Weltspiegel
Prozesse

Vater des Amokläufers will Zivilklage einreichen

Von Oliver Schmale, dpa

Weinsberg/Winnenden (dpa) - Der Vater des Amokläufers von Winnenden will gegen das Klinikum in Weinsberg juristisch vorgehen und Zivilklage einreichen.

Umriss des Amokläufers Tim K.
Umriss des Amokläufers Tim K. FOTO: dpa
Ziel sei es, dass die Haftpflichtversicherung der Klinik einen Teil der Schadenersatzforderungen übernehmen müsse, sagte Anwalt Erik Silcher am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Es gehe um eine Summe von 8,8 Millionen Euro.

Er gehe davon aus, dass erkennbar gewesen sei, dass Tim K. gefährlich war, sagte Silcher. Wäre die Familie darauf hingewiesen worden, hätte der Amoklauf möglicherweise verhindert werden können. In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kreis Heilbronn war der Jugendliche wenige Monate vor der Bluttat untersucht worden. Dort war am Montag keiner der Verantwortlichen für eine Stellungnahme zu erreichen.

Silcher bestätigte Berichte des Südwestrundfunks und der «Heilbronner Stimme». Beim Landgericht Heilbronn seien ein Antrag auf Prozesskostenhilfe und ein Klageentwurf eingereicht worden, erklärte der Jurist. Silcher betonte aber, dass der Kläger das Geld nicht für sich wolle. Wenn er Geld zugesprochen bekomme, solle alles an die Geschädigten weitergereicht werden.

Die Schadenersatzforderungen der Hinterbliebenen und der Stadt Winnenden (Rems-Murr-Kreis) an den Vater von Tim K. belaufen sich inzwischen auf bis zu 18 Millionen Euro. Der Vater könne diese Summe nicht aufbringen, sagte Silcher weiter.

Der Mann habe auch nicht genügend Geld, um die Klage zu finanzieren. Der Anwalt schätzte die Höhe der Kosten auf 200 000 Euro. Deshalb sei auch der Antrag auf Prozesskostenhilfe eingereicht worden. Gleichzeitig habe er die Rechtsschutzversicherung des Vaters vor dem Stuttgarter Landgericht verklagt.

Tim K. hatte am 11. März 2009 in seiner früheren Realschule in Winnenden und auf der Flucht nach Wendlingen (Kreis Esslingen) 15 Menschen und sich selbst erschossen. Die Tatwaffe hatte sein Vater zuvor unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt. Dafür war er in einem ersten Verfahren wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe kassierte den Schuldspruch aber wegen eines Verfahrensfehlers. Nun muss sich der Vater zum zweiten Mal vor Gericht verantworten. Dieser Prozess begann Mitte November.

Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Ausbildung

Azubis gesucht: Top-Ten der offenen Lehrstellen im Land

Wenn kommende Woche das Ausbildungsjahr startet, dürfte es in manchen Branchen lange Gesichter geben. Denn während sich einige vor Bewerben kaum retten können, ringen andere verzweifelt um Azubis. Um potenziellen Nachwuchs zu locken, werden Berufe sogar umbenannt.
lesen »

Betrunkene 74-Jährige verursacht Verkehrsunfall

METZINGEN. Eine betrunkene 74-jährige Mercedeslenk... mehr»

Wenger zum angeblichen Podolski-Wechsel: «Wird bleiben»

Wo wechselt Lukas Podolski hin? Oder bleibt er doch in London? Foto: Jens Büttner

London (dpa) - Coach Arsène Wenger vom FC Arsenal ... mehr»

WHO für weltweites Verbot von E-Zigaretten für Minderjährige

Der Tabakbranche wird vorgeworfen E-Zigaretten auch als eine «Einstiegshilfe» zum Rauchen zu benutzen. Foto: Marcus Brandt

Genf (dpa) - Sie wird als Alternative zum Rauchen ... mehr»

Wowereit zieht sich aus der Politik zurück

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sichtlich gerührt bei der Erklärung seines Rücktritts. Foto: Tim Brakemeier

Berlin (dpa) - Monatelange Spekulationen haben ein... mehr»

Wowereit kündigt Rücktritt an

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit will zum Ende des Jahres aufhören. Foto: Maurizio Gambarini

Berlin (dpa) - Nach mehr als 13 Jahren im Amt hat ... mehr»

Film

Britische Filmlegende Richard Attenborough gestorben

Mehr als sechs Jahrzehnte dominierte Richard Attenborough die Welt des britischen Films - als Schauspieler und Regisseur. Foto: Daniel Deme
Im Alter von 90 Jahren ist der britische Schauspieler und Regisseur Richard Attenborough gestorben. Zeitgenossen, Filmkollegen und Politiker würdigten den Filmschaffenden («Gandhi») als eine der tragenden Figuren seiner Branche.
lesen »
Musik

Miley Cyrus schnappt Beyoncé MTV-Videopreis weg

Beyoncé mit dem Michael Jackson Video Vanguard Award. Foto: Mike Nelson
Das «Video des Jahres» hat Skandalsängerin Miley Cyrus (21) gemacht. Der Clip zu ihrem Hit «Wrecking Ball» gewann am Sonntagabend (Ortszeit) in Inglewood bei Los Angeles den wichtigsten Preis der MTV Video Music Awards.
lesen »
Gastgewerbe

Buffett hilft Burger King beim Steuern sparen

US-Investor Warren Buffet auf einer Pressekonferenz. Foto: Arne Dedert/Archiv
Der US-amerikanische Großinvestor Warren Buffett will Burger King laut einem Zeitungsbericht bei der Verlagerung des Firmensitzes ins steuergünstigere Ausland unterstützen.
lesen »
Boxen

Klitschkos WM-Kampf gegen Pulew geplatzt

Wladimir Klitschko hat sich einen Muskelfaserriss im linken Bizeps zugezogen. Foto: Felix Hoerhager
Die Titelverteidigung von Wladimir Klitschko am 6. September gegen den Bulgaren Kubrat Pulew ist wegen einer Verletzung des Box-Weltmeisters geplatzt.
lesen »