Abschied - Nach 13 Jahren verlässt Pfarrer Hartmut Dinkel Walddorfhäslach und wechselt nach Gomaringen

»Wir waren sehr glücklich hier«

VON VEIT MÜLLER

WALDDORFHÄSLACH. Der Abschied fällt Hartmut Dinkel nicht leicht. 13 Jahre lang war er der geschäftsführende Gemeindepfarrer in Walddorfhäslach. »Es war eine schöne Zeit. Wir waren sehr glücklich hier.« Diese Sätze gelten auch für seine Frau Ute. Auch sie hat in dem kleinen Ort im Unteramt viele persönliche Beziehungen aufgebaut, war verwurzelt hier. Aber: »Man soll gehen, wenn es am schönsten ist«, zitiert Dinkel ein altes Sprichwort. Das Pfarrhaus ist inzwischen leer geräumt, die Möbelpacker haben diese Woche die letzten Einrichtungsgegenstände abtransportiert.

Ein Abschied ist oft mit einem Neuanfang verbunden. Dies ist auch bei Hartmut Dinkel so. Er hört zwar in Walddorfhäslach auf, fängt aber nach einem zweiwöchigen Urlaub am 27. November in einer neuen Pfarrstelle an, in der evangelischen Kirchengemeinde Gomaringen Nord. Damit schließt sich für Dinkel auch ein Kreis. Er ist in dem kleinen Gomaringer Ortsteil Stockach aufgewachsen - »für Kinder ein Traum«. Und Stockach, wo noch seine betagte Mutter lebt, gehört jetzt auch zu seiner Gemeinde.

Wertvoller Kontakt mit Menschen

Ein Rückblick: Dinkel, der in Stuttgart, Tübingen und Erlangen Theologie und alte Sprachen studiert hat, wechselte 2004 von seiner ersten Pfarrstelle in Altdorf bei Böblingen ins Unteramt nach Walddorfhäslach. »Wir wurden hier sehr herzlich empfangen«, erinnert er sich. »Der Posaunenchor des CVJM trat zur Begrüßung in voller Stärke an.«

»Wir haben uns in Walddorfhäslach schnell eingewöhnt«, erzählt der Pfarrer. Die evangelische Kirchengemeinde in Walddorfhäslach sei eine sehr aktive Gemeinde, »viele tun mit, es ist eine Freude als Pfarrer hier zu arbeiten«. Das ehrenamtliche Engagement sei sehr gut.

Deshalb sei es für ihn auch weniger um den Aufbau einer Gemeinde gegangen, sondern mehr um die Begleitung der vielen Ehrenamtlichen und darum, Strukturen zu formen und zu lenken. Sehr gut und reibungslos sei auch stets die Vernetzung mit dem CVJM in Walddorfhäslach gewesen.

Was waren die wichtigsten Projekte in seiner Amtszeit? Da nennt er als Erstes die Fusion der beiden Kirchengemeinden von Walddorf und Häslach, die im Januar 2012 mit einem Festgottesdienst und einer Menschenkette gefeiert wurde. Für Dinkel war es »ein sehr schönes Projekt, das auch einen Aufbruch bedeutet hat«. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Kirchengemeinden sei aber auch schon vorher sehr eng gewesen, weshalb er den Zusammenschluss mit einem reifen Apfel, der vom Baum fällt, vergleicht.

Dinkel betont aber auch, dass er nicht möchte, dass man den Zusammenschluss allein ihm als Verdienst zuschreibt. Er habe nur mitgearbeitet, ihn begleitet und mitgestaltet, »aber es war ein gemeinsamer Gemeindeprozess«.

Als zweites wichtiges Projekt in seiner Amtszeit bezeichnet Dinkel den Bau des neuen Gemeindehauses in Häslach, »ein Schmuckstück«. Dieses Projekt sei für alle sehr herausfordernd gewesen. »Viele haben mit Hand angelegt«, viel Eigenleistung sei in den Bau des Gemeindehauses mit eingeflossen.

Auch mit der kommunalen Gemeinde habe es eine enge Verzahnung gegeben, beispielsweise beim evangelischen Kindergarten. »Wir sitzen ja alle im gleichen Boot.« Am wichtigsten war dem Pfarrer in den vergangenen 13 Jahren aber der Kontakt mit den Menschen in Walddorfhäslach. Er habe sie in allen Lebenslagen kennengelernt, viele Lebensgeschichten gehört, beispielsweise bei Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen. Er habe dabei viel für sich selbst gelernt, »das war absolut bereichernd für mich«.

Auch Dinkels Familie hat sich in Walddorfhäslach verändert. Seine drei Kinder sind im Ort erwachsen geworden. »Sie haben eine sehr schöne Zeit als Jugendliche hier erlebt, waren in Walddorfhäslach sehr integriert.« Inzwischen sind sie aus dem Haus, zwei studieren in Tübingen, eine Tochter lebt in Mannheim.

Ungeschriebene Pfarrerweisheit

Bei aller Verwurzelung in Walddorfhäslach: Nach 10 bis 15 Jahren sollte ein Pfarrer die Stelle wechseln, findet Dinkel, dies sei eine »alte, ungeschriebene Pfarrerweisheit«. Der Wechsel tue einfach gut. Aber so weit weg wollte er doch nicht ziehen. Die persönlichen Bindungen nach Walddorfhäslach sind doch sehr groß, »wir wollten privat nicht noch mal komplett neu anfangen«. Da kam die freie Pfarrstelle in Gomaringen gerade recht. Auch dort gebe es »eine aktive Beteiligungsgemeinde«.

Gomaringen verfügt über zwei volle Pfarrstellen. Sein Kollege sei der geschäftsführende Pfarrer, was Dinkel sehr recht ist. »Da habe ich mehr Zeit für die Menschen und muss nicht mehr so viel am Schreibtisch sitzen und die Verwaltungsarbeit erledigen. Das habe ich lange genug gemacht«, freut sich Hartmut Dinkel auf Gomaringen. (GEA)

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