Großbritannien

Van rast in Muslimengruppe: «Attacke auf alle Londoner»

Von Silvia Kusidlo, dpa

London (dpa) - Großbritannien kommt einfach nicht zur Ruhe. In der Nacht zum Montag, um 00.20 Uhr Ortszeit, gehen bei der Londoner Polizei die ersten Notrufe ein.

Der Lieferwagen war in eine Menschenmenge nahe einer Moschee gefahren. Foto: Victoria Jones
Der Lieferwagen war in eine Menschenmenge nahe einer Moschee gefahren. Foto: Victoria Jones
Ein Lieferwagen ist in eine Menschengruppe in der Nähe einer Moschee gerast. Blut, Schreie, reglose Körper in der dunklen Nacht. Gläubige eilen herbei und halten den Fahrer in Schach, bis die Polizei eintrifft. «Ich habe meinen Teil getan», soll der Täter ihnen zugerufen haben.

Ist es wieder ein Terroranschlag? Oder die Tat eines geistig Verwirrten? Der 48 Jahre alte Fahrer wird «als Vorsichtsmaßnahme» zunächst in ein Krankenhaus gebracht und dort auch auf seine psychische Gesundheit untersucht.

Hassan Hammoud aus Tunesien hat den Fahrer gesehen. «Ich war wegen des Fastenbrechens in einem Restaurant um die Ecke, als ich die Sirenen hörte», schildert der 20-Jährige der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Er wirkte ganz normal, nicht psychisch krank.»

Abdul Abdulahi (18) zittern immer noch die Knie. «Es lagen Menschen auf dem Boden, alte Menschen, Kinder. Es war schockierend.» Als die Polizei kam, habe der Täter Luftküsse verteilt, erzählt Abdulahi der dpa. «Dieser Mann wusste ganz genau, was er tut. Er wusste, wann die Betenden aus der Moschee kommen», vermutet er. Zwei Stunden vorher oder nachher, so der 18-Jährige, «wäre niemand hier gewesen».

Die Bilanz der blutigen Fahrt: zehn Verletzte, ein weiterer Mensch stirbt. Ob die Attacke mit dem Lieferwagen für den Tod des Mannes verantwortlich ist, bleibt allerdings zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei wird der Mann bereits von Ersthelfern unterstützt, als der Minivan in die Menschenmenge fährt.

Fast wäre es dem Fahrer selbst an den Kragen gegangen. Das berichtet Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, vor dem der Zwischenfall passierte, dem britischen Fernsehsender Sky News. Denn ein wütender Mob habe sich auf den 48-Jährigen gestürzt, nachdem er den Lieferwagen verlassen hatte. Doch der Imam der Moschee habe eingegriffen und Schlimmeres verhindern können.

Von den Augenzeugen-Berichten her könnte der Täter von Islamhass motiviert gewesen, schreibt der Rat der Muslime auf Twitter. Mohammed Kozbar, der Vorsitzende einer nahegelegenen Moschee im nördlichen London, sagt der Boulevard-Zeitung «The Sun»: «Wer immer das getan hat, wollte Menschen verletzen. Das ist eine Terrorattacke.»

So behandelt auch die Polizei den Fall. Aber sie will die Gemüter beruhigen, keine Gräben entstehen lassen. «Das war eine Attacke auf London und alle Londoner», betont Neil Basu von Scotland Yard.

Drei Terroranschläge hat es in den vergangenen Monaten schon in Großbritannien gegeben: zwei in London und einen in Manchester. Bei den beiden Attacken in der britischen Hauptstadt spielten wie jetzt auch geliehene Fahrzeuge als Waffen eine Rolle.

So viele Anschläge binnen kurzer Zeit machen die sonst gelassenen Briten nervös. Kein Wunder, dass auch beim katastrophalen Hochhausbrand in der vergangenen Woche in London schnell die Frage aufkam, ob es sich um einen Anschlag handeln könnte. Scotland Yards klare Antwort: Nein.

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