Parteien

Kanzlergehalt: Unterstützung in der SPD für Steinbrück

Berlin (dpa) - Nach der scharfen Kritik an SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wegen seiner Äußerung zum Kanzlergehalt melden sich nun auch Unterstützer aus den eigenen Reihen zu Wort.

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück sorgt erneut für Wirbel. Foto: Tim Brakemeier/ Archiv
SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück sorgt erneut für Wirbel. Foto: Tim Brakemeier/ Archiv
Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) beklagte am Montag im Deutschlandfunk, Steinbrücks Bemerkung werde systematisch aufgebauscht. Auch andere SPD-Abgeordnete stellten sich hinter den Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Bei einigen Sozialdemokraten und der politischen Konkurrenz herrscht dagegen weiter Unverständnis über die Aussage des SPD-Spitzenmanns.

Steinbrück, der wegen seiner hohen Nebeneinnahmen durch Vorträge in der Kritik steht, hatte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» gesagt, gemessen an der Leistung und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt bekomme der Regierungschef in Deutschland zu wenig Geld. «Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin.» Am Wochenende hatte er sich damit viel Protest eingehandelt - auch aus der eigenen Partei.

Thierse hielt dagegen, Steinbrücks Feststellung, dass die Bezüge in Relation zu denen anderer Führungskräfte niedrig seien, hätten schon viele andere gemacht. Es lasse sich einräumen, dass der Moment etwas unglücklich sei, sagte er, kritisierte aber zugleich: «Diese Bemerkung wird nun ganz systematisch aufgebauscht.»

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach stärkte seinem Parteikollegen den Rücken. «Steinbrück hat in der Sache natürlich Recht: In Anbetracht der Größe des Landes ist das Gehalt der Kanzlerin zu gering», sagte er der «Rheinischen Post». Lauterbach bezeichnete die Debatte über Steinbrücks Äußerungen als «Heuchelei».

Unterstützung kam ebenso von Ernst Dieter Rossmann, dem Sprecher der Parlamentarischen Linken der SPD im Bundestag. Steinbrück habe vollkommen Recht, sagte er dem Blatt. «Spitzenvertreter in der Wirtschaft werden viel zu hoch bezahlt. Manche Gehälter sind obszön.» In der «Berliner Zeitung» fügte er aber mahnend hinzu: «Ökonomische Markt-Wahrheiten sind ein schlechter Maßstab für politische Werte.»

Die Vize-Vorsitzende der Südwest-SPD, Leni Breymaier, warf dem Kanzlerkandidaten mangelnde Sensibilität vor. In der Sache habe Steinbrück zwar recht, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. «Aber er hat kein Fingerspitzengefühl für den richtigen Zeitpunkt.» Themen wie Mindestlohn seien wichtiger als Kanzlergehälter.

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zeigte kein Verständnis für die Debatte: «Unser Land hat drängende Probleme, die es anzupacken gilt. Die Frage des Gehalts der Kanzlerin gehört sicher nicht dazu», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung» (Montag).

Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing sagte, Steinbrück komme es offensichtlich sehr auf das Geld an. Der SPD-Politiker habe den falschen Maßstab angelegt, sagte Wissing im Sender WDR 5. «Für politische Ämter gelten nicht die Gehaltsvorstellungen oder auch die Gehaltsrealitäten in der Banken- und Finanzwirtschaft.»

Von den blanken Zahlen her liegt Steinbrück allerdings richtig, wie ein Blick auf einige zufällig ausgewählte Sparkassen in NRW ergibt. Selbst kleinere Häuser zahlen ihrem Vorstandsvorsitzenden nach dpa-Recherchen tatsächlich mehr, als die Kanzlerin verdient: Merkel kommt mit Kanzlerbesoldung und Abgeordnetenbezügen auf knapp 300 000 Euro im Jahr. Der Chef der Sparkasse KölnBonn dagegen kassierte im Jahr 2011 eine Vergütung von insgesamt 578 000 Euro. Mit einer Bilanzsumme von rund 30 Milliarden Euro ist KölnBonn allerdings auch eine der größten Sparkassen in Deutschland.

Aber auch in kleineren Banken werden die Chefs großzügig vergütet: So etwa in Paderborn, wo die Sparkasse bei einer Bilanzsumme von 3,4 Milliarden Euro ihrem Chef 388 000 Euro zahlt.

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Tübinger Theater

Pop als Lebenselixier im LTT Tübingen

Derb überzeichnete Rentnertypen: In »Ewig Jung« lassen es die Senioren eines Pflegeheims nochmal so richtig krachen. FOTO: TOBIAS METZ
Das LTT-Ensemble rockt in Erik Gedeons Song-Drama »Ewig Jung« als Greisenband über die Bühne.
lesen »
Das GEA-Schönheitsmagazin

Attraktiv Ausgabe 2

GEA-Schönheitsmagazin Attraktiv
Laden Sie sich die Ausgabe 2 unseres Schönheitsmagazins herunter.
Attraktiv Ausgabe 2 (PDF, 8.3 MB)
Das neue GEA E-Paper
Noch nie war Zeitunglesen so einfach! Das neue GEA E-Paper bringt Ihnen den Reutlinger General-Anzeiger übersichtlich und kompakt auf den Bildschirm. Überzeugen Sie sich selbst! Testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos und unverbindlich das GEA E-Paper. Hier bestellen...

Frostiger Morgen

Gefängnisstrafe für Fahrdienstleiter von Bad Aibling

Traunstein (dpa) - Nach dem verheerenden Zugunglüc... mehr»

Referendum in Italien lässt Finanzmärkte unbeeindruckt

An den Märkten in Asien waren die Abschläge überschaubar. In Tokio schloss der Nikkei-Index für 225 führende Werte 0,82 Prozent tiefer bei 18 274,99 Punkten. Foto: Franck Robichon

Frankfurt/Rom (dpa) - Die internationalen Finanzmä... mehr»

Gabriel: Italien muss Kurs halten

Berlin (dpa) - Vizekanzler Sigmar Gabriel hofft, d... mehr»

Betriebsratschef: BMW soll Batterien selbst produzieren

BMW hat sechs Plug-in-Hybride sowie den batteriegetriebenen Kleinwagen i3 im Angebot. Foto: Jan Woitas

München (dpa) - BMW-Betriebsratschef Manfred Schoc... mehr»

USA

Mehr als 30 Tote bei Feuer in kalifornischem Lagerhaus

Einsatzkräfte suchen das stark zerstörte Lagerhaus weiter ab. Foto: John G. Mabanglo
Das Feuer in einem Lagerhaus im kalifornischen Oakland hat mindestens 33 Menschen das Leben gekostet. Unter den Toten sind auch Teenager.
lesen »
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...