mitte und überschlug sich. Er kam schwerverletzt in eine Klinik. Wenig später krachte ein 50-jähriger Lastwagenfahrer mit seinem Lkw-Gespann ebenfalls in die Betontrennwand. Die B 27 war deshalb wieder einmal mehrere Stunden voll gesperrt, es kam zu Behinderungen im Berufsverkehr.

Damit sind allein seit dem 30. Oktober neun schwere Unfälle auf diesem Abschnitt der vierspurigen B 27 passiert, die längst eine Autobahn ist, und auf der täglich ungefähr 80 000 Fahrzeuge unterwegs sind. Es gab viele Leichtverletzte und jetzt den ersten Schwerverletzten. Die Blechschäden summieren sich insgesamt auf mehrere zehntausend Euro.

Durchgehende Tempolimits

Seit gestern laufen also die Veränderungen, die die Baustelle sicherer machen sollen. Dazu gehören neben der reduzierten Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 60 auch sogenannte Leitschwellen, die schon bald zu Beginn und an den Enden der Betontrennwände installiert werden sollen. Leitschwellen sind weithin sichtbare, gelbe und halbrunde Kunststoffelemente, die im Boden verankert und auch mit Baustellenbaken versehen werden können. Hinzu sollen regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen der Polizei in der Baustelle kommen.

Außerdem wird die Höchstgeschwindigkeit zwischen der Baustelle bei Walddorfhäslach und der nächsten bei Kirchentellinsfurt auf Tempo 50 reduziert. Bislang galt für Autofahrer, die von Tübingen in Richtung Stuttgart fuhren, zunächst Tempo 50 bei Kirchentellinsfurt und dann wieder Tempo 120 bis zur Baustelle bei Walddorfhäslach, wo jetzt wiederum Tempolimit 60 gilt. Demnächst gilt dort nur noch maximal Tempo 50 oder 60.

Viele Autofahrer, die hier regelmäßig unterwegs sind, haben auch ihre eigenen Rückschlüsse aus dem Unfallgeschehen gezogen. Auf der GEA-Facebook-Seite ist klar: Auto- und Lastwagenfahrer fahren schlicht zu schnell in und durch die Baustelle. So schreibt Matthias Schultz: »Warum passiert das? Ganz klar: Weil (fast) jeder der Schnellste sein will.« Auch Siegfried Frisch sieht es so: »Wer diese Baustelle kennt, weiß auch, dass dort viele mit nicht angepasster Geschwindigkeit fahren.« Alexander Müller schrieb als Kommentar: »Weil man halt den Abstand nicht einhält, zu schnell ist und einfach nicht Auto fahren kann.« Wie er sprachen sich GEA-Leser auch für die jetzt angekündigten Geschwindigkeitskontrollen der Polizei aus.

Zu viele fahren viel zu schnell

Aber es gab auch Kritik an der Baustelle und deren Aufbau. So bemängelt Michael Schwenker: »Entweder man macht komplett von Anfang bis Ende die Trennwände hin oder absolut keine.« Er befürchtet noch weitere Unfälle. Auch Anna Klasen sorgt sich: »Muss erst was Schlimmes passieren?« (GEA)

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